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  • 17.05.2018
  • von Henrik Hoelzmann und Steven Wiesner

Bundesliga-Relegation gegen Wolfsburg: Wer oder was ist Holstein Kiel?

von Henrik Hoelzmann und Steven Wiesner

Josuha Guilavogui (links, hier in der Relegation gegen Braunschweig 2017) Foto: Peter Steffen/dpa

Beim VfL Wolfsburg kennen sie ihren Relegationsgegner Holstein Kiel kaum. Trotzdem spricht schon im Hinspiel am Donnerstag viel für den Bundesligisten.

Sie wollte ja nicht mal wissen, wie man sie buchstabiert. Nur, ob er überhaupt schon mal etwas von Dominick Drexler oder Marvin Ducksch gehört habe. Doch alles, was die „Sportschau“-Journalistin vom Wolfsburger Bundesligaprofi Josuha Guilavogui zu hören bekam, war ein ahnungsloses „Wie bitte?“ Der Franzose legte dazu noch einen hilflosen Blick auf, als hätte man ihm eine Exponentialgleichung mit fünf Variablen aufgetischt.

Erst als ihm die Reporterin erklärte, dass das die beiden Topscorer von Holstein Kiel seien, machte es Klick bei Guilavogui, der damit zumindest noch besser informiert war als sein belgischer Mitspieler Divock Origi. Dieser nämlich schien nicht mal zu wissen, dass dieses Holstein Kiel überhaupt ein Fußballklub ist. Fünf Tage vor dem ersten Duell mit den Kielern in der Relegation am Donnerstag (20.30 Uhr/Eurosport Player) um einen Platz in der Bundesliga. Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es wirklich amüsant.

Zuhauf hatten sie beim VfL Wolfsburg bekräftigt, dass es jetzt alle verstanden hätten. Um was es ginge, und was es brauche, um in der Liga zu bleiben. Die Aussagen von Guilavogui und Origi direkt nach dem letzten Bundesligaspiel am Samstag gegen Köln aber konterkarierten diese Parolen prompt.

Und schon fällt es einem gar nicht mehr so schwer zu verstehen, wieso diese für teures Geld zusammengestellte Mannschaft mit durchaus fähigen Fußballern wie Yunus Malli, Daniel Didavi oder Maximilian Arnold zum zweiten Mal in Folge nachsitzen muss im Kampf um den Bundesliga-Klassenerhalt. Das hatte sich in der Geschichte der Relegation bisher nur der Hamburger SV eingebrockt (2014, 2015).

Vor zwölf Monaten behaupteten sich die Niedersachsen gegen Eintracht Braunschweig mit zwei 1:0-Siegen und günstigen Schiedsrichterentscheidungen. Nun stellt sie mit Kiel der nächste hungrige Zweitligist auf die Probe. „Die individuelle Klasse liegt immer beim Erstligisten.

Aber ich habe erlebt, dass man einen Bundesligisten schlagen kann“, sagt der frühere Hertha-Profi und heutige Kieler Johannes van den Bergh. Er war dabei, als ein Zweitligist zum bis heute letzten Mal in den Entscheidungsspielen die Oberhand behielt, beim Triumph von Fortuna Düsseldorf über Hertha im Jahr 2012.

Der Bundesligist gewinnt fast immer: Für Wolfsburg spricht die Statistik

Man kann sich trefflich streiten über die Notwendigkeit dieses inszenierten Showdowns, der mit Emotionen spielt und Platzstürme wie den vor sechs Jahren in Düsseldorf oder vor einem Jahr in Braunschweig ja fast schon provoziert. Die Deutsche Fußball-Liga wollte „diesen zusätzlichen Spannungsfaktor“ (Holger Hieronymus, damaliger DFL–Geschäftsführer), wie es ihn bereits zwischen 1982 und 1991 gegeben hatte, und sie hat ihn bekommen. Sie hat so manchem Zweitligisten damit aber auch einen ehrlich erarbeiteten Lohn genommen. Seit der Wiedereinführung der Relegation konnte sich der Herausforderer aus dem Unterhaus nämlich erst zweimal durchsetzen: Neben Düsseldorf war auch Nürnberg bei der Premiere im Jahr 2009 gegen Energie Cottbus aufgestiegen.

Für Wolfsburg spricht also die Statistik – für Kiel der Zusammenhalt. Anders kann ein Aufsteiger aus der Dritten Liga, der als erster Absteiger gehandelt wurde, einen solchen Triumphzug nicht realisieren. Trainer Markus Anfang entwickelte ein Kollektiv, das auch eine Liga höher offensiv dachte und mit 71 Toren den ligaweit besten Angriff stellte. Mit dem Torschützenkönig Ducksch (18 Tore) und dem ebenfalls brandgefährlichen Drexler (12 Tore). Vielleicht schaffen sie es ja auch am Donnerstag in Wolfsburg auf die Anzeigetafel. Das könnte Josuha Guilavogui dann beim Buchstabieren helfen.

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