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  • 24.03.2014
  • von Peter Könnicke

Beste Derby-Dramaturgie

von Peter Könnicke

Trugen zu einem intensiven und unterhaltsem Derby auf der Sandscholle bei: Babelsbergs Laurien von Piechowski und Werders Maximilian Leetz. Foto: Julius Frick

In der Brandenburgliga holt Werder ein 0:3 auf und verliert dennoch gegen die Zweite des Babelsberg 03

Beim 4:3 (3:0)-Erfolg des SV Babelsberg 03 II gegen dem Werderaner FC beim Derby der Brandenburgliga spielten beide Mannschaft so, wie ihre Trainer an der Seitenlinie agierten. Während Nulldrei-Coach Matthias Stuck äußerlich eher unaufgeregt und sachlich ruhig seine Elf dirigierte, tobte Werders Thomas Leek bei der Rückkehr an seine langjährige Wirkungsstätte die gesamte Gefühlsachterbahn hoch und runter: von Frust bis Euphorie, leidenschaftlicher Wut und Zuversicht bespielte der 43-Jährige die gesamte Palette.

Die 90 Minuten auf der Sandscholle gaben dafür auch allen Grund und einem Derby die perfekte Dramaturgie. 3:0 führten die Babelsberger als bis dato Tabellenletzter gegen die seit vier Spielen sieglosen Werderaner. Das 1:0 für die Gastgeber fiel nach einem Strafstoßpfiff, den vor allem die Werderaner als völlig unberechtigt sahen: Jonas Schmidt war allein auf Werder-Keeper Sebastian Rauch zugelaufen und hatte die Aktion bereits erfolglos abgeschlossen, als er zu Fall kam und Referee Stefan Lüth auf Foul entschied. Den Elfmeter verwandelte Tezcan Karabulut sicher. Werder agierte in der ersten halben Stunde vor allem mit langen Bällen, was Nulldrei-Coach Stuck als „einfallslos“ kommentierte, während Leek befand: „Wir sind viel besser im Spiel.“ Tatsächlich aber schlugen die Babelsberger noch vor der Pause zweimal zu: Nach schöner Ballstafette spielten sie sich auf der linken Seite durch, die Hereingabe von Daniel Becker nutzte Niels Niemeier völlig freistehend zum 2:0. Der gleiche Spieler war auch zur Stelle, als der Ball nach einer missglückten Fußabwehr von Werders Torwart Rauch den Weg zu ihm fand und er zur sicheren 3:0-Führung abschloss.

Wer dachte, dass die Partie damit entschieden war, irrte. Leeks Kabinenansprache fiel denkbar kurz aus: Zehn Minuten der viertelstündigen Pause ließ er seine Spieler allein. „Bei dem Spielstand brauchte ich nicht viel zu sagen“, bemerkte er anschließend. In der Tat fanden seine Spieler nach Wiederanpfiff die richtige Antwort: Mit engagierten Zweikämpfen und konsequenter Balleroberung kauften sie den Babelsbergern den Schneid ab, die zunehmend Probleme bekamen. Vor allem der eingewechselte Patrick Schmidt belebte die Offensive. Werders Aufwand wurde nach einer Stunde belohnt, als sich Maximilian Leetz auf der rechten Seite durchsetzte auf Rico Eichstädt passte, der zum 1:3 einschob. Nach gleichem Muster fiel fünf Minuten später der Anschlusstreffer: Schmidt jagte eine Hereingabe unter die Latte ins Tor. Und als in der 75. Minuten wiederum Schmidt nach einem schönen Zuspiel den Ausgleich schaffte, wackelte Nulldrei vollends. Es war Daniel Becker, der in der Regionalliga derzeit nicht in der Stamm-Elf steht, der immer wieder Bälle forderte und letztlich die entscheidende Vorarbeit leistete, die der kurz zuvor eingewechselte Philipp Schröter mit einem 20-Meter-Schuss zum glücklichen Siegtreffer verwertete.

„Wir haben beide Richtungen des Spiels bestimmt“, sagte Nulldrei-Trainer Stuck nach dem Abpiff. „In der ersten Halbzeit haben wir Werder beherrscht, in der zweiten haben wir sie zurückkommen lassen.“ Leek meinte: „Die Leidenschaft meiner Mannschaft war aller Ehren wert, für die Art und Weise, wie sie gekämpft haben, kann ich sie nur loben. Aber am Ende zählt das nackte Resultat.“ Durch die erneute Niederlage rutschte Werder auf den viertletzten Tabellenplatz, der SVB machte einen Rang gut und ist jetzt Vorletzter.

Babelsberg II: Eberle; Fuchs, Rode, von Piechowski; Niemeier, Schmidt, Becker, Bundschuh, Karabulut (69. Schröter) Neuschäfer-Rube (46. Sellmann), Käpnick (86. Hilbert)

Werder: Rauch; Brauner (58. Leetz), Heyse, Wolter, Gawlik; Habler, Heller, Blondzik (88. Scharfenberg), Schulze; Eichstädt, Dimitriv (46. Schmidt).

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