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  • 22.08.2014
  • von Ingmar Höfgen

„Müssen auf uns schauen“

von Ingmar Höfgen

Der neue SVB-Kapitän Christian Schönwälder kam vor der Saison vom Meister Neustrelitz. Heute trifft er im Karl-Liebknecht-Stadion auf seinen ehemaligen Verein, der den Aufstieg verpasste

Christian Schönwälder kann einiges über Neustrelitz, den heutigen Gegner der Babelsberger Regionalliga-Fußballer, erzählen. Drei Jahre lang spielte der 27-Jährige bei der TSG, jenem Club, der im Sommer an das Tor zur Dritten Liga klopfte. Der vorbeizog an ambitionierten Traditionsvereinen wie Magdeburg oder Jena, Meister wurde und dann in den Aufstiegsspielen gegen den FSV Mainz 05 II scheiterte. Der danach Erfolgstrainer Thomas Brdaric verlor und viele Spieler ziehen ließ. Und der sich zur neuen Viertliga-Saison wieder neu aufgestellt hat.

Aber irgendwann sagt Schönwälder: „Wir müssen auf uns schauen.“ „Uns“, das ist seit Saisonbeginn der SV Babelsberg 03. Hier wurde der Neuzugang sofort zum Stammspieler in der linken Innenverteidigung und von den Mitspielern zum Kapitän gewählt. Am heutigen Freitag empfängt der SVB als Tabellen-Siebter den letztjährigen Meister und derzeitigen Dritten.

„Ich bin froh, in dieser Mannschaft zu sein“, sagt Schönwälder. Jeder Einzelne bringe die Qualität mit, um in der Liga eine gute Rolle zu spielen. „An einem guten Tag können wir jeden schlagen. Der Zusammenhalt ist enorm wichtig für den sportlichen Erfolg“, sagt er.

Und da sieht er sein neues Team auf einem guten Weg. Nach einer viel zu respektvollen ersten Hälfte in Nordhausen, wo der SVB spät aufwachte und letztlich mit 0:1 unterlag, lief es vor zwei Wochen wesentlich besser. Beim 2:0-Heimsieg gegen den BAK vor zwei Wochen sind wir von Minute 1 bis Minute 93 anders aufgetreten“, blickt der Kapitän zurück. Mit solch einer Leistung sollen auch gegen Neustrelitz wieder drei Punkte herausspringen.

Einiges verbindet Schönwälder natürlich noch mit Neustrelitz, wo er mit seinen damaligen Mitspielern Daniel Bittner, Ingo Pütt und Ingo Wunderlich und Kai Hempel in einer WG lebte. Er erlebte, wie die Sichtweisen und Strukturen im Verein professioneller wurden. Unter dem früheren TSG-Coach Trainer Rastislav Hodul, der von 2005 bis 2007 auch am Babelsberger Park trainierte, begannen die Veränderungen, so Schönwälder. Zweimal täglich Training, neue Trainingsgeräte, Unterkünfte auch für Berliner Spieler, die sonst täglich mit dem Regionalexpress in die Hauptstadt pendelten – in den drei Jahren, die er dort lebte, hatte sich vieles entwickelt. Im Training gehe es jetzt etwas körperlicher zu, hat Schönwälder gehört.

Und wohl nicht nur in dieser Hinsicht hat der neue TSG-Trainer Torsten Gütschow, früher Torjäger bei Dynamo Dresden und dreifacher DDR–Nationalspieler, seine Handschrift eingebracht. „Sie sind konterstärker geworden“, sagt SVB-Trainer Cem Efe, und vor allem eines: „Unangenehm.“

Im neu justierten TSG-Kader verfügen mit Stürmer Marcel Schied und dem japanischen Mittelfeldspieler Taku Ishihara zwei der insgesamt 14 Neuzugänge über Profi-Erfahrung. Als Saisonziel hat Gütschow einen Platz unter den ersten Fünf ausgegeben.

Über die ersten Fünf wird in Babelsberg noch nicht wieder gesprochen, ein einstelliger Tabellenplatz ist hier der Wunsch von Vorstands-Chef Archibald Horlitz. Aber die Marschrichtung ist auch gegen den amtierenden Meister klar. „Wir können nicht abwarten. Wir müssen Druck machen und sie zu Fehlern zwingen“, sagt Efe.

Der SVB-Trainer hat derzeit vor allem eine Baustelle zu managen – den linken Platz in der Vierer-Abwehrkette. Der dort gesetzte Ugurtan Cepni sah gegen den Berliner AK gelb-rot und ist gesperrt. Beim 3:1-Pokalsieg in Wildau vor einer Woche rückte Rechtsverteidiger Severin Mihm wieder auf diese Position, die er in der vergangenen Saison souverän ausfüllte. Auf der rechten Seite mühte sich Neuzugang Miroslav Hecko, ihm war die fehlende Spielpraxis nach einer verletzungsbedingten Pause in der Saisonvorbereitung allerdings anzumerken, er wurde nach einer reichlichen Stunde ausgewechselt.

Für welche Lösung er sich entscheidet, wollte Efe am gestrigen Donnerstag noch nicht verraten. Kapitän Christian Schönwälder, der mit dem gesperrten Cepni schnell harmonierte, ist überzeugt: „Jeder, der rein kommt, wird das Beste geben. Wir haben einen qualitativ guten Kader.“

Anstoß: Freitag, 19 Uhr, Karl-Liebknecht-Stadion

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