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  • 13.05.2015
  • von Tobias Gutsche

Schlimmes Gefühl Ex-Profi Bachirou Salou über Integration und Anfeindungen in Bundesliga-Stadien

von Tobias Gutsche

An Nachdruck mangelt es dem Satz von Bachirou Salou nicht. „Sehr, sehr, sehr, sehr wichtig ist ein solches Gesellschaftsprojekt“, erklärt der frühere Fußballprofi und meint damit die Mannschaft Welcome United 03 des SV Babelsberg. Als erster Verein Deutschlands baute der Regionalligist im Sommer des vergangenen Jahres dieses Team auf, das ausschließlich aus Flüchtlingen besteht. Mehrere freundschaftliche Vergleiche hat Welcome United 03 seitdem bestritten – am morgigen Donnerstag (14 Uhr) folgt der nächste, ein ganz besonderer. Gegner im Karl-Liebknecht-Stadion ist die „Weisweiler Elf“, die Traditionsmannschaft von Borussia Mönchengladbach.

Diese ist gespickt mit Legenden des Klubs. Der 14-köpfige Kader für die Partie am Herrentag bringt es zusammengerechnet auf 1595 Einsätze in der 1. Bundesliga. Mit dabei sind Akteure wie Claus Reitmaier, Peter Wynhoff, Karlheinz Pflipsen, Andrej Voronin – und Bachirou Salou.

Der 44-Jährige stammt aus dem westafrikanischen Togo und wechselte 1990 nach Deutschland, an den Niederrhein, zur Borussia. „Für mich war die Integration total leicht. Ich kam in eine Mannschaft, die mich sofort gut aufgenommen hatte“, erinnert sich Salou an seine ersten Schritte im Ausland. Doch der DFB-Pokalsieger des Jahres 1995 weiß, dass der Integrationsprozess im Fall der vielen Flüchtlinge meist ganz anders verläuft. Nicht reibungslos, sondern kompliziert. „Sie kommen nach Deutschland und sind erst einmal allein. Die stehen dann hier, haben keine Kontakte, nix.“ Anschluss finden, das sei in den Augen des Ex-Stürmers das Wichtigste. Dem Fußball schreibt er in dieser Hinsicht eine spezielle integrative Energie zu. „Auf dem Platz ist man nicht allein, da gehört man zusammen. Und außerdem kennt der Sport keine Grenzen.“ Bei Welcome United 03 wird genau das vorgelebt – und daher ist der Torjäger von einst davon begeistert.

Maßlos ärgert er sich hingegen über die vielerorts negative Haltung gegenüber den Flüchtlingen. „Diese Leute verlassen ihre Heimat, weil dort Krieg herrscht. Sie wollen doch nur leben und suchen eine Perspektive, um glücklich zu werden“, meint Bachirou Salou und wirbt für Toleranz. Damit liegt er auf derselben Wellenlänge wie der SV Babelsberg 03 und kommt entsprechend gerne zum Benefizspiel nach Potsdam. Obwohl es bei dem Kick nur um den guten Zweck geht, lässt Salou seinen Ehrgeiz nicht zu Hause in Korschenbroich. „Ich will immer noch jedes Spiel gewinnen“, sagt der Mann mit deutschem Pass, der auch für den MSV Duisburg, Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt und Hansa Rostock spielte. Heute tritt er nur noch in der „Weisweiler Elf“ gegen den Ball. Und im Beruf. Bachirou Salou arbeitet nämlich als Trainer in der Fußballschule von Thomas Kastenmaier, einem ehemaligen Mitstreiter aus Gladbacher Zeiten.

Kollegen wie Kastenmaier halfen Salou damals, Fuß in einem fremden Land zu fassen. Er fühlte sich schnell wohl, blieb aber von Diskriminierung nicht verschont. „In Bundesligastadien wurde ich rassistisch beleidigt und es wurden Bananen nach mir geworfen. Das war ein schlimmes Gefühl“, berichtet der Familienvater von unwürdigen Momenten seiner Laufbahn. Derartige Anfeindungen aufgrund der Hautfarbe oder Herkunft sind erniedrigend und die Motive dahinter für ihn ein Rätsel: „Wir sind doch alle Menschen und damit alle gleich.“

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