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  • 24.10.2014
  • von Peter Könnicke

Der Motor von Babelsberg

von Peter Könnicke

Er lenkt und denkt. Bilal Cubukcu ist die zentrale Figur im Spiel des SV Babelsberg 03. Foto: Jan Kuppert

Bilal Cubukcu ist das Herz im Spiel des SVB. Seine Rolle als Spielmacher und Antreiber hat er vom ersten Tag angenommen

Bilal, so erzählt es die Geschichte des Islam, war der erste Gebetsrufer in der Moschee. Übersetzt heißt Bilal so viel wie Wasser, mit dem Namen wird ein sanftes Wesen verbunden. „Das stimmt schon“, meint Bilal Cubukcu, er habe durchaus ein ruhiges Gemüt. Auf dem Fußballplatz ist davon allerdings nichts zu merken: Der 27-Jährige ist alles andere als zurückhaltend, wenn er nach dem runden Leder und Toren jagt.

Der gebürtige Berliner mit türkischen Wurzeln kam im Sommer zum SV Babelsberg 03, nachdem er beim Berliner AK keine Perspektive mehr sah. Die Art, wie der damalige BAK-Trainer Dietmar Demuth Fußball beim Regionalliga-Konkurrenten spielen lassen wollte, entsprach so gar nicht Cubukcus Vorstellungen. „Hohe und lange Bälle – da kannst du mich vergessen“, sagt er. In Babelsberg hingegen hat Trainer Cem Efe eine Spielphilosophie, die in dieser Saison mehr und mehr deutlich wird und die Cubukcus Vorliebe entspricht: „Cem Efe will Fußball, der wirklich gespielt wird, mit hohem Tempo und technisch guten Leuten“, sagt er. Dass Efe genau dafür Cubukcu geholt und auf dessen Fähigkeiten vertraut hat, sei ein Grund, weshalb „Bilo“, wie ihn seine Mitspieler nennen, bislang eine gute Saison spielt und eine Leidenschaft zeigt, die Skeptiker vorher nicht unbedingt erwartet hatten. „Ich weiß, dass die Erwartungen an mich hoch sind“, sagt Cubukcu, „aber ich selbst verlange von mir viel.“ Er fahre nicht jeden Tag nach Babelsberg, um dann keine 100 Prozent zu geben. Er identifiziere sich voll und ganz mit seiner Rolle als Spielmacher – und ist sich dieser auch bewusst. „Nur wenn ich meine Leistung bringe, kann ich der Mannschaft und mir selbst helfen.“ Er wisse, dass von seiner Position und seinen Nebenleuten Leon Hellwig und Lovro Sindik viel abhänge. „Es muss in der zentralen Position alles funktionieren. Wenn das Herz intakt ist, geht es einem gut“, sagt er.

Vielleicht haben die letzten vier Minuten im Heimspiel gegen Carl Zeiss Jena am sechsten Spieltag am besten Cubukcus Führungsqualitäten und seine Mentalität illustriert. In der 88. Minute hatte Jena einen 0:1-Rückstand in eine 2:1-Führung gedreht. Und Cubukcu lief, dribbelte und kämpfte weiter, so wie er es das ganze Spiel über getan hatte. Er peitschte seine Mitspieler nach vorn und verwandelte in der 90. Minute einen Strafstoß zum 2:2-Endstand. „Wir hatten ein gutes Spiel gemacht und das wollte ich nicht weggeben. Das sollte nicht umsonst sein“, sagt er. Und es habe einfach Spaß gemacht, die sportliche Aggressivität nach dem Rückstand noch auf dem Platz auszuleben. „Ich hatte einfach Lust und die Stimmung hat mich getrieben“, sagt er.

Cubukcu ist in Berlin-Kreuzberg aufgewachsen. Er habe nie gemerkt, dass er ein guter Fußballer ist, „ich wollte einfach immer nur spielen“, sagt er. Auf der Straße oder in Fußballkäfigen, wo Dribbelkünste und Technik am besten gedeihen. Heute hat er es in einem Spiel am liebsten, wenn „ich richtig Druck kriege, mich im eins gegen eins oder gegen mehrere Gegenspieler behaupten und versuchen muss, da rauszukommen“, sagt Cubukcu.

Rumgekommen als Fußballer ist er schon viel. Hertha BSC, Alemannia Aachen, türkische Erst- und Zweitligaklubs markieren seine ganz eigene Fußballlandkarte. Beim SVB hat er einen Vertrag für diese Saison. „Es kann alles passieren“, sagt Cubukcu, „ich bin jetzt im besten Fußballalter.“ Trainer, Mitspieler, Verein, seine eigene Leistung – „wenn alles passt, reicht das“, sagt er. Sein Anspruch ist Erfolg – und den hält er mit der aktuellen Regionalligamannschaft des SVB für möglich. „Wir werden von Spiel zu Spiel besser, sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen“, sagt Cubukcu. Vor allem auswärts „haben wir noch keine gute Quote“. Die soll am morgigen Samstag bei Germania Halberstadt (13.30 Uhr) verbessert werden. Halberstadt, Auerbach, Plauen und Meuselwitz – „das sind jetzt alles Spiele, die eklig sind“, sagt Cubukcu. „Das sind Gegner, die kommen über den Kampf und und eine hohe Laufbereitschaft.“ Aber er müsse kein Prophet sein, um zu sagen: „Da müssen wir punkten.“ Das ist sei ohnehin allen klar.

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