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  • 19.06.2017
  • von Martin Einsiedler

Alba Berlin: Niels Giffey: Stiller Arbeiter in neuer Rolle

von Martin Einsiedler

Der Allrounder kann auch jubeln. Der Small Forward Niels Giffey bleibt Alba Berlin zwei weitere Jahre erhalten. Foto: dpa

Alba verlängert mit Niels Giffey. Der Berliner soll das Team künftig anführen. Kapitän Dragan Milosavljevic steht dagegen vor einem Wechsel.

Basketball war immer schon und ist es heute noch die Sportart der Showmänner, der Marktschreier. Ein Spiel, bei dem die muskelbepackten Riesen gerne einmal ein, zwei Sekunden am Korbring hängen bleiben fürs Foto, nachdem sie dort kurz zuvor den Ball mit voller Wucht hineingestopft haben. Eine Sportart auch, in der so mancher den einen oder anderen Klunker bei sich trägt, der etwas überdimensioniert erscheint.

Niels Giffey, Profi von Alba Berlin, verkörpert genau das alles nicht. Giffey ist eher still als laut, er bleibt nicht länger als er muss am Korb hängen und mit großen Klunkern ist er bislang auch nicht aufgefallen. Giffey spielt einfach nur Basketball, man könnte auch sagen: Niels Giffey arbeitet Basketball.

Dass Albas Manager Marco Baldi am Montag außerordentlich gut gelaunt war, lag daran, dass die Berliner die Vertragsverlängerung mit dem Basketball-Arbeiter Giffey bekannt geben konnten. Der 26-Jährige bleibt weitere zwei Jahre. „Ich freue mich sehr, dass das geklappt hat“, sagte Baldi.

Baldi bastelt mit Sportdirektor Himar Ojeda an einer neuen Mannschaft. Nach einer enttäuschenden vergangenen Saison soll vieles anders werden. Es findet zumindest in den öffentlichen Verlautbarungen eine Art Paradigmenwechsel bei Alba statt. Die Verantwortlichen mussten wohl einsehen, dass den Top-Teams aus Bamberg und München mit der bisherigen Strategie sportlich nicht mehr beizukommen war.

Alba hatte in den vergangenen Jahren versucht, den finanziellen Rückstand zu Bamberg und Bayern mit cleverer Transferpolitik beizukommen. Doch der finanzielle Abstand zu den besten beiden Mannschaft im deutschen Basketball war so groß geworden, dass Schläue allein nicht mehr reichte.

Deswegen nun der Paradigmenwechsel, deswegen sagte Baldi am Montag: „Wir können nicht die Qualität kaufen, wie sie Bayern oder Bamberg haben. Wir müssen Qualität selbst herstellen.“ Baldi will Spieler entwickeln. „Das müssen nicht nur 20-Jährige sein“, sagte er und ergänzte: „Wir wollen natürlich auch weiterhin wettbewerbsfähig sein.“

Milosavljevic wird den Klub wohl verlassen

Der Mann, der den Spagat zwischen Spieler- respektive Talentförderung und Wettbewerbsfähigkeit schaffen soll, ist der neue Trainer, der 70 Jahre alte Spanier Aíto García Reneses. „Er ist ein Top-drei-Coach in Europa“, sagt Baldi. „Dass er die Kombination aus Spieleraufbau und Konkurrenzfähigkeit kann, hat er nachgewiesen.“

Die strategische wie personelle Neuausrichtung bei Alba ist aber nicht gleichbedeutend damit, dass auf Bewährtes künftig verzichtet werden soll – wie zum Beispiel auf Niels Giffey.

Der gebürtige Berliner geht in seine vierte Spielzeit mit Alba und war in der vergangenen Saison einer der wenigen Spieler, die konstant gute Leistungen brachten. Giffeys Stärke ist seine Vielseitigkeit. Der Flügelspieler ist ein veritabler Schütze von außen und ein aggressiver Mann in der Verteidigung. Mindestens genauso wie Giffeys sportliche Vorzüge schätzt Manager Baldi seinen Charakter. Er sei ein feiner Kerl, ein reflektierter Mensch, sagt er. „Niels ist nicht der Lauteste.“

Doch vermutlich ist die grundsympathische Zurückhaltung auch genau der Punkt, wo Giffey noch ansetzen muss. Baldi nämlich braucht wohl einen neuen Führungsspieler. Kapitän Dragan Milosvaljevic wird den Klub wahrscheinlich verlassen. „Wir haben ihm ein Angebot gemacht. Ich glaube aber nicht, dass eine Verlängerung mit ihm möglich ist. Ich sehe keine großen Chancen“, sagte Baldi. Gerüchten zufolge wird der Serbe zu Unicaja Malaga wechseln.

Umso wichtiger ist daher die Einigung mit Giffey. Der ist nicht nur beständig in seinen Leistungen, sondern eines der wenigen Gesichter von Alba. Den Berliner verbindet mit Alba mehr als die vergangenen drei Spielzeiten. Schon als Nachwuchsspieler hatte er mit dem Klub in der NBBL die Meisterschaft gewonnen. Giffey entsprang dem Alba-Jugendprogramm, sein Trainer war die Alba-Legende Henrik Rödl, mit dem er immer wieder verglichen wird.

Giffey steht mehr denn je stellvertretend für diesen Verein. Jetzt muss der stille Arbeiter nur noch etwas mehr aus sich herausgehen, um vielleicht auch einmal ein Großer wie sein Mentor Rödl zu werden. „Er hat in der vergangenen Saison schon viel Verantwortung übernommen. Er kann das“, sagt Baldi, der Giffey aber nicht in die Rolle eines Führungsspielers hineingedrängt habe. „Er will das auch. Er kann an der Aufgabe wachsen.“ Sicher jedenfalls ist: Am Fleiß wird es Niels Giffey nicht mangeln, die neue Herausforderung zu bewältigen.

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