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  • 14.11.2017
  • von Sven Goldmann

Play-off-Aus gegen Schweden: Weine nicht, Gigi - Italien war einfach zu schlecht

von Sven Goldmann

In Tränen aufgelöst: Torwartlegende Gianluigi Buffon. Foto: Daniel Dal Zennaro/ANSA/AP/dpa

Zum ersten Mal seit 60 Jahren wird Italien bei einer Fußball-Weltmeisterschaft fehlen. Das Aus gegen Schweden war folgerichtig. Ein Kommentar.

Die Welt wird nicht untergehen, ja nicht einmal Italien. Auch wenn die Wellen vielleicht ein wenig heftiger auf Sizilien branden und die Stürme ein bisschen heftiger über die Alpen wehen, erst recht durch den Blätterwald. Die Gazzettas und Corrieres dürften sich mit der ihnen eigenen Leidenschaft der Apokalypse widmen, die Italiens Fußballverbandschef für den undenkbaren Fall eines Scheiterns in der WM-Qualifikation heraufbeschworen hat.

Kein Tor in zwei Play-off-Spielen gegen Schweden, kein Ticket für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Russland. Zum ersten Mal seit 1958 in Schweden (sic!) fehlt Italien, wenn die Fußballwelt ihren Meister ausspielt. Ein ganzes Land wütet und trauert und weint, so herzzerreißend, wie Gigi Buffon in der Nacht des Scheiterns.

So viel zum emotionalen Aspekt der italienischen Tragödie.

Aber was ist rein faktisch schon passiert? Eine Nation, die sich bei den Weltmeisterschaften 2010 und 2014 in der Vorrunde verabschiedet hat, ist diesem Schicksal am Montag in Mailand zuvorgekommen. Italien mag stolz sein auf vier WM-Siege, aber die Statistik war noch nie ein erfolgreicher Torschütze und die Geschichte kein guter Vorbereiter.

Italien war am Montag im San Siro von Mailand die bessere Mannschaft – oder soll man sagen:  die weniger schlechte? Die unfassbar schlechten Schweden haben gar nicht erst versucht, Fußball zu spielen. Das ist die eine Hälfte der Wahrheit. Die andere lautet: Eben diese Schweden haben das Hinspiel am Freitag 1:0 gewonnen, und so viel besser waren sie da auch nicht.

Leidenschaftlich sind auch andere

Schon bei diesem ersten Rencontre in Stockholm fehlte den Italienern jegliche Phantasie. Dass die Schweden im Rückspiel mit aller Macht ihren Strafraum verbarrikadieren würden, kam so überraschend nicht. Gute Mannschaften finden dafür Lösungen. Das Italien von 2017 hat keine gute Mannschaft, so wie es auch keine guten Individualisten hat. Keinen Andrea Pirlo, keinen Francesco Totti, keinen Franco Baresi. Dafür eifrige Renner und Grätscher, die sich ehrenvoll und mit aller Leidenschaft gegen das Scheitern wehrten. Aber an Leidenschaft fehlt es auch den Sportsfreunden aus Neuseeland, Island oder eben Schweden nicht. Was ihnen Italien voraus hat, ist nur noch der große Name.

Die letzte nationale Calcio-Katastrophe ereignete sich vor einem halben Jahrhundert bei der WM 1966 in England, ein 0:1 gegen die Fußball-Armee aus Nordkorea. Damals reagierte Italien mit Isolationismus, mit dem Verbot des Imports ausländischer Spieler. Das wird diesmal schon aus juristischen Gründen kaum möglich sein. Es wird in den kommenden Tagen eine Reihe von Rücktritten verdienter Veteranen geben, dazu den unvermeidlichen Rauswurf des Misserfolgstrainers Gian Piero Ventura. Dabei spiegelt der K.o. von San Siro in letzter Konsequenz doch nur, was der italienische Klub-Fußball seit Jahren vorlebt. Auf höchstem europäischen Niveau ist die Serie A jenseits von Juventus Turin nicht mehr konkurrenzfähig.

Italien steht im Herbst 2017 ungefähr dort, wo Deutschland im Sommer 2000 stand, nach der desaströsen Europameisterschaft in Belgien und den Niederlanden, als es im letzten Gruppenspiel ein 0:3 gegen die portugiesische B-Mannschaft gab. Die Deutschen haben diese Herausforderung angenommen, mit einer radikalen Kursänderung in der Nachwuchsarbeit.  Mal sehen, was den Italienern einfällt.

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