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  • 30.05.2014
  • von Peter Könnicke

Mit leeren Händen

von Peter Könnicke

Spielentscheidende Szene: Der Babelsberger Tezcan Karabult bekommt von Schiedsrichter Norbert Giese die Rote Karte gezeigt. Süleyman Kapan (2.v.r.) schaut zu, nachdem er an der Aktion zuvor nicht unbeteiligt war. Fotos: Jan Kuppert

Mit der Niederlage im Landespokalfinale gegen Optik Rathenow missglückt dem SV Babelsberg auch ein versöhnlicher Abschluss einer missratenen Regionalliga-Saison. Eine Rote Karte entschied das Spiel

Im Moment der Niederlage forderte Almedin Civa Anerkennung für den Sieger. Nach dem 1:3 (0:1) des SV Babelsberg gegen Optik Rathenow im Finale um den Fußball-Landespokal hatten die Nulldrei-Spieler bald genug gesehen vom Jubel der Gastgeber und wollten sich vom Platz stehlen. Doch der sportliche Leiter forderte die Mannschaft auf, den Rathenowern den gebührenden Respekt zu zollen und die Pokalübergabe abzuwarten. Und so erduldeten die Spieler den bitteren Augenblick ihrer Karriere.

Es war von Beginn an klar, dass es nur für eine Mannschaft ein versöhnlicher Abschluss einer missratenen Saison in der Regionalliga werden kann. Sowohl für Optik als Absteiger als auch für den SVB, der nur mit Mühe den Klassenerhalt schaffte, hatte der Pokalgewinn den Wert eines Trostpflasters – veredelt mit mehr als 100 000 Euro für den Einzug in die erste DFB-Pokalrunde, die am kommenden Sonntag ausgelost wird. Dass sich beide Teams selbst mit dem Pokalgewinn für die Saison entschädigen wollten, führte vor 1 695 Zuschauern nach Ansicht von Landesverbands-Präsident Siegfried Kirschen zu einem „der besten Finals der letzten Jahre. Kämpferisch und auch spielerisch“, wie er fand.

Dass am Ende die Rathenower die Pokalverteidigung feierten, lag an der Dramaturgie der 90-minütigen Geschichte des Spiels im Stadion Am Vogelgesang – und an ihrem Hauptdarsteller: Süleyman Kapan, Stürmer der Rathenower und zweifacher Torschütze des Abends. „Der war nicht zu stoppen“, sagte Nulldrei- Trainer Cem Efe später. Seinen ersten dramaturgischen Höhepunkt hatte das Spiel bereits in der sechsten Minute. Ein Fehlpass von Nulldrei-Kapitän Julian Prochnow vor dem eigenen Strafraum landete genau vor Kapans Füßen, sodass der wenig Mühe hatte, das 1:0 zu besorgen. Efe sah, dass seine Mannschaft zu wenig Druck ausübte, mehr quer statt in die Tiefe spielte, vor allem aber, dass durch den frühen Rückstand sein taktisches Konzept nicht mehr funktionierte. In der 24. Minute brachte er mit Kai Druschky für Manuel Moral Fuster einen zusätzlichen Stürmer, um den bis dahin wirkungslosen Dennis Lemke in der Offensive zu unterstützen.

Der zweite Höhepunkt sollte den Fortgang der Partie entscheidend beeinflussen. Es war in der 38. Minute, das Spiel war nach einem Foul unterbrochen, als Kapan den bis dahin auffälligsten Babelsberger Tezcan Karabulut mit einem leichten Schubser provozierte, sodass der sich mit einem energischen Stoß revanchierte. Schiedsrichter Norbert Giese schickte Karabult mit Rot vom Platz, Kapan zeigte er Gelb. Eine Entscheidung, die für viele Zuschauer in ihrer Ausgewogenheit fragwürdig blieb und die Cem Efe nach Spielschluss zu einem Kommentar über die Entscheidung des Referees hinreißen ließ, was er sich zu Beginn seiner Trainerlaufbahn eigentlich selbst verboten hatte: „Mit Gerechtigkeit hatte das nichts zu tun. Wenn, dann muss man beiden die Rote Karte geben“, sagte er – bei aller Kritik für seinen eigenen Spieler. Es sei nicht verhältnismäßig zu sagen, „unser Spieler ist doof, der andere halt clever“, so Efe. Auch Rathenows Interimscoach Mario Schmeling gestand: „Die Rote Karte kam uns entgegen.“

Doch auch mit einem Mann weniger auf dem Platz war der SVB in der zweiten Halbzeit die bessere Mannschaft und kam in der 54. Minute durch Dennis Lemke mit einem strammen Schuss aus gut 18 Metern ins lange Toreck zum verdienten Ausgleich. „Babelsberg war in der zweiten Hälfte klar stärker, während wir irgendeinen Blödsinn gespielt haben“, analysierte Schmeling. Doch fehlte der Nulldrei-Elf, was sie die ganze Saison nicht hatte: „Durchschlagskraft im letzten Bereich“, wie es Efe nannte. Optik war verwundbar, doch Babelsberg tat dem Gegner nicht weh. Im Gegenteil: Als es über dem ohnehin mit dicken Regenwolken verhangenen Stadion immer dunkler wurde – Flutlicht gibt es in Rathenow nicht – und sich die meisten Zuschauer auf eine Verlängerung vorbereiteten, schlug Optik zweimal zu. Zunächst zog Jerome Leroy völlig unvermittelt aus 22 Metern unhaltbar für Nulldrei-Torhüter Marvin Gladrow zur 2:1-Führung (82.) ab. Und als die Babelsberger ihre letzten Kräfte mobilisierten und alles nach vor warfen, setzte sich erneut Kapan bei einem schnellen Gegenstoß gegen zwei Babelsberger durch und lupfte den Ball clever über Gladrow hinweg ins Tor zum 3:1-Endstand.

„Es war ein Kraftakt“, sagte der Doppeltorschütze nach dem Abpfiff, der im Moment des Sieges auch an Optik-Trainer Ingo Kahlisch dachte, der sich nach einem Schlaganfall in der Rehabilitation befindet und in der neuen Saison – dann in der Oberliga – wieder an der Seitenlinie stehen will. Kapan indes werden die Nulldreier wiedersehen. Der 22-Jährige wechselt zum Regionalliga-Aufsteiger BFC Dynamo. Dass der SV Babelsberg auch in der kommenden Saison in der vierten Liga spielt, nannte Brandenburgs oberster Fußballchef Kirschen „ungemein wichtig“. Für Efe und seine Mannschaft war das im Moment der Niederlage und beim Anblick der jubelnden Rathenower kein wirklicher Trost.

Rathenow: Begzadic; Bahr, Wilcke, Cetin, Delvalle; Hellwig (80. Regulski), Leroy; Ismaili, Cankaya, Huke (62. Uslucan); Kapan (89. Grüneberg)

Babelsberg: Gladrow; Mihm, Prochnow, Rode (85. Zimmer), Hebib; Sindik, Becker, Blazynski, Fuster (25. Druschky), Karabulut; Lemke

Tore: 1:0 Kapan (6.), 1:1 Lemke (54.), 2:1 Leroy (81.), 3:1 Kapan (86.)

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