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  • 21.03.2014
  • von Peter Könnicke

Opfer des Strategiewechsels

von Peter Könnicke

In seinem Offensivdrang gebremst ist Daniel Becker zunächst durch die verstärkte defensive Ausrichtung des SV Babelsberg. Foto: Jan Kuppert

Nach der Abkehr vom Offensivspiel findet sich Stammspieler Daniel Becker beim SV Babelsberg auf der Bank wieder – wohl auch gegen Union II

Daniel Becker hat derzeit nicht die allerbeste Laune. „Natürlich bin ich nicht zufrieden, wenn man erst Stammspieler ist und dann auf der Bank sitzt“, sagt der Mittelfeldspieler des SV Babelsberg 03. Der 26-Jährige, der als guter Techniker und Offensivstratege gilt, ist ein Opfer des Strategiewechsels geworden, den Nulldrei-Trainer Cem Efe seiner Mannschaft verordnet hat: defensiv gut stehen und so gut es geht Punkte sammeln, nicht in Schönheit sterben, sondern auch mal mit einem „dreckigen Sieg“ Zähler für den Klassenverbleib holen. Auch beim heutigen Heimspiel gegen die U 23 des 1. FC Union Berlin wird das die Marschrichtung sein. Und Becker ahnt: „Ich werde wohl zunächst wieder auf der Bank sitzen.“

Auch bei der Abschlusseinheit vor der heutigen Regionalligapartie am Donnerstagnachmittag wurde mehr Augenmerk auf das Defensivspiel gelegt. „Das sieht zwar nicht schön aus, aber bislang hatten wir damit Erfolg“, muss auch Becker einräumen. Tatsächlich: Nachdem Efe nach der blamablen 0:2-Niederlage gegen Auerbach zum Rückrundenauftakt die taktische Ausrichtung änderte, holten die Babelsberger aus drei Spielen sieben Punkte und konnten den bedrohlich nahe gekommenen Abstiegsplätzen zumindest etwas entkommen. Dem 0:0 in Zwickau folgten ein Heimsieg gegen den Berliner AK und vor Wochenfrist ein Auswärtserfolg in Halberstadt. Letzterer war in der Tat nicht attraktiv: Als „Not gegen Elend“ beschrieb Halberstadts Trainer Willi Kronhardt im Anschluss die Begegnung.

Efe lässt in der aktuellen Situation damit gegen seine eigene Fußball-Philosophie agieren. Normaler ist der ehemalige Stürmer ein Fan des schnellen und attraktiven Spiels nach vorn. Und mit dem Taktikwechsel setzt Efe auch die Fähigkeiten seines Mittelfeldregisseurs Becker außer Gefecht. „Ich denke, das wird dem Trainer schon klar sein, auch dass ich damit nicht zufrieden bin“, sagt Becker. „Ich bin nun mal kein Spieler, der die Bälle nach vorne bolzt. Ich versuche, Situationen spielerisch zu lösen.“

Gegen die torhungrigen Youngsters des 1. FC Union werden Beckers Qualitäten dennoch wohl erst einmal nicht gefragt sein. 53 Tore schossen die Eisernen in den bislang 20 Saisonspielen – mit Abstand Liga-Spitzenwert. Auch wenn die Berliner sich nach der 1:4-Niederlage vergangene Woche gegen Hertha II von jeglichen Aufstiegsgedanken verabschiedet haben, werden sie ihr Angriffsspiel nicht einstellen. Bei der daher gefragten Torverhinderungsstrategie des SVB „werde ich wohl zunächst nicht zum Zuge kommen“, vermutet Becker. So ganz unbekannt ist ihm die Situation allerdings nicht. In der Hinrunde gegen Plauen saß die etatmäßige Nummer 10 zunächst auf der Bank, weil Efe die Defensive stärken wollte. Als Becker nach der Pause eingewechselt wurde, bedankte sich der für seine Standardqualitäten bekannte Mittelfeldspieler mit zwei mustergültig getretenen Eckbällen, die jeweils zum Tor und letztlich zum 2:2-Unentschieden führten.

Anpfiff 19 Uhr, K.-Liebknecht-Stadion

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