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  • 05.12.2014
  • von Peter Könnicke

Das Stimmungsbarometer

von Peter Könnicke

Das Blickfeld erweitert. Enrico Große (r.) ist seit dieser Saison Co-Trainer beim Regionalligisten SV Babelsberg 03. Für Chefcoach Cem Efe ist er unter anderem der Feldstecher am Spielfeldrand. Foto: PICTURE POINT

Enrico Große ist seit dieser Saison der Ruhepol in der Coachingzone beim SV Babelsberg 03

Ob er sich das gut überlegt habe, hätten ihn Freunde gefragt, als Enrico Große vor Beginn der laufenden Regionalliga-Saison beim SV Babelsberg 03 einen neuen Posten bezog. An der Seite von Chefcoach Cem Efe agiert er seit Sommer als dessen Co-Trainer. Er habe sich tatsächlich gefragt, ob er es tun soll, verrät Große. Die letzten drei Spiele der vergangenen Saison hatte er als zweiter Mann auf der Trainerbank erlebt – somit hautnah das Zittern um den Klassenerhalt und auch die Enttäuschung der Fans. Damals spürte er: „Der Druck ist schon groß.“

Ein gutes halbes Jahr später, nach 15 Spieltagen als Co-Trainer und vor dem heutigen Rückrundenstart gegen Tabellenführer Wacker Nordhausen (19 Uhr im Karl-Liebknecht-Stadion) sagt Große: „Es macht Spaß und ich habe es nicht bereut.“ Und mit der Erkenntnis und Erfahrung der zurückliegenden Monate könne er viel besser einschätzen, wie schwierig die Aufgabe in der vergangenen Saison gewesen sei, nicht abzusteigen.

Große nahm den Platz auf der Trainerbank in einer schwierigen Phase ein. Nicht nur aus sportlicher Sicht war die Lage prekär. Nach dem plötzlichen Tod von Manuel Hartmann Ende April, der Cem Efe nicht nur ein Assistenztrainer, sondern auch guter Freund war, blieb dessen Stuhl am nächsten Spieltag – am Ostermontag gegen Plauen – leer. Die letzten drei Spieltage rückte Große an die Seitenlinie. Es war eher von emotionaler Bedeutung als eine sportliche Lösung. „In dieser Situation war es wichtig, dass Cem Efe jemanden an seiner Seite hatte“, meint Große. Mit seiner ruhigen Art ist der 40-Jährige durchaus jemand, der mit seiner bloßen Anwesenheit gut tut.

Inzwischen ist aus Große und Efe ein gut funktionierendes Trainergespann geworden. Dabei ist Große keiner, der nur Hütchen aufstellt und farbige Leibchen verteilt. „Das hätte ich auch nicht gemacht“, sagt er. Vielmehr möchte er Efes Blickfeld und Aktionsradius erweitern und ergänzen. „Ich versuche all das zu sehen, was Cem Efe nicht sieht“, sagt Große. Bei der Weite, die ein Fußballfeld bietet, ist das durchaus eine wichtige Aufgabenteilung. Vier Augen entdecken mehr Handlungsbedarf als zwei. Und mitunter übernimmt Große bei der Verarbeitung der Erkenntnisse die – nicht unwichtige – Rolle des Temperamentzüglers, wenn Efes südländische Ader zu sehr pulsiert.

Die Vorbereitung und die 90 Minuten eines Spiels bedeuten für Große höchste Konzentration. Beim Aufwärmen ist er so etwas wie ein Stimmungsbarometer. Er versuche ein Gespür zu entwickeln, ob die Spieler das richtige Maß an Anspannung und Lockerheit haben, um bei Bedarf noch einmal nachjustieren zu können. „Entspannt zurücklehnen kann ich mich bei der Spielweise unserer Mannschaft nicht“, sagt er. Denn bis auf das souveräne 3:0 gegen die Reserve von Hertha BSC lässt sich von den Spielen des SVB in dieser Saison bislang bei aller Ansehnlichkeit nicht behaupten, dass sie zur Entspannungstherapie dienen. Große, verglichen mit Efe der ruhige Part in der Coachingzone, stehe 90 Minuten unter Strom: „Ich versuche jede Minute, eine Lösung zu finden, um sie parat zu haben, wenn ich gefragt werde “, sagt er.

Seine Qualifikationen als Trainer bringt Enrico Große aus seinem Sportstudium und vor allem aus seiner mehr als 20-jährigen Tätigkeit als Nachwuchscoach mit, seine Erfahrung als Spieler aus einer Fußballkarriere. In der schaffte er es 1997 beim SV Babelsberg unter Trainer Karsten Heine in den Kader der ersten Mannschaft, die damals in der Regionalliga als dritthöchster Spielklasse kickte. Als langjähriger Nachwuchsleiter beim SVB kennt Große zudem die Strukturen, die Ansprüche und auch Nöte des Vereins. All das macht ihn zu einem Co-Trainer, der ein gutes Beispiel für den neuen Babelsberger Weg ist, mit eigenen Leuten und Kräften erfolgreich zu sein.

Große selbst ist für die Aufgabe inzwischen dankbar: „Natürlich hat es mich gereizt, eine Mannschaft von Beginn einer Saison an zu begleiten“, sagt er. Von Efes Einstellung zum Fußball nehme er ganz viel mit. Die Arbeit mit den erfahrenen Spieler bezeichnet er als Herausforderung: „Die legen sehr viel Wert auf Aufmerksamkeit und Qualität.“ Die Leistungsbereitschaft, die das Team in der Hinrunde entwickelt habe, nennt Große ein wichtiges Fundament, auf dem sich das Potenzial der Mannschaft entwickeln wird. „Sie ist noch längst nicht da, wo sie sein kann“, sagt er und formuliert damit gleichzeitig seine Aufgabe: „Mein Ziel ist, dass jeder Spieler 100 Prozent seines Leistungsvermögens ausschöpft.“

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