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  • 16.04.2014
  • von Peter Könnicke

Standards und Gesetze

von Peter Könnicke

Weiß wie Pokal geht: Tom Persich (l.) spielte viele Jahre für den 1. FC Union Berlin – hier im DFP-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach im Jahr 2001. Foto: dpa

Schöneiche empfängt Babelsberg zum Pokal-Halbfinale und will eine Regel außer Kraft setzen. Anweisungen gibt dafür ein Ex-Nulldreier: Germania-Coach Tom Persich

Den größten Vorzug seines noch jungen Trainerdaseins macht sich Tom Persich jeden Morgen bewusst. „Ich weiß früh um neun, dass ich am Nachmittag nicht laufen muss“, sagt der Coach des SV Germania 90 Schöneiche. Seit dieser Saison betreut er den Brandenburgligisten. Von seiner Elf wird der 42-Jährige heute Abend (17.30 Uhr) verlangen, was er selbst nicht mag: Laufbereitschaft, um vielleicht ein Pokalwunder zu schaffen. Denn ein solches wäre es für Persich, wenn die Randberliner im Halbfinale des Landespokals gegen den SV Babelsberg 03 gewinnen. Der Regionalligist ist für Persich klarer Favorit. „Wir haben nur eine kleine Chance“, sagt er.

Persich verbrachte seine längste Zeit als aktiver Spieler in den Abwehrreihen des 1. FC Union Berlin. 1989 gab er ein halbjähriges Zwischenspiel unter der Trainerregie von Karsten Heine beim SV Babelsberg – „eine schöne Zeit“, wie er sagt. Seine Karriere beendete er im vergangenen Jahr in Schöneiche. Theoretisch ist es möglich, dass Persich heute Abend doch laufen wird. „Ich habe einen gültigen Spielerpass und sitze meist auch in Sportsachen auf der Bank“, sagt er. Und auch praktisch scheint es nicht völlig sinnfrei: Mit Gordon Karras fehlt der torgefährlichste Spieler bei Germania, mit Paul Mitscherlich der beste Mittelfeldakteur und mit Franz Fitkau ein robuster Innenverteidiger. Und gerade solch einen vermisst Persich. „Unser Spiel ist fast körperlos“, beklagt er und kann nicht verhehlen: „Das nervt mich.“ Dass Schöneiche dennoch punktgleich mit TuS Sachsenhausen die Brandenburgliga anführt und am vergangenen Samstag den bisherigen Spitzenreiter Falkensee-Finkenkrug besiegte (2:1), zeigt, dass die junge Mannschaft vieles richtig macht. „Das Fußballerische stimmt“, bestätigt Persich.

Germanias größte Schwäche könnte Babelsbergs Vorteil sein: Bei Standards ist Schöneiche anfällig. „Es nutzt nichts, wenn wir gut spielen und bei Standards die Tore kriegen“, sagt Persich. Bei Ecken und Freistößen indes ist der SVB gefährlich – zumindest mehr als beim Herausspielen von Torchancen. Daher hat sich Persich die Standardtechniken der Nulldreier auch genauer angesehen, als er bei deren jüngsten Heimspiel am Babelsberger Park war. Auch wenn die Partie gegen Optik Rathenow alles andere als rasanter Fußball war, habe er den SVB als eine junge und technisch gute Mannschaft und vor allem die taktische Formation gesehen, mit der sein Trainerkollege Cem Efe spielen ließ.

Der weiß um die eigenen Gesetze von Pokalspielen, die die Regel außer Kraft setzen, dass Favoriten auch wirklich gewinnen. Daher warnt er, Germania zu unterschätzen. Und schon vor einigen Tagen versicherte er, dass seine Spieler den Ehrgeiz eines jeden Sportlers haben, einen Pokal auch gewinnen zu wollen, wenn er zu vergeben ist. Dass der sportliche Anspruch nicht die alleinige Triebfeder zum Pokalgewinn ist, ergibt sich aus der finanziellen Lage des SVB: Die 120 000 Euro für den Einzug in die erste DFB-Pokalrunde braucht der Regionalligist allein zur Deckung des aktuellen Etats.

Den Scheck könnte Germania Schöneiche allerdings auch gut gebrauchen. Im Sommer 2012 zog sich der Verein freiwillig aus der Oberliga zurück – das finanzielle Wettrüsten wollte man nicht mehr mitmachen. Daran hat sich nichts geändert. „Wir müssen die Liga nicht gewinnen und auch nicht aufsteigen“, sagt Persich. Doch was den Pokal angeht, da sind seine Spieler genauso sportlich ehrgeizig wie der heutige Gegner. Peter Könnicke

Mittwoch, 17.30 Uhr, Jahn-Sportplatz an der Babickstraße

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