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  • 05.08.2013
  • von Michael Meyer

Der Unterschied hieß Koc

von Michael Meyer

War nicht zu halten. Süleyman Koc (links), der sich hier gegen Leipzigs Marcel Trojandt durchsetzt, schoss Babelsberg 03 zum Regionalliga-Auftaktsieg gegen den 1. FC Lok. Foto: Thomas

Fußball-Regionalligist SV Babelsberg 03 gewann sein Auftaktspiel gegen den 1. FC Lok Leipzig daheim 1:0

Er lief und trickste und wirbelte mal links, mal rechts, suchte immer wieder den Weg zum Tor und bescherte dem SV Babelsberg 03 mit seinem Treffer zum 1:0 (1:0)-Heimsieg über den 1. FC Lok Leipzig am Samstag den erhofften guten Auftakt. Süleyman Koc war vor 3019 Zuschauern der auffälligste Spieler beim offiziellen Saisoneröffnungsspiel der Fußball-Regionalliga Nordost im Karl-Liebknecht- Stadion und bescherte dem Drittliga-Absteiger mit einem tollen Tor die ersten drei Punkte in der vierten Liga. Der Deutsch- Türke dribbelte in der 28. Spielminute nach Zuspiel Christopher Blazynskis von halblinks vor den Strafraum, tanzte dort die beiden Leipziger Kevin Kittler und Raik Hildebrandt aus und netzte mit rechts flach ins linke Eck ein. „Koc hat heute den Unterschied gemacht“, meinte Lok-Trainer Carsten Hänsel nach der Partie, und auch Babelsbergs Coach Cem Efe lobte den 24-Jährigen: „Sülo war heute der Schlüssel zum Erfolg.“

Die neue Babelsberger Mannschaft – in der mit Koc, Severin Mihm, Lucas Albrecht und Julian Prochnow, der erstmals von der Sechs in die Innenverteidigung rutschte, nur vier Spieler aus dem letztjährigen Team standen – begann bei großer sommerlicher Hitze noch leicht nervös, fand sich dann aber bald. Heiko Schwarz prüfte nach tollem Koc-Zuspiel erstmals Leipzigs Schlussmann Steven Braunsdorf (12.), der nach einem 35-Meter-Freistoß Blazynskis auch Albrechts Kopfball parierte (18.). Glück hatte Nulldrei, als Marcel Trojandts Schuss von links nur an den rechten Torpfosten ging (26.), praktisch im Gegenzug besorgte dann Koc die Babelsberger Führung. Die hätte schon in Halbzeit eins weiter ausgebaut werden können, doch Albrecht agierte zu umständlich (39.), Blazynski jagte die Kugel über die Querlatte (45.).

Nach dem Seitenwechsel vergaben Koc (50., 58.), Blazynski (53.), Maximilian Zimmer (54., 64.), der für den verletzten Albrecht gekommene Kai Druschky (62.) und Prochnow (66.) weitere Chancen, ehe Schiedsrichter Steffen Hösel (Magdeburg) die Partie für acht Minuten unterbrach, weil einige Lok-Zuschauer den Platz gestürmt hatten (67.). „Bei einem weiteren solchen Zwischenfall wäre das Spiel abgebrochen worden“, erklärte später Wilfried Riemer, Leiter Spielbetrieb des Nordostdeutschen Fußballverbandes. Die Unterbrechung der Partie bremste Babelsbergs Schwung und ließ Lok noch einmal Morgenluft wittern. Die Leipziger drückten nun, doch SVB-Keeper Marvin Gladrow reagierte glänzend gegen Franz Bochmann (72.), Steve Rolleder köpfte nach einem Gäste-Eckball knapp vorbei (87.), Markus Krug verzog vorm Nulldrei-Kasten (88). Auf der Gegenseite hätte Schwarz den Deckel auf den Topf machen können; er köpfte nach einer Flanke Daniel Beckers aber aus Nahdistanz vorbei (75.).

„Hätten wir in der zweiten Halbzeit einige unserer Riesenchancen genutzt, hätten wir nicht bis zuletzt zittern müssen“, sagte Babelsbergs Mannschaftskapitän Christopher Blazynski nach dem Abpfiff. „Es war kein schönes Spiel, aber der Sieg war angesichts unseres hohen Einsatzes verdient. Die drei Punkte heute waren wichtig, damit wir in Ruhe weiterarbeiten können.“ Viel Ruhe hat der SVB in dieser Woche jedoch nicht, denn schon am Mittwoch steht im Landespokal das Spiel beim FSV Brieske-Senftenberg auf dem Programm.

Süleyman Koc hatte die letzten zehn Minuten gegen Lok von der Bank aus verfolgt, da er wegen leichter Beschwerden ausgewechselt wurde. „Das Tor freut mich, aber es war heute mehr drin. Wir sind schwer ins Spiel gekommen, haben uns aber als Mannschaft zusammengerauft, und wenn wir die anderen Spiele auch so angehen, werden wir einiges erreichen können“, erklärte der Stürmer, an dem Zweitligist SC Paderborn Interesse hat. Gehen kann Koc – der wegen der Beteiligung an Spielcasino-Überfällen eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten derzeit im offenen Vollzug verbüßt – aber erst, wenn seine Reststrafe auf Bewährung ausgesetzt wird. Dieses Verfahren läuft derzeit. „Viele denken: Er wird in die zweite Liga wechseln und deshalb hochnäsig spielen. Das ist aber nicht mein Charakter“, so Koc. „Ich werde immer hundert Prozent geben, was ich kann. Das war heute erst mal ein guter Auftakt und ein wichtiger Sieg. Wir müssen so weitermachen – und dann heißt es abwarten.“

Babelsberg: Gladrow; Zimmer, Rode, Prochnow, Mihm; Blazynski (72. Fuster), Sindik; Schwarz, Becker, Koc (80. Soine); Albrecht (57. Druschky).

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