• 10.03.2010

Rügen oder Rio

Südafrika lockt in diesem Jahr mit einem putzigen Plüschleoparden. Zakumi ist das Maskottchen der Fußballweltmeisterschaft. Foto: dpa

177 Länder auf Tour: Reisebranche wirbt auf der ITB um Unentschlossene

Berlin - Je näher der Sommer rückt, desto häufiger wird die Frage unter Freunden und Kollegen gestellt: Wo geht’s denn hin im Urlaub? Halt! Das war doch wohl eher gestern. Heute wird leicht umformuliert: Fahrt ihr dieses Jahr auch wieder in Urlaub? wird öfter zu hören sein. Vertraut man einer repräsentativen Umfrage der Stiftung für Zukunftsforschung, wird bei mehr als einem Drittel der Deutschen die Antwort darauf von einem Achselzucken begleitet.

Die Unentschlossenen sind jedoch nicht nur Schrecken, sondern gleichzeitig auch Silberstreif für die Tourismusbranche. Wer in seiner Entscheidung schwankt, ist noch nicht restlos verloren. Und so blüht das Pflänzchen Hoffnung auch in diesem Jahr, dass es doch Baltrum oder die Balearen statt Balkonien für die Bundesbürger werden möge. Doch wie so vieles in diesen Zeiten, hängt auch die Reiseentscheidung oft vom Geldbeutel ab. Wobei die Auguren der Branche vorhersagen, dass alle Ziele zwischen Rügen und Rio von den Unentschlossenen profitieren können – wenn das richtige, sprich so schön günstig erscheinende Angebot aufleuchtet. Bei dem zunehmenden Preisbewusstsein der Verbraucher wundert es nicht, dass besonders der Alles-inklusive-Urlaub hoch im Kurs steht. Oder das Land, das mit relativ günstigen Nebenkosten punkten kann. Wie etwa die Türkei, in diesem Jahr „Partnerland“ der ITB, dem besonders große Aufmerksamkeit unter dem Funkturm geschenkt wird.

Die Nebenkosten sind es auch, die der Türkei die Chance eröffnen, der alten Liebe der Deutschen, Bella Italia, noch mehr Urlauber abspenstig zu machen und so nach Deutschland und Spanien aufs Podium zu springen, von dem aus die drei beliebtesten Reiseländer ins geneigte Publikum winken dürfen.

Optimismus herrscht auch in der Kreuzfahrt. Dass diese Urlaubsform immer mehr Anhänger gewinnt, steht außer Frage. Und weil viele Schiffe mit sehr vielen Kojen unterwegs sind, wird auch die Zahl der Seefahrer steigen. Nicht zuletzt, weil die Preise, oft in letzter Minute, wohl sehr angenehm erscheinen werden.

 Das Krisenjahr 2009 hat die Urlaubsbranche mit einem blauen Auge überstanden. Wieder einmal bewahrheitete sich die These, dass die Deutschen am Urlaub besonders ungern sparen. Nach einer Erhebung der Fachzeitschrift fvw sank im Tourismusjahr 2008/2009 der Umsatz von 62 erfassten Veranstaltern lediglich um 2,2 Prozent auf 16,7 Milliarden Euro. Die Zahl der Reisenden ging etwas stärker um 5,9 Prozent auf 32,5 Millionen zurück – viele Urlaubsreisen an der im Sommer bestens gebuchten Ostsee oder in die Alpen sind in den Veranstalterzahlen allerdings nicht enthalten. Und der Preistrend hält an: Die großen Reiseveranstalter haben zur Ankurbelung der Nachfrage die Preise für den nächsten Sommer erneut gesenkt. Dabei können sie zum Teil von günstigeren Flugpreisen, Rabatten der Hotels und den Wechselkursen profitieren. Bei TUI sind Fernreisen im Durchschnitt um sechs Prozent günstiger, Flugreisen etwa ans Mittelmeer um fünf Prozent. Neckermann und Thomas Cook Reisen bieten ihr Programm für die Feriensaison 2010 im Schnitt ebenfalls um fünf Prozent billiger an. gws/dpa

  • Erschienen am 10.03.2010 auf Seite 24

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