Hamburger Super-Verpflichtung? Van der Vaart kommt für geschätzte 13 Millionen Euro aus Tottenham. Frank Arnesen hilft’s wenig, der Transfer lief am Sportchef vorbei. Foto: dapd
Rafael van der Vaart kehrt zum Hamburger SV zurück und soll schon an diesem Samstag beim Nordderby in Bremen spielen
Der Abstieg wäre teurer – ein Satz, den man am Freitagnachmittag häufiger von Verantwortlichen des Hamburger SV hörte. Nun ist Rafael van der Vaart keine Anti-Abstiegsversicherung. Aber der Glaube am Volkspark ist groß, dass der Rückkehrer dem ganzen Klub einen Schub gibt und der verunsicherten Mannschaft hilft, eine vergleichsweise sorgenfreie Saison zu erleben. Dass an anderen Standorten im Süden und Westen der Republik zukunftsweisende Transfers vorgenommen wurden, beim HSV aber eher an einen 29 Jahre alten Retter, als an ein Konzept geglaubt wird – geschenkt. An diesem Tag wollten sich die HSV-Verantwortlichen zunächst einmal darüber freuen, das bekommen zu haben, was sie unbedingt wollten.
Für drei Jahre band sich der niederländische Nationalspieler an den HSV. Seine Entlohnung fällt mit 3,5 Millionen Euro brutto pro Jahr vergleichsweise moderat aus. Von den geschätzten 13 Millionen Euro, die die Hamburger an van der Vaarts letzten Klub Tottenham Hotspur überweisen, stammt ein großer Teil aus einem zinslosen Darlehen des Hamburger Milliardärs Klaus-Michael Kühne. Auch der reiche Reeder darf sich wie ein Sieger fühlen, hatte er das Thema van der Vaart doch den ganzen Sommer über am Köcheln gehalten – van der Vaart gilt als Lieblingsspieler des HSV-Fans Kühne. Eine Begeisterung, die sich in den ersten Hamburger Jahren des Niederländers von 2005 bis 2008 herausgebildet hatte.
Beim HSV hofft man auf eine kurze Eingewöhnungszeit van der Vaarts: Er soll schon an diesem Samstag bei Werder Bremen spielen. Mit so heißer Nadel hat noch kein Bundesliga-Klub seine Startelf gestrickt. Ziemlich genau 24 Stunden vor dem Anpfiff dieser Partie wurde van der Vaart im Hamburger Universitäts-Klinikum untersucht. An seiner Seite sollen in Petr Jiracek und Milan Badelj zwei Frischlinge spielen, die ebenfalls kaum länger an Bord sind: Der 23 Jahre alte Badelj stieß am Mittwoch zum HSV, Jiracek, 26 Jahre alt, zwei Tage früher. Jiracek hatte bei seiner Vorstellung schon gesagt, dass er gern für van der Vaart laufen werde. Nach dem schlechten Saisonstart soll es diese neue Mittelfeldachse mit van der Vaart in der Zentrale sein, die den HSV in höhere Tabellenregionen hievt.
Dass der HSV ins Risiko ging, einen externen Geldgeber anzapfte und selbst jeden Cent zusammenkratzte, ist dabei zwar verständlich: Der Klub hätte mit diesem Kader den Abstieg riskiert. Der wäre teurer als das van-der-Vaart-Paket. Was es allerdings über das HSV-Scouting aussagt, keine andere Idee als diese teure Rückholaktion zu haben, steht auf einem anderen Blatt.
Vielleicht gerät dank van der Vaart und Co. auch Sportchef Frank Arnesen etwas aus der Schusslinie. Er wurde vor 18 Monaten als charmantes Universalgenie vom FC Chelsea geholt. Als Mann, der den HSV wieder in die Spur bringen sollte. Inzwischen mehren sich die Hinweise, dass die Hoffnungen, die ein ganzer Klub in eine Person setzte, viel zu groß waren: Der Schlingerkurs des Dänen auf Spielersuche missfällt sogar den Vorstandskollegen, die hinter vorgehaltener Hand murren. Einige Spieler grinsen, wenn sie Arnesen mit dem Handy am Ohr am Trainingsplatz sehen. Der 55-Jährige hat eine schlechte Bilanz vorzuweisen: Seine Ladenhüter Tesche, Rajkovic und Drobny wurde er nicht los. Der Jiracek-Transfer kam zustande, weil der Berater des Tschechen ihn anbot. Van der Vaarts Kauf war eher das Verdienst Jarchows und Joachim Hilkes, des Marketing-Vorstands – Arnesen hat keinen guten Draht zu Tottenhams Chef Daniel Levy. Nimmt man noch den überforderten Letten Artjems Rudnevs hinzu (für ihn überwies Arnesen 3,5 Millionen Euro nach Posen) und die Fehleinkäufe des vergangenen Sommers, Ilicevic und Skjelbred, verblasst selbst die kaufmännische Leistung Arnesens, für Guerrero und Töre acht Millionen Euro erlöst zu haben.
Spielplan, Liveticker, Statistiken: Alle Daten und Fakten zur aktuellen Bundesliga-Saison 2012/13
Der überraschende Schwenk der Rathauskooperation von einer Tourismusabgabe zu einer Beherbergungssteuer zur Verhinderung eines Pflichteintritts für den Park Sanssouci stößt in der Stadt auf ein geteiltes Echo. Welche Lösung hätten Sie bevorzugt?