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  • 18.09.2014
  • von Peter Könnicke

„Ich war die Laufsau“

von Peter Könnicke

Es läuft. Ex-Profi Christian Beeck (l.) will beim 11. Teltowkanal-Halbmarathon an den Start gehen. Organisiert wird der Lauf von Lars Weber, dem einstigen Physiotherapeuten des Fußballers. Foto: Peter Könnicke

Ex-Fußballprofi Christian Beeck fordert beim Teltowkanallauf den einstigen Herthaner Axel Kruse heraus

An seine herausragendste läuferische Leistung kann sich Christian Beeck noch sehr gut erinnern. Es war zu seiner Zeit als Profifußballer beim damaligen Bundesligisten Energie Cottbus unter Trainer Eduard Geyer, als dieser am dritten Tag der Saisonvorbereitung zur Laufeinheit bat. Unweit des Trainingszentrums in Cottbus gab es eine kleine Seerunde – 960 Meter lang. „Die sollten wir zehnmal laufen“, erinnert sich der heute 42-Jährige. Nicht nur das: Der für seine Trainingshärte berüchtigte Geyer hatte als besondere Schwierigkeit gefordert, dass die Fußballer, deren Unlust fürs Laufen allgemein bekannt ist, die 9,6 Kilometer unter 40 Minuten laufen. Ansonsten müsse noch einmal gelaufen werden. „Das Problem:“, so erzählt Beeck, „Bis zum See waren es jeweils dreieinhalb Kilometer hin und zurück. Also knapp 17 Kilometer“, stöhnt Beeck noch heute.

Unter 40 Minuten waren alle geblieben, Beeck war mit 36:40 Minuten der Schnellste. „Ab da war ich die Laufsau“, sagt er. Am Tag danach hatte Trainer Geyer für die Vormittagseinheit angesetzt: eine Stunde laufen. Die damals multikulturelle Energie-Mannschaft schickte Beeck zum Trainer: „Capitano, frag mal, ob das sein muss. Wir können nicht mehr laufen!“ Und Ede Geyer habe in seiner üblichen Art geantwortet: „Ich habe gestern keinen kotzen sehen und reden können auch alle noch.“ Also wurde gelaufen. Die anschließende Saison „lief super“, so Beeck, Energie blieb in der ersten Bundesliga.

Am 9. November wird der gebürtige Rathenower wieder laufen. Beim 11. Teltowkanal-Halbmarathon, bei dem neben der 21,1-Kilometer-Distanz auch 14- und 7-Kilometer-Strecken sowie Teamläufe angeboten werden. Als Teamkapitän wird er eine Staffel des Fußball-Zweitligisten von Union Berlin, wo er als Spieler und Sportdirektor aktiv war, anführen – und auf einen alten Bekannten treffen: Axel Kruse, der als Profi unter anderem bei Hertha BSC spielte und mit einer Hertha-Staffel über die 21 Kilometer antritt. Wer genau in den jeweiligen Teams mitläuft, steht noch nicht fest, doch es hält sich das Gerücht, dass in der Hertha-Staffel die Brüder Andreas und Oliver Schmidt aufgeboten werden. Die gelten als gute Läufer, sodass Beeck auf einem gestrigen Pressetermin in Teltow ins Grübeln kam: „Da müssen wir noch mal umdenken.“

Dass der Lauftag auf den 9. November fällt, ist kein Zufall. Schon bei der Premiere vor elf Jahren haben die Organisatoren des Vereins für Gesundheitssport Kiebitz (VGS) den Lauf und vor allem die Strecke mit dem Fall der Mauer 1989 verbunden. Denn der Rundkurs verbindet Teltow und Zehlendorf und führt über den Weg, auf dem einst die Mauer stand. „Uns war damals schon bewusst, dass wir in elf Jahren den Lauf genau am 25. Jahrestag des Mauerfalls haben werden“, sagte Organisationschef Lars Weber.

Tatsächlich hat die Veranstaltung nicht nur elf Jahre durchgehalten, sie ist auch mit den Jahren gewachsen: von 124 Läufern bei der Erstauflage auf 1 500 Teilnehmer, die in diesem Jahr erwartet werden. Premium-Partner wie E.ON oder die Mittelbrandenburgische Sparkasse unterstützen das Event seit Jahren, die AOK Nordost ist offizieller Laufbegleiter des Halbmarathons und bietet zur Vorbereitung Trainingskurse an.

Dem Erinnern an den Fall der Mauer soll das Laufduell der Fußballer eine besondere Note geben. „Natürlich wird es sportlich werden“, sagt Beeck, aber vielmehr sei auch 25 Jahre nach der Wende zu würdigen, dass zwei Berliner Traditionsklubs aus West und Ost gemeinsam miteinander laufen können. Mit Beeck und Kruse sind dabei zwei Protagonisten am Start, die „zeigen können, was mal war und was es gab“, wie der Ex-Cottbuser sagt. Er selbst erlebte den 9. November als 17-jähriger Spieler des BFC Dynamo im Trainingslager in Uckley. „Da kam keiner raus noch rein“, sagt er. Doch schon einen Tag später stand er auf Heinrich-Heine-Straße in Berlin – auf der Kreuzberger, der West-Berliner Seite. Axel Kruse indes, vier Jahre älter als Beeck, war im Juli 1989 geflohen. Bei einem Spiel des FC Hansa Rostock in Kopenhagen hatte er sich abgesetzt.

Christian Beeck, der inzwischen als selbstständiger Unternehmer arbeitet, beendete 2005 seine Fußballkarriere bei Energie Cottbus nach einer langwierigen Knieverletzung, die wiederum zur Bekanntschaft mit Lars Weber führte. Der war als Physiotherapeut unter anderem bei Union Berlin tätig und führt seit vielen Jahren in Teltow ein Reha-Zentrum. Die Startempfehlung beim Teltowkanallauf kann Weber trotz des Knies guten Gewissens geben. „Bewegung schadet nicht“, sagt Beeck selbst und glaubt, fünf Kilometer gut zu schaffen – deutlich weniger als seine einstige Energie-Laufleistung.

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