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  • 12.04.2014
  • von Peter Könnicke

Kein Schongang

von Peter Könnicke

Dirigent zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Nulldrei-Coach Cem Efe Foto: Manfred Thomas

Die SVB-Elf hat den Spitzenreiter im Blick, der Verein den Pokal im Sinn

Cem Efe traut seinem Kollegen eine erfolgreiche Karriere zu. „Das ist ein guter Trainer“, meint der Coach des SV Babelsberg 03 über Thomas Brdaric. Dessen Bilanz seit Beginn seiner Arbeit im vergangenen Juli beim Nulldrei-Ligakokurrenten TSG Neustrelitz spricht eine klare Sprache: Nach 23 Spieltagen stehen die Mecklenburger mit sieben Zählern Vorsprung auf Platz eins der Regionalliga, der sportliche Aufstieg ist greifbar. Doch die gute Laune hat sich schlagartig geändert: Brdaric hatte am Donnerstag seinen Weggang zum Saisonende verkündet, gestern folgte ein halbes Dementi: Es sollte ein Weckruf sein. Der Ex-Nationalspieler kritisierte wiederholt die schlechten Trainingsbedingungen und die Provinzstreitigkeiten um die Stadionsanierung, was sogar die Drittliga-Lizenz kosten könnte. Sollte er seinen Vertrag bis 30. Juni 2015 erfüllen, müsste sich einiges ändern, so Brdaric.

Wie sehr die Neutrelitzer auf der Euphoriebremse stehen, wird sich bereits am morgigen Sonntag im Liga-Alltag zeigen, wenn der SVB zu Gast im Parkstadion ist. An sich sind die Rollen klar verteilt, Neustrelitz ist Favorit, Nulldrei Außenseiter. Beim 2:1-Hinspielerfolg im Karl-Liebknecht-Stadion bot die Brdaric-Elf vor allem in der zweiten Halbzeit sehr ansehnlichen Regionalliga-Fußball. Doch hält Efe morgen einen Punktgewinn für möglich, der den Klassenerhalt endgültig sichern würde. Und dafür beschwört der Nulldrei-Trainer erneut die Defensive und hofft dabei auf den Einsatz von Sascha Rode, der in der vergangenen Woche gegen Optik Rathenow zur Halbzeit wegen Nackenproblemen ausgewechselt wurde. Rode spielt seit einigen Wochen vor der Abwehr auf der Sechserposition, „er gibt uns im Defensivverbund mehr Stabilität“, so Efe. Definitiv verzichten muss Efe weiterhin auf Enes Uzun, der wohl noch ein bis zwei Wochen braucht, um seine Achillessehnenreizung auszukurieren. Zurück im Kader ist Angreifer Lucas Albrecht nach überstandener Knöchelverletzung.

Dass Efe bei seiner taktischen Vorgabe keinen Unterschied macht, ob seine Elf gegen den Tabellenersten oder gegen den Letzten spielt, brachte ihm in der Vorwoche Kritik ein. Das 0:0 gegen Schlusslicht Optik Rathenow erschien zahlreichen Zuschauern zu wenig. Doch Efe steht dazu: „Ich werde in der 70. Minute das Spiel nicht aufmachen.“ Vor ein paar Wochen, so gab er zu bedenken, hätte seine Mannschaft solche Spiele noch verloren.

Die Reaktionen wären kaum auszumalen gewesen, die Unruhe im Verein und der Druck auf die Mannschaft wären noch größer, wenn die Abstiegsplätze wieder näher gerückt werden. Denn ohnehin wächst in diesen Tagen die Erwartungshaltung an die junge Regionalliga-Truppe. Am kommenden Mittwoch spielt der SVB im Halbfinale des Landespokals beim Brandenburgligisten Germania Schöneiche. Quasi seit Saisonbeginn beschwören die Vereinsoberen den Pokalgewinn als überlebensnotwendig. Die 120 000 Euro für den Einzug in die erste Runde des DFB-Pokals deklarierte SVB-Präsident Archibald Horlitz wiederholt zur Pflicht-Buchung, um den Etat überhaupt ausgeglichen zu gestalten.

Diese Hypothek lastet auf einer Mannschaft, die nach dem Drittliga-Abstieg im vergangenen Sommer eher aus der Not zusammengestellt wurde und die Folge der wirtschaftlichen Misere des SVB, aber nicht deren Ursache ist. Als Wahnsinn bezeichnet Efe daher das Verhältnis von Anspruch und Wirklichkeit, mit dem er mitunter konfrontiert werde. „Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Sportler den Pokal gewinnen will“, sagt er. „Aber wenn es in den vergangenen Jahren nicht einmal mit einer Drittliga-Mannschaft gelungen ist, kann man es gerade in der jetzigen Situation nicht zur Selbstverständlichkeit erklären“, sagt Efe.

Schonen werden sich seinen Spieler für das Pokalspiel nicht, wenn es morgen gegen den Tabellenführer geht. „Wir müssen immer die beste Leistung bringen“, so Efe. Diesen Anspruch stelle sich die Mannschaft ganz von selbst.

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