Themenschwerpunkt:

Titanic

  • 04.01.2012
  • von Babette Kaiserkern

100 Jahre Faszination „Titanic“

von Babette Kaiserkern

Die „Titanic“ kurz vor ihrer Jungfernfahrt im April 1912. Foto: Ullstein Bildarchiv

Peter Matic und das Filmorchester erinnern an die letzte Nacht des Ozeanriesen

Vor einhundert Jahren versank das damals größte Schiff der Welt in den eisigen Fluten des Atlantiks und mit ihm rund 1500 Menschen. Seither beschäftigt das Drama des „Titanic“-Untergangs Schatzsucher, Forscher, Filmemacher – und jetzt auch das Deutsche Filmorchester Babelsberg und seine Zuhörer im Nikolaisaal.

Als die „Titanic“ am 10. April 1912 von Southampton zu ihrer Jungfernfahrt nach New York auslief, galt sie als prächtigstes Schiff der Welt. Auf den oberen Decks verströmte die High Society den Glanz und den Luxus der Belle Epoque. In der dritten Klasse reisten viele Auswanderer, von denen manche nicht einmal die Bordsprache Englisch beherrschten. Rund 2200 Menschen befanden sich auf dem Dampfer, etwa 1 300 Passagiere und 900 Besatzungsmitglieder. Nur für ein Drittel von ihnen standen Rettungsboote zur Verfügung. Da selbst deren Plätze nicht alle genutzt wurden, überlebten letztlich bloß etwa 700 Reisende. Auch der Kapitän Edward John Smith, ein erfahrener und beliebter 62-jähriger Seebär, gehörte zu den Ertrunkenen.

Zwar gab es auch vor und nach dem 12. April 1912 Schiffstragödien, teilweise mit viel höheren Todeszahlen, doch einzig der Untergang der „Titanic“ wurde zu einem Mythos, vielleicht sogar zu dem größten Mythos des 20. Jahrhunderts. In unserer Zeit hat wohl kein zweites Unglück so viele Fragen, Gedanken und Geschichten ausgelöst – seien es die menschlichen Dramen, die sich auf der Titanic abgespielt haben, moralische Fragen wie „Wer darf zuerst ins Boot?“, die zahlreichen Untersuchungen zur Schiffstechnik und Navigationskunst, die vielen nachträglichen juristischen Auseinandersetzungen bis hin zu philosophischen Debatten über Natur, Technik und das Unfehlbarkeitsdenken des Menschen.

Im Jahr 2012 wird weltweit der Katastrophe gedacht, auch der berühmteste aller Titanic-Filme, James Camerons zweieinhalbstündiges Spielfilm-Drama, wird in einer 3D-Version neu erscheinen. Filmmusikalische Ausschnitte u.a. aus diesem Ozean-Drama werden im Nikolaisaal zu hören sein. Dazu liest Peter Matik, die deutsche Stimme von Ben Kingsley, aus dem Buch „Die letzte Nacht der Titanic“, das auf den Erlebnissen von 63 Überlebenden basiert. Sein Verfasser Walter Lord war ein enger Berater von James Cameron. Die Synchronsprecher von Camerons Hauptdarstellern Kate Winslet und Leonardo DiCaprio, Ulrike Stürzbecher und Gerrit Schmidt-Foß, werden ebenfalls im Nikolaisaal zu sehen und zu hören sein.

Das Filmorchester Babelsberg spielt unter der Leitung von Scott Lawton bekannte Seestücke wie die „Hebriden“-Ouvertüre von Felix Mendelssohn, die Four Sea Interludes von Benjamin Britten, Filmmusik aus „Titanic“ und „Der weiße Hai“ sowie Ragtimes und den Choral „Näher, mein Gott, zu Dir“ – das letzte Stück, das die „Titanic“-Kapelle kurz vorm Untergang gespielt haben soll – was aber wohl auch zu den vielen Legenden gehört, die sich bis heute um den verlorenen Ozeanriesen ranken.

Samstag, 7. Januar um 20 Uhr, Großer Saal

  • Erschienen am 04.01.2012 auf Seite 21

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