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  • 28.01.2014
  • von Chantal Willers

Noch etwas mehr Fingerspitzengefühl

von Chantal Willers

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Der Potsdamer Goldfingers Ultimate Club feierte eine lehrreiche Premiere in der 1. Frisbee-Bundesliga

Die Laufwege ähneln jenen beim Hallenfußball, die Punkte werden wie beim American Football erzielt, und die Präzision beim Werfen kommt vom Handball. Man sucht regelrecht nach einem Vergleich. Doch Indoor-Ultimate-Frisbee ist eben auch eine ganz eigene Sportart, unvergleichlich. Ein Sport mit viel Fingerspitzengefühl. Am vergangenen Wochenende fanden die ersten beiden Spieltage der 1. Bundesliga in Potsdam statt. Mit dabei auch ein Bundesliga-Neuling: der Potsdamer Goldfingers Ultimate Club.

In der Hand hatte sie wahrscheinlich schon jeder einmal: Das Frisbee, ein vielfältiges Spielgerät an Stränden und auf Wiesen. Sind die meisten allerdings schon froh, sie auf einer geraden Linie durch die Luft befördern zu können, konnte man am Samstag und Sonntag Zeuge von Kunstwürfen mit der flachen Scheibe werden. Die Trendsportart Ultimate Frisbee fand in den letzten Jahren in Deutschland immer mehr begeisterte Anhänger – im Freien oder eben Indoor. Denn im Winter wird es in einer Halle auf Handballfeldgröße ausgetragen. Fünf Spieler bewegen sich dabei im Raum und versuchen, das Frisbee durch verschiedene Wurftechniken in die gegnerische Endzone zu spielen.

Manndeckung ist beim Ultimate Frisbee der taktische Grundsatz, Körperkontakt jedoch streng untersagt. Voller Körpereinsatz ist allerdings trotzdem gefragt. Dieser Sport fordert von seinen Athleten alles ab: Schnelligkeit, Ausdauer und Präzision. Sprünge, bei denen der Sportler waagerecht durch die Halle fliegt und gefährlich nah vor der Hallenwand zum Stehen kommt, sind keine Seltenheit.

In Potsdam formierte sich 2005 aus einem HochschulsportKurs der Universität ein eigenständiger Verein. „Wir hätten uns damals auch einem bereits etablierten Verein anschließen können, doch wir wollten, dass Ultimate Frisbee als eigene Sportart in Potsdam Fuß fasst. Wir wollen, dass es Teil dieser Stadt wird“, erklärt Lars Schmäh von den Goldfingers. Ein ambitioniertes Unterfangen. Vor allem in einer Sportstadt wie Potsdam. Die Konkurrenz ist groß, das Finden von Sponsoren schwierig. „Durch den Landessportbund erhalten wir projektspezifische Förderungen.“ Ausreichend sei das aber nicht. Den Einsatz der Vereinsmitglieder erfordert das auch außerhalb des Feldes, auch wenn sie dabei viel Zeit und auch Geld investieren müssen. „Wir sind eben Idealisten.“ Doch der Einsatz, Ultimate Frisbee in Potsdam zu etablieren, hat sich schon im vergangenen Jahr ausgezahlt. Durch eine Umstrukturierung der Ligen konnten die Goldfingers von der dritten Liga direkt in die 1. Bundesliga aufsteigen.

Auf ihre ersten Erfahrungen in der höchsten deutschen Ultimate-Frisbee-Liga blicken sie nach dem vergangen Wochenende positiv zurück. „Wir konnten durchaus mithalten, am Ende haben wir viele Punkte durch die fehlende Erfahrung oder mangelnde Kondition abgegeben“, meint Kapitän Tino Uhlig. Gerade im letzten Spiel gegen den amtierenden Deutschen Meister, die „Heidees“ aus Heidelberg, wurde trotz der 10:15-Niederlage deutlich, dass noch reichlich Potenzial in den Goldfingers steckt. Mit dem sechsten Platz in der Gruppe A qualifizierten sie sich für das zweite Spielwochenende, das am 1. und 2. März in Heidelberg stattfindende Turnier, jedoch für die Abstiegsrunde. „In den letzten Jahren war das Ziel immer der Aufstieg, in diesem Jahr heißt es Klassenerhalt“, sagt Tino Uhlig. Sechs Wochen seien reichlich Zeit, um an Fehlern zu arbeiten – und vielleicht noch etwas mehr Fingerspitzengefühl zu bekommen. Chantal Willers

 

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