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  • 07.12.2017
  • von Sven Goldmann

Champions League: Borussia Dortmund muss sich von Peter Bosz trennen

von Sven Goldmann

Trübe Miene: Borussia Dortmunds Trainer Peter Bosz musste am Mittwoch dabei zusehen, wie seine Mannschaft gegen Real verlor und sich damit aus der Champions League verabschiedete. Foto: dpa

Bayern hat es schon getan, Borussia Dortmund sollte es tun: Ein neuer Trainer muss her. Ein Kommentar.

Aus gegebenem Anlass eine Zeitreise in den späten September. Bayern München war gerade von Paris Saint-Germain in der Champions League vorgeführt worden, schickte seinen Trainer Carlo Ancelotti zurück über die Alpen nach Italien und verschluderte kurz darauf eine 2:0-Führung bei Hertha BSC.  Borussia Dortmund schaffte beim 2:1 in Augsburg den sechsten Sieg im siebten Bundesligaspiel und thronte souverän an der Tabellenspitze, fünf Punkte vor den wenig meisterlichen Münchnern. Das Publikum redete sich nur zu gern eine Bayern-Dämmerung herbei.

Gut zwei Monate ist das her und doch unendlich weit weg. In München haben sie an ein paar Schrauben gedreht und plötzlich ist alles wieder, wie es immer war, jedenfalls in den vergangenen fünf Jahren. Der FC Bayern beherrscht die nationale Konkurrenz nach Belieben und ist auch in Europa wieder eine Macht. Es gibt in der Bundesliga keinen ernsthaften Herausforderer und wird auch so schnell keinen geben. RB Leipzig ist noch nicht reif genug für eine prägende Rolle in der Champions League und der parallelen Belastung in der Bundesliga nur zeitweise gewachsen. Schalke 04 ist noch nicht so weit und Borussia Dortmund wird es auf absehbare Zeit nicht sein. Gewiss lässt sich das 2:3 am Mittwoch bei Real Madrid als ehrenhafter Abschied aus der Champions League verkaufen. Eine von Erfolglosigkeit gebeutelte Mannschaft hat sich trotz einer desaströsen Anfangsphase nicht gehen lassen, sie ist nach einem frühen 0:2 noch einmal zurückgekommen und wird daraus ein bisschen Selbstbewusstsein schöpfen. So viel zum Charakter. Was die Spielkunst betrifft: Natürlich war der Madrider Sieg hochverdient, einer des BVB stand nie ernsthaft zur Debatte.

Die Defensive war in Madrid anfangs erschreckend schlecht organisiert

Der FC Bayern hat nach dem Desaster von Paris eine Personalentscheidung getroffen, die schmerzhaft war, aber unaufschiebbar. Borussia Dortmund drückt sich um diese Entscheidung, mit durchaus logischen Argumenten. Der Trainer muss mit einem nicht von ihm und für ihn zusammengestellten Kader arbeiten, und anders als vor ein paar Wochen in München hat er auch nicht die komplette Mannschaft gegen sich. 

Alles richtig. Und doch ist so ziemlich jede der vergangenen Wochen ein Indiz dafür, dass es nicht passt zwischen Peter Bosz und Borussia Dortmund. Der Niederländer war eine Verlegenheitslösung. Einer, der nach der schlecht vorbereiteten Trennung von Thomas Tuchel auf dem Markt war, als der Wunschkandidat Lucien Favre abgesprungen war. Bosz hat seine Berufserfahrung in den zweit- und drittklassigen Ligen der Niederlande und Israels gesammelt. Er will Offensivfußball spielen lassen und präsentiert in der Defensive eine Mannschaft, die am Mittwoch in Madrid eine halbe Stunde lang so schlecht organisiert war, wie man das auf diesem Niveau selten sieht.

Borussia Dortmund ist zum Unterhalt einer teuren Mannschaft auf die Teilnahme an der Champions League angewiesen. Wenig spricht dafür, dass dieses Ziel unter Peter Bosz erreicht werden kann. Die Klubführung wird eine Entscheidung treffen müssen. Auch wenn sie weh tut.

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