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  • 06.12.2013
  • von Michael Meyer

Abschiedsspiel – oder doch nicht?

von Michael Meyer

Nicht zu halten. Babelsbergs Süleyman Koc (links) im Zweikampf mit Sebastian Seifert vom 1. FC Lok. Am Sonntag werden beide Spieler erneut aufeinandertreffen – wenn die Partie in Leipzig ausgetragen werden kann. Foto: Jan Kuppert

Süleymann Koc steht vor dem Wechsel nach Paderborn und will vorher bei Lok Leipzig noch mal mit dem SV Babelsberg 03 punkten, bei dem seit dieser Woche auch sein jüngerer Bruder Sedat trainiert

„Ich bin ein bisschen abergläubisch“, sagt Süleyman Koc selbst über sich. Deshalb will der Torjäger des Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03 auch noch nicht definitiv von seiner Abschiedspartie für die Nulldreier sprechen. Am Sonntag um 13.30 Uhr bestreitet der SVB bei Lok Leipzig sein letztes Punktspiel in diesem Jahr – und nach Lage der Dinge wird Koc anschließend zum SC Paderborn in die Zweite Liga wechseln. Am gestrigen Donnerstag hatte der 24-Jährige, der derzeit im offenen Vollzug eine Haftstrafe wegen der Beteiligung an mehreren Raubüberfällen auf Berliner Automatencasinos verbüßt, vor dem Landgericht Moabit noch eine Anhörung zu seiner eventuellen vorzeitigen Haftentlassung. „Nun muss ich abwarten, wie der Richter in den nächsten Tagen entscheidet. Aber ich habe ein gutes Gefühl“, so „Sülo“ Koc. Nur wenn er frei kommt, kann er in der Winterpause nach Paderborn wechseln. „Ob ich jetzt in Leipzig mein letztes Spiel für Babelsberg oder mein letztes Spiel in diesem Jahr für Babelsberg bestreite, kann und will ich deshalb noch nicht sagen“, erklärt er.

Unabhängig davon will Süleyman Koc auch am Sonntag im ersten Rückrunden- Spiel der Meisterschaft wieder ordentlich Gas geben. „Lok steht zwar am Tabellenende, ist aber zu Hause ein richtig ekliger Gegner, gegen den wir alles abrufen müssen, was uns in den ersten Spielen zum Erfolg half“, meint der Außenstürmer. „Leipzig ist schlagbar – wir sind es aber auch. Das kann eine ganz enge Kiste werden.“ Nulldrei müsse kämpferisch und mit hoher Laufbereitschaft in die Partie gehen. „Wir müssen von Anfang an hellwach sein, dürfen in der Defensive nicht rumeiern und müssen vorn treffen“, sagt der Deutsch-Türke, der beim 1:0-Heimsieg im Hinspiel gegen Lok das erste seiner mittlerweile acht Saisontore erzielte. „Natürlich freue ich mich, wenn ich treffe, aber wichtiger ist, dass Babelsberg gewinnt. Daher waren meine Tore gegen Leipzig und beim 1:1 bei Union Berlin II wichtiger als die jeweils zwei gegen Nordhausen und Meuselwitz, weil wir diese Spiele trotzdem verloren haben.“

Nun hofft Koc, dass der Tabellen- Neunte SVB nach zuletzt zwei Niederlagen gegen Hertha BSC II und den ZFC Meuselwitz beim Schlusslicht Leipzig wieder in die Erfolgsspur zurückfindet. Offen ist allerdings noch, ob die Partie am Sonntag im Bruno-Plache-Stadion überhaupt angepfiffen werden kann. „Wir werden erst einmal den Sturm und die weitere Wetterentwicklung abwarten. Möglicherweise muss am Samstag die Platzkommission entscheiden“, erklärt dazu Lok-Geschäftsführer Tom Franke, dessen Klub bereits das Heimspiel am vergangenen Sonntag gegen Hertha BSC II witterungsbedingt abgesagt hatte.

Cem Efe hofft darauf, dass die Partie stattfindet. „Wir wollen versuchen, mit Sülo noch mal was mitzunehmen. Leipzig wird alles in die Waagschale werfen, aber wir wollen mindestens einen Punkt holen“, sagt Babelsbergs Cheftrainer, der bis auf die noch verletzten Julian Prochnow und Dominic Feber alle Kicker für das letzte Spiel des Jahres zur Verfügung hat. Auch Maximilian Zimmer, der zuletzt an einer Fußnagelbettentzündung laborierte, steht nach Lage der Dinge der SVB- Abwehr zur Verfügung.

„Ohne Sülo wird es noch schwerer für uns werden“, glaubt Efe, der in diesen Tagen einen weiteren Koc unter seinen Fittichen hat: Süleymans jüngerer Bruder Sedat Koc, der an den eingangs erwähnten Raubüberfällen mitbeteiligt war, hat seine Jugendstrafe inzwischen verbüßt und trainiert seit Wochenmitte am Babelsberger Park mit. „Sedat ist ein Super-Linksfuß und kann bei Cem Efe viel lernen“, sagt der ältere Bruder. „Er muss aber erst einmal fit werden, denn er hat sechs Jahre kein Mannschaftstraining gehabt.“ Denkbar wäre, dass der 23 Jahre alte Sedat für den SVB II geholt wird. „Er war“, so Efe, „in der Jugend ein sehr guter Mittelfeldspieler.“ Und Süleyman Koc glaubt, Babelsberg 03 wäre „ein Superverein für die Resozialisierung“. Der schnelle Flügelflitzer, der 2010 von Türkiyemspor Berlin zu Nulldrei gekommen war, hat dies am eigenen Leib erfahren, als ihm nach seiner Verurteilung Ende 2011 zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis der SVB 03 eine weitere Chance und im Sommer 2012 einen neuen Vertrag gab. So konnte er für die zweite Liga interessant werden. Daher schwingt jetzt auch ein bisschen Wehmut mit, wenn Süleyman Koc über seinen sicher scheinenden Abschied aus Babelsberg spricht.

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