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  • 10.10.2014
  • von Peter Könnicke

Ein kleiner Unterschied

von Peter Könnicke

Der SV Babelsberg und der FSV Luckenwalde sind am heutigen Abend Pokalrivalen. Viele erwarten ein Kampfspiel

Die Unterschiede und Abstände waren einmal beträchtlich. Den SV Babelsberg 03 und den FSV 63 Luckenwalde trennten vor gut anderthalb Jahrzehnten fußballerische Welten. 2000/01 spielte der FSV seine zweite Saison in der Verbandsliga, der SVB startete sein Abenteuer 2. Bundesliga. Ein 22-jähriger SVB-Mittelstürmer kämpfte damals um einen Stammplatz – gegen Marco Küntzel und Enrico Röver. Sein Name: Cem Efe. Sein Co-Trainer hieß Ingo Nachtigall. Letzterer trainiert seit nunmehr fünf Jahren den FSV Luckenwalde und sein einstiger Schüler Efe ist Cheftrainer beim Babelsberger Regionalligisten. Am heutigen Freitagabend treffen ihre Mannschaften im Achtelfinale des Fußball-Landespokals aufeinander.

Nicht nur die beiden sind sich, was den Berufsstand angeht, nähergekommen. Der Kiezklub aus Babelsberg und der Verein aus dem Teltow-Fläming haben sich angenähert. Aus dem einstigen Vierklassen-Unterschied ist ein geringer Abstand geworden, die Momentaufnahme ließe sogar den Begriff Tuchfühlung zu: Luckenwalde ist Tabellenführer der Oberliga Nordost/Nord, eine Klasse höher rangiert der SVB im unteren Mittelfeld der Regionalliga. „Daher ist die Erwartungshaltung vor dem Pokalspiel in unserem Umfeld riesengroß“, sagt Nachtigall, doch ist für ihn die Rollenverteilung klar: „Babelsberg ist Favorit. Aber wir wollen den Klassenunterschied so klein wie möglich halten, nicht ängstlich, sondern offensiv spielen“, sagt der 54-Jährige.

Das letzte Pokalspiel zwischen beiden Vereinen liegt zwei Jahre zurück: Damals gewann der SVB – noch als Drittligist – nach schneller 2:0-Führung mit 3:1. Den jüngsten Vergleich entschieden die Luckenwalder indes für sich: 3:2 gewannen sie ein Testspiel Anfang September, bei dem Efe zahlreiche Reservisten einsetzte. „Das wird diesmal eine andere Mannschaft sein“, ist sich Nachtigall bewusst, doch sagt er mit dem Selbstbewusstsein eines Tabellenführers: „Wir werden unsere gewachsene Stärke deutlich machen.“

Diese Ansage hat es in Babelsberg gar nicht gebraucht. Efe und seinen Spielern ist klar, dass sie ein heißer Tanz erwartet. „Das wird ein Kampfspiel“, sagt Efe, der nicht nur wegen der aktuellen Spitzenposition des Oberligisten von dessen Qualität überzeugt ist. Zahlreiche Spieler wurden an der Sportschule Cottbus ausgebildet, ein halbes Dutzend ehemaliger Babelsberger Fußballer läuft für den Oberligisten auf – darunter Routinier und Ex-Nulldrei-Publikumsliebling Heiko Bengs (41), der derzeit allerdings verletzt ist. Doch vor allem einer wird sich heute Abend zerreißen: Daniel Becker. Der 27-Jährige wechselte in der Vorsaison von Luckenwalde an den Babelsberger Park und sollte dort in die Rolle des Spielmachers wachsen. Doch blieb er unter den Erwartungen – zugegeben in einer Zeit, als der Verein nach dem Drittliga-Abstieg personell und finanziell mal wieder einen Neubeginn startete und mit latenter Insolvenzgefahr rang. Den traditionellen Anspruch des Babelsberger Publikums an attraktiven Fußball konnten Becker und seine Mitspieler selten erfüllen; dem Druck der auferlegten Pflicht, die Klasse halten und den Landespokal gewinnen zu müssen, waren sie kaum gewachsen. Ersteres gelang gerade so, das Pokalfinale ging gegen Optik Rathenow verloren.

„Er ist ein sensibler Spieler“, sagt Nachtigall über Becker, der nach seinem einjährigen Nulldrei-Gastspiel nach Luckenwalde zurückkehrte und dort in der laufenden Oberliga-Saison bereits fünf Tore schoss. „Unsere gute Tabellensituation hat auch mit ihm zu tun“, meint Nachtigall. Nulldrei-Coach Efe, der sich selbst als völlig anderen Trainertyp als Nachtigall sieht, reflektiert Beckers Jahr in der Regionalliga kritisch und differenziert. „Seine Offensivqualitäten reichen für die dritte Liga, sein Defensivverhalten hat Verbandsliganiveau“, sagt Efe. Vergeblich habe er versucht, dass Becker an seinen Schwächen arbeitet.

Dass Babelsberg in dieser Saison eine neue spielerische Qualität hat, hat viel mit Bilal Cubukcu zu tun. Der Neuzugang auf der Spielmacher-Position ist kreativer und laufstarker Denker und Lenker des Spiels; Efe hält ihn für den leistungsstärksten Spieler der Liga. Es sind Spieler wie Cubukcu, aber auch Leon Hellwig und Kapitän Christian Schönwälder (derzeit verletzt), die den Unterschied zwischen Oberliga- und Regionalliganiveau mehr als deutlich werden lassen.

Dass ein Pokalspiel indes bestens dafür geeignet ist, Klassenunterschiede nicht erkennbar zu machen, hat die Geschichte dieses Wettbewerbes oft genug belegt. Dann kann es ein einziger Spieler sein, der ein Spiel entscheidet. Beim SVB trainiert so einer nach einer langwierigen Achillessehnenverletzung wieder mit der Mannschaft: Enes Uzun, 22 Jahre. „Er ist ein Wunderjunge“, sagt Efe über den einstigen Junioren-Spieler des VfL Wolfsburg, auf dessen Einsatzfähigkeit man beim SVB sehnsüchtig wartet. „Vielleicht bringe ich ihn gegen Luckenwalde, wenn es am Ende eng ist“, sagt Efe. „Spieler wie Enes können den Unterschied machen.“

Freitag, 19.30 Uhr, Werner-Seelenbinder-Stadion in Luckenwalde

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