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  • 21.03.2015
  • von Peter Könnicke

Der aus der Abwehrreihe tanzt

von Peter Könnicke

Erst die Pflicht, dann die Kür. Für Abwehrspieler Laurin von

Innenverteidiger Laurin von Piechowski hat sich beim SV Babelsberg 03 einen Stammplatz erobert – und seinen Vertrag verlängert

Die Bewegung ist typisch für Laurin von Piechowski. Einen Arm presst er lang an den Körper, aus dem schwungvollen Ansatz für einen Schuss wird ein Dribbling. Statt eines langen Balls legt von Piechowski das Spielgerät an seinem Gegenspieler vorbei. Die Frage, ob er bei seinen Mitspielern mit diesen Aktionen für erhöhten Puls sorgt, versteht er sofort. „Weil ich mitunter so risikofreudig spiele?“, fragt er dennoch sicherheitshalber. „Nein“, sagt er dann, „die Mannschaft bestärkt mich darin, so zu spielen.“

Auf den Zuschauerrängen sorgt der 21-jährige Innenverteidiger des SV Babelsberg 03 hin und wieder für kurzzeitige Atemnot und Raunen, wenn er scheinbar lässig aus der Gefahrenzone herausdribbelt. „Ich will viel am Spiel teilhaben und Initiator für die Spieleröffnung sein“, sagt von Piechowski. Das Verteidigen nennt der Verteidiger „zweitrangig“, es ist schlichtweg nötige Voraussetzung für einen kreativen Spielaufbau.

Das Babelsberger Publikum wird ausreichend Gelegenheit bekommen, sich an den Offensivdrang des Abwehrspielers zu gewöhnen. Der gebürtige Berliner verlängerte in dieser Woche seinen Vertrag am Babelsberger Park um zwei weitere Jahre. Er kam im Sommer 2013 aus der Nachwuchsabteilung von Hertha 03 Zehlendorf zu Nulldrei, spielte dort zunächst in der A-Jugend und in der zweiten Mannschaft, Regionalliga-Klima bekam er zunächst nur bei Kurzeinsätzen zu spüren. Doch er ist ein Spielertyp, wie Trainer Cem Efe ihn mag: technisch versiert, immer um eine Idee für die Spieleröffnung bemüht. Es brauchte zunächst jedoch etwas Aufbauarbeit – im besten Wortsinn. Bei einer Körpergröße von 1,92 Meter war von Piechowski mit 76 Kilogramm ein Leichtgewicht, als er nach Babelsberg kam. „Ich habe einige Male Gras gefressen, da macht man sich schon Gedanken“, erinnert er sich an die ersten Trainingsmonate und Einsätze im Männerbereich. Nach speziellem Krafttraining hat er zugelegt. Mit 83 Kilo ist von Piechowski inzwischen nicht mehr so leicht aus dem Weg zu räumen.

Seine Präsenz ist auch in der Saisonstatistik erkennbar. Zwölf Einsätze stehen für den Abwehrstrategen zu Buche, die letzten vier Spiele lief von Piechowski jeweils von Beginn an auf. Das hatte sich angedeutet. Schon in der Winterpause lobte am Rande des Trainingsplatzes SVB-Präsident Archibald Horlitz die Entwicklung des 21-Jährigen: „Der hat einen unglaublichen Sprung gemacht.“ Nach der unglücklichen Heimniederlage gegen den 1. FC Magdeburg vor drei Wochen attestierte Trainer Efe seinem Innenverteidiger ein „starkes Spiel“.

Das Fußball-Abc gelernt hat von Piechowski als Vierjähriger beim Lichterfelder FC. Sein Vater, selbst Fußballer in der Berliner Bezirksliga, hatte ihn dort angemeldet. Das Talent des Abwehrstrategen fällt inzwischen auf, zu Saisonbeginn gab es Anfragen anderer Regionalligavereine. Doch die Verlängerung beim SV Babelsberg nennt von Piechowski nur konsequent. „Ich sehe ja selbst meine Entwicklung und weiß, dass ich sie hier mit dem Trainerteam und der Mannschaft, die immer Fußball spielen will, am besten fortsetzen kann“, sagt er. Gleichwohl: Die Regionalliga soll nicht das Ende seiner Fußballlaufbahn sein, eher Sprungbrett. „Die zweite Liga ist schon ein Traum“, sagt von Piechowski, benutzt im gleichen Moment aber den Begriff der Bodenhaftung. „Fußball“, sagt er, „ist schnelllebig. Da kann viel passieren.“ Ihm sei klar, dass er einen Schritt nach dem nächsten machen müsse. Manchmal genügt ein Fußballspiel, um sich das selbst zu illustrieren – wie in der vergangenen Woche beim 1:1 gegen Bautzen: „Da wollte ich in der ersten Halbzeit zu viel. Ich habe zu schnell eine spielentscheidende Situation gesucht“, sagt er. Die daraus resultierenden Ballverluste haben durchaus Symbolkraft: Erfolg passiert nicht im Schnelldurchlauf.

Das Selbstbewusstsein, der Mannschaft mit seinen Offensivaktionen spielentscheidend helfen zu können, holt sich von Piechowski auf dem Platz. „Natürlich stärkt es mein Selbstvertrauen, wenn ich wiederholt von Beginn an spielen kann“, sagt er. Geduldig hat er auf seine Chance gewartet, nun erklärt er: „Es liegt nur an mir. Wenn ich meine Leistung bringe, wird es für andere schwer.“

Einen Punkt hat der SVB aus den vergangenen vier Spielen geholt. Die breite Nulldrei-Brust aus der Hinrunde, die unter anderem durch den Last-Minute-Ausgleich im rassigen Hinrundenspiel gegen Carl Zeiss Jena (2:2) geschwollen war, ist durch den ausbleibenden Erfolg der Vorwochen schmaler geworden. Für Laurin von Piechowski waren die vier jüngsten Partien indes wichtige Entwicklungshilfe und Beitrag zum Reifeprozess. Für das Spiel am morgigen Sonntag beim Tabellenvierten in Jena (13.30 Uhr) wird es eine Portion Selbstsicherheit brauchen, um erfolgreich zu sein. 5000 Zuschauer werden erwartet, was von Piechowski jedoch cool bleiben lässt. „Was auf den Rängen passiert, nehme ich nur nach und vor dem Spiel wahr“, sagt er. Peter Könnicke

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