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  • 14.03.2018
  • von Jörg Leopold

Eisbären-Nationalspieler im Interview: "Wir können jetzt hoffentlich den nächsten Schritt gehen"

von Jörg Leopold

Jonas Müller, 22, erzielte im Finale gegen Russland beinahe den Siegtreffer. Foto: dpa

Frank Hördler, Jonas Müller und Marcel Noebels peilen nach Olympiasilber ein neues Ziel an. Am Mittwoch starten die drei Berliner Eishockey-Nationalspieler in die Play-offs.

Wie viel von den Olympischen Spielen steckt zweieinhalb Wochen nach dem Finale noch in Ihnen?

MARCEL NOEBELS: Natürlich hat man das immer noch im Hinterkopf. Allein weil das nicht nur für uns, sondern für ganz Deutschland eine Riesensensation war. Aber aktuell liegt der Fokus natürlich wieder auf den Eisbären und dem Play-off- Start gegen Wolfsburg. Da haben wir schließlich wieder ein neues Ziel.

Jonas Müller, Ihnen haben 55 Sekunden gefehlt, um als Siegtorschütze eines olympischen Finales in die Geschichtsbücher einzugehen. Wie oft sind sie in den letzten beiden Wochen nachts aufgewacht und haben genau das gedacht?

Aufgewacht bin ich zwar nicht, aber wenn ich zuhause bin und mir Bilder von den Sachen anschaue, die wir in Südkorea erlebt haben, kommt schon noch mal der Gedanke, dass wir kurz davor waren, die Goldmedaille zu holen. Schade, dass es nicht geklappt hat, aber Silber ist auch ein Riesenerfolg.

Haben Sie sich denn ihr Tor schon einmal bewusst angeschaut?

Nein, noch nicht wirklich.

Frank Hördler, Sie haben mit der Nationalmannschaft so viel erlebt. Sie waren Kapitän, Sie haben sogar B-WM gespielt. Und jetzt dieser Erfolg bei Olympia. Hätten Sie das jemals für möglich gehalten?

Möglich ist alles. Grundsätzlich sind wir alle hingefahren, mit dem Gedanken, dass es eine tolle Reise wird. Dass wir dann aber so einen Lauf haben, alles so wunderbar zusammenpasst, das hätte sicherlich keiner vorhersagen können.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat schon vor dem Finale gesagt, dass Eishockey jetzt anders wahrgenommen werden wird. Spüren Sie davon schon etwas?

NOEBELS: Das Interesse an uns und am Eishockey ist schon gestiegen. Ich habe zum Beispiel aus meiner Heimat Krefeld gehört, dass es da viele Neuanmeldungen von Kindern im Klub gegeben haben soll. Daraus etwas zu machen, ist jetzt vor allem eine Aufgabe für den Deutschen Eishockey-Bund. Damit sich möglichst viele junge Menschen für unseren Sport entscheiden.

Die Deutsche Eishockey–Liga (DEL) steht sicher auch in der Verantwortung. Wäre die Reduzierung des Ausländerkontingents pro Verein ein Ansatz?

FRANK HÖRDLER: Das wäre sicher eine Möglichkeit. Und wann soll man das machen, wenn nicht jetzt, wo man es gut verkaufen kann? Vielleicht geht es auch um die Symbolik. Im Moment sehen deutsche Eltern doch, dass die Chancen für ihr Kind im Eishockey hierzulande eher gering sind. Okay, das gilt nicht für Berlin, aber sicherlich für andere Vereine, die da ein bisschen zu wenig machen.

Aber die deutschen Spieler werden in der DEL doch inzwischen nicht mehr nur als reine Quotenbringer wahrgenommen?

HÖRDLER: Da hat sich tatsächlich schon etwas getan. Wenn man sich nur mal die Leistungsträger in den Vereinen anschaut. Patrick Reimer aus Nürnberg ist in der Scorerliste eigentlich immer oben dabei. Deutsche Profis spielen inzwischen schon eine ganz andere Rolle.

Jonas Müller, Sie sind 22 und haben sich bei den Eisbären als junger deutscher Spieler durchgesetzt. Wie schwer war das?

Das war schon schwer. Ich habe ja auch den Weg über die DEL 2 genommen, um da Erfahrungen zu sammeln. Und dann musst du natürlich wie ich bei den Eisbären überhaupt erst einmal die Chance bekommen, in der DEL zu spielen. Und die musst du dann auch nutzen.

Und wer wird der nächste Nationalspieler aus den Reihen der Eisbären Berlin?

HÖRDLER: Ich würde mir wünschen, dass es Kai Wissmann wird. Aber wir haben auch noch einen Daniel Fischbuch. Sven Ziegler müsste mehr spielen, um eine Chance zu kriegen. Die Möglichkeit ist in jedem Falle da.

Dass es als junger deutscher Spieler nicht leicht ist, zeigt das Beispiel Sven Ziegler in Berlin durchaus deutlich. Der sitzt derzeit auf der Tribüne, auch weil kurz vor Play-off-Start Rihards Bukarts aus Lettland verpflichtet wurde.

MÜLLER: Das müssen wir eben so hinnehmen. Der Spieler muss dann selbst entscheiden, ob er es im Verein noch einmal probiert oder wechselt.

HÖRDLER: Es ist aber auch ein Zeichen für uns als Mannschaft, dass wir in der Liga viel vorhaben.

Marcel Noebels, es scheint aber schon so als hätten es gerade deutsche Stürmer besonders schwer. Im Klub haben Sie die Topreihe mit Sean Backman, Nick Petersen und James Sheppard vor sich. Die waren für ihre Nationalteams nicht gut genug. Aber hinter denen müssen Sie sich gefühlt anstellen, spielen zum Beispiel anders als die Drei überhaupt kein Powerplay. Wie kommen Sie damit klar?

Was soll ich machen? Wenn der Trainer entscheidet, dass die Drei in den entsprechenden Situationen aufgestellt werden, muss ich eben das Beste aus meiner Rolle machen. Und obwohl ich kein einziges Powerplay gespielt habe, sind mir dennoch 30 Scorerpunkte gelungen. Dass zeigt meine Offensivqualitäten und die habe ich ja auch schon vorher hier in Berlin bewiesen. Natürlich kann sich das alles auch wieder ändern.

Trotzdem ist es schon seltsam, wenn das Powerplay die einzige große Baustelle im Team ist und ein deutscher Nationalstürmer dort nie eine Chance bekommt.

NOEBELS: Ich bin nicht der Trainer, ich weiß nicht, warum das so ist. Ich habe auch aufgehört darüber nachzudenken, weil man es nicht ändern kann. Für die Play-offs hoffe ich jetzt einfach, dass unser Powerplay funktioniert und nach der Saison gibt es sicherlich eine Möglichkeit, darüber mal zu sprechen.

Mit dem Nationalteam haben Sie Silber gewonnen. Wenn Sie jetzt mit den Eisbären ins Finale einziehen und das dann verlieren würden, wäre das auch ein Erfolg?

HÖRDLER: Ich glaube, wenn man das Halbfinale schafft und in die Finalserie einzieht, ist das ein Erfolg. Wenn man im Finale verliert, ist es eher keiner.

Wenn die Eisbären im Viertelfinale gegen Wolfsburg ausscheiden würden, wäre das demnach eine Enttäuschung?

MÜLLER: Ich denke schon. Jeder hat natürlich jetzt große Erwartungen an uns. Wir haben eine gute Mannschaft zusammen und können jetzt auch hoffentlich den nächsten Schritt gehen.

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