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  • 21.08.2015
  • von Peter Könnicke

Der Unterhändler auf dem Platz

von Peter Könnicke

Glücksfall für Nulldrei. Leon Hellwig (rechts) bedrängt Paul-Max Walther von Budissa Bautzen am vergangenen Wochenende. Der Babelsberger Mittelfeldspieler fällt in die Kategorie „besonders wertvoll“. Foto: Torsten Zettl

Leon Hellwig erfüllt die Vermittlerrolle zwischen Angriff und Abwehr beim SV Babelsberg diskret und erfolgreich

Es war eine Bemerkung, die keine große Notiz fand. „Mit ihm fällt mein bester Spieler aus“, sagte Cem Efe, als seine Nummer 16 die letzten Spieltage der vergangenen Saison wegen eines Knochenmarködems und lädierten Innenbands am linken Knie fehlte. Nummer 16? Genauso unbemerkt wie das Lob vom Trainer des SV Babelsberg 03 blieb, schienen bis dahin die Auftritte von Leon Hellwig gewesen zu sein. So manchem Zuschauer fiel seine tragende Rolle im Spiel des SVB erst auf, als der 24-Jährige sie nicht mehr ausüben konnte. „Ich bin eher der unauffällige Typ“, sagt Hellwig selbst, „keiner, der viele Torvorlagen macht oder gar Tore schießt.“

Tatsächlich aber gilt Hellwig, der im Sommer 2014 von Optik Rathenow kam, als Glücksfall für Nulldrei. Als Scharnier zwischen Abwehr und Offensive funktioniert Hellwig fast reibungslos – er kann das Spiel mit einem klugen Pass öffnen, oder aber in umgekehrter Richtung dicht machen.

Mit Ausnahme von Lovro Sindik, mit dem er sich die Aufgabe auf der sogenannten Sechserposition im defensiven Mittelfeld teilt, läuft kein Spieler im Nulldrei-Dress so viele Kilometer in einem Spiel wie Hellwig. „Wege machen“, wie Hellwig es nennt, liege ihm. Würde man den einstigen Vereinsnamen des Regionalligisten – Motor Babelsberg – personifizieren: Hellwig wäre das perfekte Synonym dafür.

Der gebürtige Berliner studiert an der Hochschule für Technik und Wirtschaft bislang Betriebswirtschaft. „Das ist mir aber irgendwie zu trocken, zu viel reines Zahlenwerk“, sagt er. Daher überlegt er, Politik und Wirtschaft zu studieren. Will man eine Parallele zum Fußball ziehen, ließe sich Hellwig vielleicht als Unterhändler auf dem Platz bezeichnen. Einer, der Vertrauen und Ansehen genießt, verschwiegen ist und sich auf schwieriges Vermitteln versteht. Trainer Efe vertraut darauf, dass Hellwig den anspruchsvollen Job übernimmt, die Bälle im Spiel zu erobern, um sie anschließend klug zu verteilen. Hellwig ist der unaufgeregte Vermittler zwischen Verteidigungs- und Angriffsfront seiner Mannschaft. Er erledigt diese Aufgabe dabei so diskret und unauffällig, dass es dann doch zunehmend offensichtlich wird: Die Nummer 16 des SV Babelsberg ist nahezu omnipräsent auf dem Platz. Und: Hakt es an der Schnittstelle, hakt auch das gesamte Babelsberger Spiel.

Mit dem Fußballspielen hat Hellwig beim 1. FC Internationale begonnen, ehe er mit elf Jahren zu Tennis Borussia Berlin kam. Acht Jahre spielte er bei TeBe, dann vier Spielzeiten in Rathenow beim FSV Optik, mit dem es am heutigen Abend im Karl-Liebknecht-Stadion ein Wiedersehen gibt (19 Uhr). Nach Rathenow kam er über Umwege, meint Hellwig. Eigentlich stand er vor einem Engagement bei den Amateuren von Greuther Fürth, doch kam es im letzten Moment nicht zustande. „Plötzlich war ich vereinslos“, erzählt Hellwig. Rathenow unter Trainer Ingo Kahlisch war dann mehr als ein Rettungsanker. „Mit zwei Landespokalsiegen war es eine durchaus erfolgreiche Zeit“, sagt Hellwig. Nach Optiks Abstieg in die Oberliga Ende der vorletzten Saison erschien ihm die Möglichkeit, mit dem SVB weiter in der Regionalliga zu spielen, attraktiver als in Rathenow zu bleiben. Auch wenn Nulldrei selbst mit Müh und Not die Klasse gehalten hatte, reizte Hellwig die Babelsberger Offerte. „Hier ist es schon noch um einiges größer als in Rathenow, die Zuschauerkulisse bei Heimspielen ist klasse“, sagt er.

Bei allem Gefallen an den Dimensionen am Babelsberger Park: „Größer kann es immer werden“, sagt der 24-Jährige. Natürlich würde er nicht nein sagen, wenn es ein höherklassiges Angebot gebe. Aber unter Druck setze er sich nicht.“

Zumal er das Beständige schätzt, was sich allein an der überschaubaren Anzahl seiner bisherigen Stationen als Fußballer ablesen lässt. „Ich brauche mein Umfeld“, gibt er zu. Auf Regionalliga-Niveau könne er sich kaum vorstellen, für einen Verein weit abseits des Berliner Radiusses zu spielen. Klingt ganz gut für den SV Babelsberg, der glücklichen Fügung eine Verlängerung zu geben – nach Ende dieser Saison läuft Hellwigs Zweijahresvertrag aus. Zumal dieser sagt, dass ihn die bisherige Zeit bei Nulldrei weitergebracht habe: „Durch unseren Anspruch, viel Ballbesitz zu haben, habe ich mich fußballerisch entwickelt“, schätzt Hellwig ein. Das Ende dieser Entwicklung ist noch nicht erreicht – im Gegenteil: Für seine Spielidee mit viel Ballbesitz, vielen Positionswechseln und Laufwegen braucht Cem Efe einen gut funktionierenden Motor mit hoher Drehzahl. Hellwig scheint dafür bestens getunt.

Anstoß: SV Babelsberg 03 - Optik Rathenow, 19 Uhr im Karl-Liebknecht-Stadion

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