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  • 26.05.2014
  • von Peter Könnicke

Vorm Untergang gerettet

von Peter Könnicke

versuchte die wütenden Fans zu

Nach einer Saison des Neuanfangs entkommt der SV Babelsberg 03 dem Abstieg in die Oberliga. Nach der 0:1-Niederlage am letzten Spieltag in Meuselwitz entladen sich Freude und Frust gleichzeitig

Der SV Babelsberg 03 spielt auch in der kommenden Saison in der Regionalliga. Trotz einer 0:1 (0:1)-Niederlage beim ZFC Meuselwitz am letzten Spieltag rettete sich die Mannschaft vor dem Abstieg in die Oberliga – da die U23 von Hertha BSC auch in der der sechsten Minute der Nachspielzeit ein 1:1 gegen den 1. FC Lok Leipzig hielt. Die Leipziger blieben somit in der Abschlusstabelle einen Punkt hinter dem SVB und müssen nun auf Regionalliga-Meister Neustrelitz hoffen: Schafft dieser in der Relegation den Sprung in die Dritte Liga, würde nur Optik Rathenow aus der Regionalliga absteigen.

Kräftig Gas gegeben hatte am Samstag zunächst nur SVB-Präsident Archibald Horlitz, um nach einem morgendlichen Termin in Potsdam noch rechtzeitig zum Anstoß in der Zipsendorfer Bluechip-Arena zu sein. Vom Tempo und der Leidenschaft, mit der sich das Team von Nulldrei-Trainer Cem Efe noch in der Vorwoche beim 1:0 über die Hertha-Reserve überhaupt erst die Chance auf den Klassenerhalt aus eigener Kraft ermöglicht hatte, war vor 2 018 Zuschauern nichts zu sehen. Vor allem in der ersten Halbzeit mussten die rund 400 mitgereisten SVB-Anhänger mitanschauen, wie die Abstiegsangst didie Nulldrei-Elf förmlich lähmte. In der Zentrale wirkten Christopher Blazinsky und Daniel Becker als Spielgestalter hilflos. Maximilian Zimmer konnte seine Rolle als Antreiber aufgrund seiner Sprunggelenksverletzung nie ausfüllen, zudem musste Lucas Albrecht schon nach einer Viertelstunde an der Schulter behandelt und noch in der ersten Halbzeit ausgewechselt werden. Für ihn kam Tezcan Karabulut, dem im gesamten Spielverlauf noch am ehesten das Bemühen anzumerken war, mit eigenen Kräften den Klassenerhalt zu schaffen und sich nicht auf fremde Hilfe zu verlassen.

Nach der Pause erarbeitete sich der SVB mehr Chancen, mit den besten scheiterte Dennis Lemke in der 55. Minute aus spitzem Winkel an ZFC-Keeper Norman Teichmann. Doch wirkten die schnörkellos spielenden Meuselwitzer wie schon bei der Führung durch Raik Hildebrandt (10.) immer gefährlicher als der SVB.

Wenn es jemanden gab, der bei dem Abstiegskrimi der Filmstädter fürs Szenenbild zuständig war, dann versteht er sein Handwerk. Als eine Viertelstunde vor Schluss die Kunde vom Leipziger 1:1-Ausgleich in Berlin die Runde unter den Zuschauern machte, begann es über Meuselwitz zu gewittern. Es blitzte und donnerte im Altenburger Land. Blau-weiße Untergangsstimmung auf dem Platz, aber kein Geistesblitz. Der Abpfiff wirkt wie ein Ventil – noch nicht für die Spieler, die am Spielfeldrand gebannt auf dem kleinen Monitor des MDR-Übertragungsteams die sechs Minuten Nachspielzeit in Berlin verfolgen. Es waren die Nulldrei-Fans, die ihre Mannschaft über die gesamte Saison auch in immer größer werdender Not singend und klatschend antrieben, bei denen sich angestauter Frust entlud: „Absteiger“, riefen sie in ihrer ersten Enttäuschung.

