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EURO 2012

  • 02.07.2012

EUROPA Reise: Schachern gegen das Niveau

Marcel Reif resümiert die in der Breite wohl schlechteste EM aller Zeiten

Mitunter kommt mir der Verdacht, dass in den Gremien unserer Fußballverbände irgendwo irgendwelche Menschen sitzen, die Fußball nicht mögen und ihn deshalb kaputt machen wollen. Wie soll man bitteschön sonst die vermeintlichen Reformpläne verstehen? 24 Mannschaften also demnächst. Die jetzige EM hat doch schon gezeigt, dass wir in Europa nicht mal 16 einigermaßen gleichwertige Mannschaften haben. Mit dem Ergebnis, dass wir in der Breite die wohl schlechteste EM aller Zeiten gesehen haben. Zum Glück, vielleicht auch logischerweise, haben sich am Ende die besten vier Teams durchgesetzt. Aber dass die Spitze in Europa, Spanien, Italien, Deutschland, Portugal sich entfernt hat, sogar von Frankreich, England, um nicht zu reden von den anderen, noch schwächeren Nationen, von Schweden, Dänemark, Ukraine usw., um gar nicht zu denken an Griechenland, Irland – das war deutlich genug. Und diese Schere hat Auswirkungen aufs Spiel. Wo sind die Mannschaften, die aufs Spielfeld gehen, um gewinnen zu wollen, wo sind sie, die nicht nur Schaden begrenzen wollen, wenn es gegen die vermeintlich Großen geht, wo sind die, die nicht nur verhindern wollen? Und wenn diese Haltung auch noch auf das Halbfinale abfärbt und auf Löws taktische Maßnahmen gegen Italien…

Ach, so eine EM, das war mal das beste Fußballereignis, das die Welt zu bieten hatte, nun wird es aufgebläht. Warum nur? Was will Platini? Demokratisierung, damit alle mitspielen können? Wir können auch die Tore abschaffen, dann gibt es keinen Wettkampfcharakter mehr, kein Leistungsprinzip. Das aber macht den Fußball erst zu dem, was er ist. Was will Platini? Wahrscheinlich geht es um Stimmen, möglichst viele dankbare Stimmen. Dann aber ist die Uefa keinen Deut besser als die Fifa.

Statt einfach mal die Finger zu lassen von einer gute Sache, und das waren Europameisterschaften einmal, wird rumgeschachert, werden notwendige Veränderungen einfach außer Acht gelassen. Das System mit fünf Schiedsrichtern habe sich bewährt, behauptet dieser Platini tatsächlich. Ein Torrichter, der zwei Meter neben dem Ball steht und nicht erkennt, dass er hinter der Linie ist, hat sich nicht bewährt, der sollte zur Bewährung in der Bezirksliga üben. Die Tortechnik muss her, denn es geht ja nicht darum, Stammtischen Diskussionsstoff zu liefern, es geht um eine erstklassige Sportveranstaltung. Ich fürchte, man muss heute schon sagen, es geht um eine ehemals erstklassige Sportveranstaltung.

Hier kommentierten Lucien Favre, Philipp Köster, Jens Mühling, Marcel Reif und Moritz Rinke im Wechsel die EM. Alle Kolumnen unter www.tagesspiegel.de/fussball-em.

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