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  • 24.01.2014
  • von Peter Könnicke

Vom Vermarkter zum Kläger

von Peter Könnicke

Wollten als Sportsmen helfen: Lukas Seiler (l.), Thomas Krone. Foto: Jan Kuppert

Zwei Jahre nach dem Einstieg der Sportsman Group beim SVB 03 will sie rund 170 000 Euro Provision vor Gericht erstreiten

Genau zwei Jahre nach der Vorstellung der Münchner Sportman Media Group als neuer Vermarkter des SV Babelsberg 03 haben sich beide Seiten vor Gericht wiedergetroffen. Dabei ist am 22. November 2013 in einer mündlichen Verhandlung am Landgericht München I ein Vermittlungsversuch im Streit um Provisionzahlungen gescheitert. Somit muss sich das Gericht mit der Forderung der Vermarktungsagentur auseinandersetzen, dass der SVB Provisionen in Höhe von 170 000 Euro zu zahlen habe. Am 31. Januar teilt das Gericht mit, ob es ein Urteil gibt oder weiterverhandelt wird.

Die Sportsman Group beruft sich in ihrer Klage auf einen Vertrag, der im Herbst 2011 mit dem damaligen Fußball-Drittligisten geschlossen wurde. Unter Verantwortung des damaligen SVB-Geschäftsführers Klaus Brüggemann waren die Münchner Vermarktungsexperten auf Provisonsbasis engagiert worden, um u.a. professionelle Vermarktungs- und Marketingstrukturen zu schaffen sowie Sponsoren zu gewinnen. Das für Babelsberg konzipierte Modell war auf eine zehnjährige Vertragslaufzeit angelegt. Der Vereinbarung zufolge sollte die Sportsman Group auch für Sponsorenverträge eine Provision kassieren, die sie nicht selbst abgeschlossen hat. Sowohl Laufzeit als auch Inhalt des Vertrages wurde seitens der Sportsman Group wiederholt als branchenüblich bezeichnet.

Der seit Mai 2013 agierende SVB-Vorstand unter Führung von Archibald Horlitz sieht das anders: Eine der ersten Amtshandlungen der neuen Vereinsführung war es, den Vertrag mit den Münchnern zu kündigen. „Wir halten die Vereinbarung für sittenwidrig und werten ihn als einseitige Übervorteilung“, sagt Götz Schulze, Vize-Vorstandschef des SVB und Rechtsprofessor an der Universität Potsdam. Zudem sei der Vertrag nicht rechtens zustande gekommen, weil er ohne Zustimmung wichtiger Vereinsgremien wie dem Aufsichtsrat geschlossen worden sei.

Nachdem eine Anpassung des Vertrages sowie eine außergerichtliche Klärung mit dem aktuellen SVB-Vorstand gescheitert ist, hat die Sportsman Group wie in den PNN angekündigt Klage eingereicht. Zunächst entscheidet die Kammer in einer ersten Stufe über einen Auskunftsanspruch, den die Vermarktungagentur erhoben hat. Der SVB soll auflisten, welche Sponsorenbeträge er eingenommen hat, während die Sportsman Group für den Verein tätig war.

Ob dies Thema für den zum 31. Januar anberaumten Verkündungstermin in München wird, ist offen. „Wird der Auskunftsanspruch der Sportsman Group anerkannt, wird in einer zweiten Stufe über die geforderten Provisionen verhandelt“, sagte Schulze. Dabei werde auch geprüft, ob es nur um Provisionszahlungen für Sponsorenverträge über Geldleistungen geht. Dem Vernehmen nach erheben die Münchner auch Provisionsansprüche auf sogenannte Bartergeschäfte, umgangssprachlich: Tauschhandel. Dabei werden Sachleistungen verabredet, ohne dass Geld fließt.

Auch der SV Babelsberg 03 hatte laut Schulze solche Verträge geschlossen, aber nicht in jedem Fall eine Leistung beansprucht. Zu klären sei, ob eine von der Sportsman Group geforderte Provision allein aufgrund dieses Vertragsabschlusses oder nur im Fall einer tatsächlich erbrachten Leistung zu zahlen wäre. Das könmnte das Gericht entscheiden.

SVB-Vize-Vorstand Schulze sieht den Verein in dem Rechtsstreit „ganz gut“ aufgestellt. Vertreten wird er vor Gericht durch eine Potsdamer Kanzlei. „Natürlich kann uns die Sportman Group vorhalten, dass es unser Problem ist, wenn wir einem schlechten Vertrag zustimmen“, sagt Schulze. „Aber wir halten den Vertrag nicht für schlecht, sondern sittenwidrig“, betont er. Doch es sei schwierig zu prognostizieren, wie das Gericht entscheide.

Ein Urteil gegen den SVB würde ein erhebliches Loch in den ohnehin geringen Etat reißen. Dieser liege laut SVB-Präsident Archibald Horlitz bei 1,6 Millionen Euro. „Am ursprünglichen Ansatz hat sich nichts geändert“, präzisierte er seine jüngsten Aussagen in den Medien, bei denen er das Budget für den reinen Spiel- und Trainingsbetrieb aller Mannschaften auf 1,2 Millionen Euro beziffert hatte. „Hinzu kommen noch die 400 000 Euro der Stadt für den Stadionbetrieb“, sagte Horlitz.

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