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  • 21.05.2014
  • von Peter Könnicke

Rassismus-Vorwürfe: Turbine steht zur Anonma-Aussage

von Peter Könnicke

Die Potsdamerin Genoveva Anonma (l.) kämpft im Champions League Frauen Halbfinale gegen den VfL Wolfsburg um den Ball. Foto: dpa

Der Verein gibt die Rassismus-Vorwürfe im Kontrollausschuss zu Protokoll. Sorgen muss er sich im Liga-Endspurt machen.

Bernd Schröder fühlt sich im Streit um die vermeintliche rassistische Beleidigung seiner Spielerin Genoveva Anonma missverstanden. „Ich habe gesagt: ,Ihre Aussagen sind durch uns nicht mehr zurückzuhalten'“, erklärte der Turbine-Trainer. Damit meine er, dass er eine interne Klärung mit allen Beteiligten und dem DFB für den besseren Weg gehalten hätte. Er betonte aber: „Ich habe nicht gesagt, die Aussagen sind nicht mehr haltbar, was sich insbesondere auch in unserer Stellungnahme zum Bericht des DFB-Kontrollausschusses widerspiegelt.“

Nach einem – von Schröder nicht autorisierten – Gespräch mit dem „kicker“ hatte das Fachmagazin am Montag veröffentlicht, dass der Turbine-Coach die Aussagen der Spielerin, im Bundesliga-Spiel nach einem Foulspiel insbesondere von VfL-Trainer Ralf Kellermann beleidigt worden zu sein, für nicht haltbar sehe. „Das wäre völlig unlogisch“, erklärte Schröder am Dienstag, denn in dem Bericht an den DFB halte Turbine die Vorwürfe aufrecht. Während Wolfsburgs Trainer Kellermann die Beschuldigungen umgehend zurückgewiesen hatte, wiederholte Schröder gestern: „Wir stehen zu der Wahrnehmung unserer Spielerin, dass sie provoziert und diskriminierend beleidigt wurde.“ Gerade Anonma, die aus Äquatorialguinea kommt und vor ihrer Zeit bei Turbine beim USV Jena spielte, sei durch Anfeindungen und Diskreditierungen in der Vergangenheit äußerst sensibilisiert.

Die Rote Karte, die Anonma nach einer obzönen Geste Richtung Wolfsburger Bank bekam und die daraus resultierende Sperre von drei Spielen, steht für Schröder indes „außer Frage“. Sportlich verliert Turbine mit der Sperre der 26 Jahre alten Stürmerin für die letzten drei Spieltage eine weitere wichtige Akteurin. Dem Liga-Endspurt muss bereits Kapitänin und Abwehrchefin Stefanie Draws wegen einer Kreuzbandverletzung zuschauen. Nach dem Wolfsburg-Spiel vom vergangenen Freitag wird zudem Pauline Bremer aufgrund eines Bänderanrisses am Knöchel mindestens im Heimspiel gegen Cloppenburg am kommenden Sonntag (14 Uhr) fehlen. Lia Wälti und Lisa Evans sind nach überstandener Verletzung noch nicht wieder bei 100 Prozent.

Hinzu kommen Irritationen von außen. So schrieb die Wolfsburger Allgemeine Zeitung unmittelbar vor dem Top-Spiel in der Vorwoche über einen möglichen Wechsel von Turbine-Stümerin Ada Hegerberg zum amtierenden Meister und Champions-League-Finalisten. Die 19-jährige norwegische Nationalspielerin war im Januar 2013 nach Potsdam gewechselt und hat bei Turbine einen Vertrag für ein weiteres Jahr. Dennoch werde sie von ihrem Berater bei mehreren Bundesliga-Vereinen angeboten. Bereits ihre Schwester Adriane Hegerberg verließ im Vorjahr Potsdam trotz laufenden Vertrages – im gegenseitigen Einvernehmen mit dem Verein und zudem ins Ausland. Adriane Hegerberg spielt inzwischen beim Kopparbergs/Göteborg FC, zu dem auch Maren Mjelde nach Saisonschluss wechseln wird – ebenfalls eine norwegische Nationalspielerin bei Turbine Potsdam. Im Fall Ada Hegerberg verhehlt Schröder nicht, dass sowohl er als auch die Spielerin unzufrieden sind, es momentan aber den Status eines bestehenden Vertrages gibt.

Rassismus-Vorwürfe, Verletzungspech, Wechselgerüchte, Wolfsburg-Niederlage: Die Voraussetzungen fürs Saison-Finale um die Deutsche Meisterschaft sind nicht ideal für Schröders Mannschaft, die in der kommenden Woche zum derzeitigen Tabellenführer 1. FFC Frankfurt muss und am letzten Spieltag Bayern München empfängt. „Wir müssen zunächst überzeugt sein, das nächste Spiel zu gewinnen“, sagt Schröder. Gegen den Tabellenvorletzten Cloppenburg sollte das möglich sein. 

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