Einlauf mit Atmosphäre. Bei sonnigem Frühlingswetter genossen 8500 Zuschauer auf der Galopprennbahn Hoppegarten die Wettbewerbe. Foto: Imago
Beim stimmungsvollen Saisonauftakt in Hoppegarten triumphiert Filip Minarik
Berlin - Wenige Galoppsprünge war Filip Minarik noch von der Ziellinie entfernt, da reckte er den linken Arm und spreizte vier Finger der Hand. So erfolgreich war Minarik zum Saisonauftakt in Hoppegarten am Sonntag im Sattel, vier Rennen entschied er für sich. Eine gute Bilanz für den gebürtigen Tschechen, dessen erklärtes Ziel es ist, sich in der Rangliste der besten deutschen Rennreiter wieder ganz nach oben zu arbeiten. Dort, wo er bereits im Jahr 2005 einmal gestanden hatte, als er mit den meisten Siegen Champion des Jahres geworden war. Doch schon bei der Siegerehrung wurde Minarik schon wieder vorsichtig, möglicherweise erschrocken über die eigene Courage Minuten zuvor im Sattel: „Die Saison ist noch lang.“ Noch ist nichts perfekt.
Angesichts der Konkurrenz auf dem Hoppegartener Turf war die Bescheidenheit des Reiters angebracht. Denn selbst wenn Minarik auf der Stute Miss Naline bereits das erste Rennen des Tages mit einigem Vorsprung hatte gewinnen können, so machten ihm die Kollegen den Sieg im letzten Rennen über die volle Distanz von 2400 Metern nicht gerade leicht. Zur Beunruhigung der Zuschauer, von denen viele auf den Tschechen im grasgrünen Blouson gewettet hatten.
8500 Zuschauer kamen am sonnigen Ostersonntag zur Rennbahn, mit Kindern, Enkeln und Freunden, mit schickem Hut und Picknickkorb oder in Turnschuhen und Kapuzenpulli. Bester Laune war auch Rennbahneigner Gerhard Schöningh. Vor rund einem Jahr hatte er die Bahn gekauft. Und im Vergleich zum vergangenen Jahr, sagt Geschäftsführer Andreas Neue, verfolgten 45 Prozent mehr Gäste die Rennen zum Saisonauftakt. Mit Spannung.
Als die Pferde im achten Rennen aus der Kurve in die Zielgerade einbiegen, stehen viele der Zuschauer auf, drücken Daumen, kneten Taschentücher, beißen in die papiernen Ecken ihrer Programmhefte. Lange hält sich Minarik auf dem Fuchswallach Irish Fox im vorderen Mittelfeld – gespannte Stille, in der nur dumpf die Hufe der heranrasenden Pferde zu hören sind. Noch vierhundert Meter sind es bis zum Ziel, da beginnt Minarik aufzuholen. Pfiffe, Jubel. Nicht ohne Mühe gelingt es dem Jockey, den Fuchs schließlich an die Spitze des Feldes zu reiten, dicht gefolgt vom Hoppegartener Wallach Argar. Die Jockeys werfen die Arme nach vorne, klatschen die Gerten auf die Schultern ihrer Pferde. Ein letzter weiter Galoppsprung – und Irish Fox ist im Ziel.
Junge Männer zücken ihre Wettscheine und legen erleichtert einen Arm um ihre Begleiterinnen. Doch nicht vergeblich auf den Favoriten des Tages gewettet! Nicht zu verachten jedoch: Die junge Rennreiterin im Sattel von Argar, die noch auf den letzten Metern versuchte, Minarik seinen vierten Tagessieg streitig zu machen, hat erst wenige Profirennen bestritten. Bietja Leitner ist Auszubildende in Hoppegarten, trainiert beim hiesigen Trainer Roland Dzubasz. Ein Sieg beim Saisonauftakt blieb dem allerdings verwehrt. Im Gegensatz zu seinem Hoppegartener Trainerkollegen Martin Rölke. Der freute sich ausgiebig über den ersten Platz seines Schützlings Readyspice im vierten Rennen des Tages. „Man hat gesehen, dass Readyspice Talent hat“, sagte Rölke stolz, bemerkte jedoch: „Ob er eine Rakete wird, muss man sehen.“ Denn der dreijährige Hengst hat ein Problem, das auch menschlichen Leistungssportlern nicht unbekannt ist: schwache Nerven. Eine Teilnahme beim Derby in Prag plant der Trainer trotzdem ein.
Einige der jungen Pferde, die am Sonntag starteten, hoffen jedoch noch auf die Teilnahme an einem anderen Derby – dem großen Rennen für Dreijährige in Hamburg am 5. Juli, bei dem die maximal 20 Besten eines Jahrgangs gegeneinander antreten. In Hoppegarten konnten sich einige der Pferde bereits empfehlen, unter ihnen der dunkelbraune Hengst Torres, der unter dem erfahrenen Jiri Palik das erste Rennen seines Lebens gewann.
Die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens in Schönefeld wird sich deutlich verzögern. Sollte das Ihrer Meinung nach personelle Konsquenzen haben?