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  • 19.04.2014
  • von Ingmar Höfgen

Kein Ass, nur Joker

von Ingmar Höfgen

Qualität als Joker: Rafael Makangu, der gegen Leipzig das Siegtor schoss. Foto: J. Kuppert

Auch ohne erfolgreiche Stürmer ist Babelsberg eines der effektivsten Teams der Rückrunde

Treffen, wenn es wirklich nötig ist – Fußball-Regionalligist SV Babelsberg 03 hat sich seit der Winterpause vom stürmenden Drittliga-Absteiger zum torgeizigen Minimalisten gewandelt. Sechsmal trafen die Babelsberger Spieler in den neun Punktspielen seit Februar, elf Punkte sammelten sie damit gegen den Abstieg. Dabei „vergeudeten“ sie nur einen Torerfolg: Das 1:0 von Lucas Albrecht gegen den 1. FC Union II (1:3) brachte am Ende keinen Zähler. Mit den anderen fünf Treffern gelangen drei Siege – jeweils 2:1 gegen den Berliner AK und in Halberstadt sowie ein 1:0 bei Lok Leipzig. Bis zur Winterpause hatten beim SVB 27 Tore nur zu 18 Punkten gereicht.

Was sich wie ein guter Plan zur Effizienzsteigerung lesen könnte, ist auch der Not geschuldet. Seit acht Spielen fordert Nulldrei-Trainer Cem Efe eher eine stabile Defensive als den unbedingten Dreier, eher den kontrollierten Spielaufbau statt des riskanten Passes. Die Umstellung des Systems kam nicht ohne Grund: Mit Süleyman Koc wechselte zur Winterpause nicht nur der mit acht Treffern erfolgreichste Torschütze zum Zweitligisten Paderborn; er war auch der Einzige, der immer für ein Tor oder eine Vorlage gut war. Vor seinem Wechsel blieb der SVB nur einmal ohne Torerfolg, seitdem sind fünf Partien ohne SVB-Treffer dazugekommen.

Efes Hoffnung, dass andere in die Verantwortung hineinwachsen könnten, hat sich bisher jedenfalls bei den vier Stürmern nicht erfüllt. Von ihnen scheint nur Lucas Albrecht gesetzt, der seinen vier Treffern der Hinrunde nur einen weiteren hinzufügen konnte. Ansonsten sind in den vergangenen Wochen viele Besetzungsvarianten in der Offensive ausprobiert worden. Zuletzt stand Dennis Lemke öfter in der Startelf, Rafael Makangu und Kai Druschky saßen zunächst auf der Bank.

Das Fazit: Die Stürmer wirken motivierter, gefährlicher und mit mehr Zug zum Tor, wenn sie eingewechselt werden – und auch nur dann haben sie getroffen. Lemke gelang als sogenannter Joker der entscheidende Treffer zum 2:1-Sieg gegen den Berliner AK, Makangu das 1:0 in Leipzig, Druschky ging in 2014 bisher leer aus. Überraschend kommt das nicht: Makangu hatte auch sein anderes Saisontor als Joker erzielt, der immer für frischen Wind sorgende Kai Druschky traf bei seinen 17 Einwechslungen in 19 Partien zweimal, und auch Lemke, der bis Ende 2012 schon beim SVB gespielt hatte, war vor allem als agiler Einwechsler in Erinnerung geblieben.

Am erfolgreichsten im neuen Jahr war bisher Maximilian Zimmer, der rechte Verteidiger in der Vierer-Abwehrkette mit Drang nach vorn. In Halberstadt traf er etwas glücklich mit zwei Standards zum 2:1-Sieg, und am Mittwoch machte er mit seinem 1:0 bei Germania Schöneiche den Einzug ins brandenburgische Pokalfinale klar (PNN berichtete). In der siebenten Minute der Verlängerung verwandelte er einen Foulelfmeter sicher zum Endstand. “Wir hätten das Tor viel früher machen müssen”, sagte Zimmer nach dem Abpiff. Er hatte den SVB vor einem nervenaufreibenden Elfmeterschießen bewahrt – genau zur richtigen Zeit.

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