Ungleiches Duo. Alexander Powetkin (links) und sein Trainer Teddy Atlas. Foto: ddp
Der Boxer Alexander Powetkin greift heute mit seinem neuen Trainer Teddy Atlas an
Berlin - Teddy Atlas hatte sich in die letzte Reihe ganz an den Rand gesetzt. Fast wirkte es so, als sei er für einen Moment eingenickt. Schließlich raffte sich der prominente Trainer doch noch auf, um vorn auf dem Podium Platz zu nehmen. Sein Schützling, der Boxer Alexander Powetkin, wird heute Abend in der Berliner Schmelinghalle vom Mexikaner Javier Mora herausgefordert. Für Atlas und Powetkin ist das eine Übergangsstation. Ende des Jahres winkt ein Kampf gegen Wladimir Klitschko, den Mehrfach- Weltmeister im Schwergewicht.
„Wir konzentrieren uns im Moment nur auf Mora“, sagt Atlas, „danach denken wir daran, wie wir Klitschko bezwingen.“ Teddy Atlas ist selbst schon Teil dieses Plans. Vor ziemlich genau zwei Jahren erkämpfte Powetkin sich durch einen Sieg über Eddie Chambers (USA) das Recht, Weltmeister Klitschko herauszufordern. Der Kampf sollte im Dezember 2008 stattfinden, tat er aber nicht, weil Powetkin sich verletzte. In der Zwischenzeit hat der 30-Jährige aus Tschechow nahe Moskaus drei Kämpfe siegreich bestritten. Auch Klitschko war nicht tatenlos. Er verteidigte seine Titel unter anderem gegen Hasim Rahman und Ruslan Tschagajew. In einer Woche wird er im Düsseldorfer Fußballstadion gegen eben jenen Chambers boxen, den Powetkin seinerzeit in Berlin zwar nur nach Punkten, aber deutlich beherrscht hatte.
„Wenn es zum Kampf gegen Klitschko kommt, werden wir soweit sein“, sagt Teddy Atlas. „Bis dahin versuche ich ihn als Boxer kompletter, zum möglichst Besten der Welt zu machen.“ Es handelt sich um eine ungewöhnliche Partnerschaft. Hier der russische Boxer, 2004 Olympiasieger und Weltmeister bei den Amateuren (2003), dort der amerikanische Trainer, der einst die beiden früheren Weltmeister Mike Tyson und Michael Moorer sekundierte. Fraglich ist, ob beide Boxphilosophien miteinander verbindbar sind.
Bis zum vorigen Sommer arbeitete der technisch hoch veranlagte Schwergewichtler mit Waleri Below zusammen, der über Jahre auch die russischen Amateure betreute. „Meine Idee war es nicht, ich fand meinen alten Trainer immer gut“, sagt Powetkin. Vielmehr sei es so gewesen, dass sein Management für ihn diese Entscheidung getroffen hätte. „Sie wollten damit wohl mein Interesse für das Boxen wieder neu erwecken“, sagt Powetkin und lächelt vielsagend. Schließlich lud Powetkins Management von Sauerland Event den berühmten Trainer zum Kennenlernen nach Russland ein. „Wir haben relativ schnell einen Draht zueinander entwickelt und waren uns sympathisch“, erzählt Powetkin.
Psychologie spielt eine nicht unerhebliche Rolle im Boxen. Erst recht im Schwergewicht, wo ein Schlag entscheidend sein kann. Kann nicht schaden, einen großen Namen in seiner Ecke zu wissen, das wirkt. Dass es nun unbedingt ein Amerikaner ist, der frühere Klassenfeind, sei’s drum. „Was ich gelernt habe, dass es keinen Unterschied macht, ob Deutscher, Russe oder Amerikaner – es kommt immer auf den Charakter an und wie ein Mensch sich in der Welt bewegt“, erzählt Powetkin.
Ist es mehr eine Zweckgemeinschaft oder doch eine Herzenangelegenheit? Die vergangenen sechs Wochen haben die beiden in den Vereinigten Staaten verbracht, in der Nähe von New York. Beide weichen der Frage aus. „Er ist ein Typ, der sich stets verbessern will“, erzählt der 53 Jahre alte Atlas. „Jeden Tag baue ich eine neue Kleinigkeit ein, die ihm später gegen Klitschko helfen wird.“ Allerdings gibt es ein kleines Problem. Powetkin, der bislang all seine 18 Profikämpfe gewonnen hat, ist sehr heimatverbunden. Seine Trainingsaufenthalte in den USA möchte er so kurz wie möglich halten. Andererseits will Atlas nicht ständig nach Russland reisen. Daran könnte eines Tages die Partnerschaft scheitern.
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