Als in Berlin der Schlusspfiff ertönte, der die SVB-Spieler für einen kurzen Moment die Arme hochreißen ließ, weil in diesem Moment der Klassenerhalt geschafft war, wurde der nächste Gang zum vermutlich schwersten der gesamten Saison. Sie machten sich auf in Richtung Fanblock, von wo es ihnen entgegenhallte: „Haut ab!“ Lucas Albrecht blieb auf halben Weg stehen, Serverin Mihm wirkte regelrecht erschrocken. Zlatko Hebib ging weiter bis zum Zaun, hinter dem die Fans wüteten. „Es war für uns eine mindestens genauso schwierige Saison wie für euch“, sagte er. „Lasst uns doch freuen, dass wir es geschafft haben, egal wie.“ Ein paar Meter weiter stand Cem Efe, die Arme ausgebreitet als Geste der Beschwichtigung: „Leute, wir haben es doch geschafft.“ Kurz danach wurden die ersten Hände zur Versöhnung durch den Zaun gestreckt: „Laurin, komm her“, riefen die Fans dem erst 19-jährigen Verteidiger von Piechowski zu. Es wurde keine Jubelparade, als er und seine Mannschaftskollegen kurz danach die Anhänger abklatschten.

Die Szene wird zu den wichtigen Erfahrungen seiner Spieler in dieser Saison gehören, von denen Cem Efe kurz danach spricht. „Nicht nur dieses Spiel hat gezeigt, dass wir noch Zeit brauchen“, resümierte er nur kurz. Er habe viele Gedanken im Kopf und es ist ihm anzumerken, dass er diese erst sortieren muss, ehe er sie ausspricht. Noch hat er dazu nicht die Zeit, bis zum kommenden Mittwoch muss er seine Mannschaft auf das Landespokalfinale in Rathenow vorbereiten, dessen Gewinn nach dem Klassenerhalt das zweite Saisonziel des SV Babelsberg ist.

„Ich hoffe, dass wir auch das schaffen“, sagte SVB-Präsident Horlitz, vom Gewitterguss völlig durchnässt. Kurz nach Abpfiff war ihm die Erleichterung über den Klassenerhalt nicht anzusehen, aber ausdrücken konnte er sie. „Es war absolut entscheidend, dass wir auf dem Weg zur Konsolidierung des Vereins es auch sportlich schaffen“, sagt er. Nach dem Drittliga-Abstieg im vergangenen Sommer, Vorstandschaos und angewachsenem Schuldenberg taumelte der SVB zwischen Neuanfang und Abgrund. Mit dem laut Horlitz kleinsten Etat der Regionalliga von 250 000 Euro und einer nahezu komplett neuen Mannschaft, in der nur wenige Spieler überhaupt über Regionalliga-Erfahrungen verfügten, startete Trainer Efe von Beginn an mit dem Ziel: Klassenerhalt. Auch jenseits des Platzes wurde gekämpft: gegen Klagen von Ex-Vorständen und gegen Provisionsforderungen der gekündigten Vermarktungsagentur Sportsman Group, vor allem aber gegen die drohende Insolvenzgefahr, die am Babelsberger Park nahezu Stammgast ist. Mit dem größten Gläubiger des Vereins, der Deutschen Kreditbank (DKB), habe der Vorstand eine Konstellation gefunden, die womöglich auf der heutigen Mitgliederversammlung (18.30 Uhr) präsentiert wird. „Ich denke, wir sind auf einem realistischem Weg“, sagt Horlitz. Nach dem Klassenerhalt „werden wir versuchen, den Kern der Mannschaft zu halten und uns mit zwei, drei Spielern verstärken, um im gesunden Mittelfeld anzukommen“, sagt der SVB-Präsident.

SVB: Gladrow; Mihm, v. Pichowski, Prochnow, Rode; Zimmer (56. Makangu), Sindik, Blazynski (84. Hebib), Becker, Albrecht (38. Karabulut); Lemke.

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