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SV Babelsberg 03

  • 13.05.2013
  • von Ingmar Höfgen

SV Babelsberg 03: Hoffen und Rechnen

von Ingmar Höfgen

Der Potsdamer Fußball-Drittligist ist so gut wie abgestiegen. Vereinsvorstand Archibald Horlitz will die Finanzen konsolidieren und stellt den Spielern frei, ob sie weiter für Babelsberg spielen.

Matthias Kühne und Lucas Albrecht zog es gleich in den Spielertunnel, viele andere Babelsberger Spieler gingen trotz der „Absteiger, Absteiger“-Rufe zu den Fans. Nach dem blamablen 0:4 (0:1) gegen Wacker Burghausen am vorletzten Spieltag ist Fußball-Drittligist SV Babelsberg 03 in akuter Abstiegsgefahr. Aus eigener Kraft können die Potsdamer die Liga nach drei Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit nicht mehr halten. Am kommenden Samstag bei Preußen Münster könnte mit viel Glück ein Unentschieden reichen, um doch noch den Abstiegsplatz zu verlassen. Andererseits bedeutet auch ein Sieg in Westfalen keine Garantie für den Klassenerhalt. Münster seinerseits könnte mit einem Sieg noch auf Platz drei vorrücken und um den Zweitliga-Aufstieg mitspielen.

Indes ist nicht ausgeschlossen, dass wirtschaftliche Gründe die Abstiegsfrage entscheiden. Neben den Offenbacher Kickers kämpft auch Wacker Burghausen um die Erfüllung der Lizenzauflagen und will Spieler zum Gehaltsverzicht überreden, teilte der Verein am Samstag mit. Zuvor hatte die Niederlage im Landespokalfinale ein Loch von 150 000 Euro im Burghausener Etat gerissen. „Die Lizenz war vor dem Spiel in Gefahr und sie ist jetzt noch viel stärker in Gefahr“, wird Burghausens Aufsichtsratsmitglied Reinhard Frauscher von der Passauer Neuen Presse zitiert.

Unabhängig von der sportlichen Entwicklung sieht Nulldrei-Vorstandsvorsitzender Archibald Horlitz die Notwendigkeit eines sportlichen und finanziellen Neuanfangs. Dieser sei nötig, unabhängig von der Ligazugehörigkeit, betonte Horlitz gegenüber den PNN. „Wie es bisher gelaufen iust, geht es nicht weiter“, sagte Horlitz. Von den Fußballern erwartet er, dass „sie die Option Münster wahrnehmen“ und nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Für ihn ist es eine Frage der Einstellung, nicht wirklich der sportlichen Qualität. „Ich behaupte, dass wir in Münster gewinnen“, so der Vorstandsvorsitzende mit Blick auf die Westfalen, die 0:3 in Unterhaching verloren – gegen eben jene Truppe, die der SVB vor Wochenfrist mit 3:1 besiegt hatte.

Der Verein plant dabei für die Zukunft schon seit mehreren Wochen mehrgleisig. Sowohl für den Klassenerhalt als auch für die vierte Liga wird mit Sponsoren und Spielern gesprochen. In der vierten Liga wäre dabei noch zu unterscheiden, ob um den Wiederaufstieg mitgespielt werden soll – dafür sieht Horlitz einen Finanzbedarf ähnlich dem der dritten Liga.

So oder so stehe die finanzielle Konsolidierung an. Man könne die Genussscheine in Höhe von 1,3 Millionen Euro bis zu einem gewissen Punkt als Eigenkapital betrachten – oder auch als Schulden, die „alles zusammengerechnet zwei bis drei Millionen Euro“ betragen. Darunter ist auch ein Kredit der Deutschen Kreditbank DKB, den der Verein seit seinem Insolvenzverfahren 2003 mit sich herumschleppt und der nach Vereinsangaben derzeit noch rund 800 000 Euro beträgt. Trotz des im vergangenen Jahres angewachsenen Schuldenstandes ist Horlitz optimistisch: „Wenn gearbeitet wird, ist der Verein in einem Jahr wieder flott zu kriegen“, ist sich Horlitz sicher. Dazu will er auch zunehmend auf Spieler setzen, die einen Bezug zur Region haben, und die Nachwuchsarbeit wieder verbessern.

Welche Spieler in der neuen Saison noch zur Verfügung stehen, ist seit dem gestrigen Sonntag ungewisser denn je. Wie Horlitz sagte, habe er den Spielern bei einem Treffen freigestellt, ob sie weiter in Babelsberg spielen. Wer weg wolle, „bekommt von mir jederzeit die Möglichkeit, sich einen anderen Verein zu suchen“. Junge Spieler sollen mit diesem weitreichenden Angebot vor Loyalitätskonflikten bewahrt werden. Damit reagiert Horlitz nach eigener Aussage auf Spielervermittler, die drei Nulldrei-Akteure angerufen hätten, um ihnen gegenüber ein Interesse der Münsteraner zu behaupten.

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