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  • 21.02.2014

„Wir wollen für uns und die Zuschauer Spaß haben“

Julian Prochnow ist mit 27 Jahren der dienstälteste Spieler beim Regionalligisten Babelsberg 03.

Julian Prochnow über die Entwicklung des SVBabelsberg 03, die Regionalliga-Rückrunde und das Spiel gegen Auerbach

Herr Prochnow, „Wie geht's“ wird als Floskel verwendet. Sie haben sich beim Spiel gegen Magdeburg Anfang November eine Gehirnerschütterung und ein Schädel-Hirn-Trauma zugezogen, standen erst vor zwei Wochen wieder auf dem Platz. Deshalb die ernst gemeinte Frage: Wie geht's?

Soweit geht es mir eigentlich ganz gut. Ich konnte schon wieder auf dem Platz stehen, habe schon zwei Spiele hinter mir, wenn es auch noch nicht lange war, aber es war schon mal ein Einstieg. Mir geht es immer besser. Ich bin noch nicht bei 100 Prozent, sodass ich sagen kann, es ist jetzt komplett verheilt. Aber ich bin auf einem ganz guten Weg.

Mit welcher Zielstellung geht Babelsberg in die Rückrunde?

Wir wollen mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Es ist das primäre Ziel, dass wir nicht weiter nach unten rutschen. Nach oben geht eigentlich auch nicht mehr viel. Wir wollen versuchen, uns als Mannschaft weiterzuentwickeln. Wie schon in der Hinrunde wir wollen, dass es Spaß macht, zu uns ins Stadion zu kommen. Wir wollen Spaß haben und das auch auf die Zuschauer übertragen. Aber das oberste Ziel ist natürlich, dass man von den Abstiegsrängen fernbleibt.

Der SVB hat schon in der Hinrunde guten und unterhaltsamen Fußball geboten, mit vielen Toren, ihr habt den sechstbesten Angriff der Liga. Was sehen Sie als die große Herausforderung für die Rückrunde, was muss sich grundlegend verbessern, damit man nicht mehr nach jedem Spiel nach den Abstiegsrängen schaut?

Wir müssen immer ein Tor mehr schießen als der Gegner. Wenn wir jedes Spiel 5:4 gewinnen, hätte ich auch nichts dagegen. Aber klar ist, dass wir das gesamte Defensivverhalten verbessern müssen. Wenn es „sechstbester Sturm“ heißt, muss man auch sehen: Von der Abwehr her ist es umgekehrt (nur drei Teams haben mehr Gegentore kassiert - Anm. d. Red.). Wir haben viele einfache Tore bekommen, da müssen wir ansetzen und versuchen, kompakt zu stehen. Wichtigstes Ziel sollte sein, dass die Null steht. Das ist auch eine Floskel, aber letztlich ist es bei uns ganz wichtig. Nach vorn geht immer etwas, wir haben so ein gutes Offensivspiel, dass wir in jedem Spiel Möglichkeiten haben und treffen können. Ich glaub, dass es uns leichterfällt, nach vorn zu spielen. Es wird aber nicht die Offensive mehr trainiert, eher im Gegenteil. Wir haben in der Vorbereitung versucht, das Augenmerk etwas mehr auf die Defensive zu richten. Wir denken als Mannschaft offensiv, wir haben viele kreative Spieler, deshalb fällt uns das leichter.

Sie sind einer der wenigen, die nach dem Abstieg geblieben sind. Wie hat sich aus Ihrer Sicht die Mannschaft entwickelt?

Mit den Möglichkeiten, die wir haben, haben wir uns gut entwickelt. Gerade im Offensivspiel, wo wir am Anfang der Saison schon sehr gut waren, haben wir uns noch mal gesteigert. Insgesamt sehe ich das sehr positiv.

Welchen Einfluss hat der Weggang von Süleyman Koc, immerhin bester Torschütze?

Für uns als Mannschaft so gut wie gar keinen, für uns ist das Thema abgehakt. Es war ja schon seit Sommer klar, dass es jederzeit passieren kann, dass er weg ist. Natürlich verfolge ich noch, ob Süleyman in Paderborn spielt, ob er im Kader ist.

Er war ja einer, der etwas gemacht hat, was andere meist nicht so konnten...

Es war viel auf Sülo abgestimmt, es wurde viel über ihn berichtet, sodass sich viele dahinter verstecken konnten. Das ist jetzt nicht mehr so. Ich denke, dass der eine oder andere nunmehr befreiter aufspielen kann und mehr Verantwortung übernehmen muss. Es ist im gesamten Fußball so, egal ob erste, zweite, dritte, vierte oder fünfte Liga: Irgendwann geht mal einer, der über dem Durchschnitt spielt. Das ist ein vollkommen normaler Vorgang.

Bei Babelsberg gibt es nicht nur die sportliche, sondern auch noch eine wirtschaftliche Seite. Es gibt einen Etat, der nicht endgültig gedeckt ist, es gibt einen Vermarkter, der Geld einklagt, es gibt eine recht lange Kreditbindung an die Deutsche Kreditbank. Beeinflusst das den sportlichen Teil?

Natürlich nimmt man das wahr, aber wenn man auf dem Platz steht, spielt das keine Rolle. Als Mannschaft können wir keinen Einfluss darauf nehmen. Da sind wir Profis genug, das auf dem Platz auszublenden.

Am Samstag tritt Auerbach im Karl-Liebknecht-Stadion an. Was erwarten Sie?

Es ist immer schwer am ersten Spieltag nach der Vorbereitung. Wir wissen nicht, wo wir stehen. Auerbach weiß es ebenso wenig. Wir wissen nicht, wie wir aus der sehr langen Vorbereitung rauskommen. Wenn ich an die Hinrunde in Auerbach denke, war es zwar ziemlich deutlich, aber wir hatten Glück, in den ersten 20 Minuten waren sie dreimal allein vor unserem Tor. Wir sind schon gewarnt. Die Mannschaften, die aus dieser Region kommen, sind meistens robust und versuchen, schnell in die Spitze zu spielen. Darauf sind wir auch vorbreitet. Es ist ein Heimspiel, wir wollen natürlich unser Spiel durchbringen und werden sehen, wofür es reicht.

Das Gespräch führte Ingmar Höfgen

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