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  • 19.04.2013
  • von Peter Könnicke

Neue Marschrichtung: Aus dem Abseits in die Offensive

von Peter Könnicke

Der neue starke Mann beim SV Babelsberg 03. Archibald Horlitz wurde am Mittwochabend von den Vereinsmitgliedern erneut in den Aufsichtsrat des Fußball-Drittligisten gewählt und gilt als heißer Anwärter für den Posten des neuen Vorstandsvorsitzenden. Foto: Jan Kuppert

Einmal mehr wird beim SV Babelsberg 03 Aufbruchstimmung verbreitet. Das Lied vom Neuanfang hat einen längst bekannten Text – und neue Interpreten

Einmal mehr wurden am Mittwochabend beim Fußball-Drittligisten SV Babelsberg 03 ein Neuanfang und ein Ende von Querelen und Zwietracht beschworen. Die Versammlung mit rund 200 SVB-Mitgliedern, auf der ein neuer Aufsichtsrat gewählt wurde, war zugleich eine Abrechnung mit der jüngsten Vergangenheit des Vereins: Ränkespiele, Rücktritte, Beurlaubungen, Rechtsstreite, Profilierungssüchte, Kampagnen und Intrigen sowie eine sportliche Talfahrt hatten den Vereins ins Chaos gestürzt.

Das jüngste und für viele hoffentlich letzte Spiegelbild dieser Entwicklung lieferte das Manöver der beiden Ex-Vorstände Karina Dörschel und Immo von Fallois: Sie instrumentalisierten eine mögliche Reaktivierung des durchaus beliebten, vor einem Jahr überraschend beurlaubten Trainers Dietmar Demuth, um den Zuspruch der Mitglieder für ihre Führungsambitionen und ein neues Vereinskonzept zu gewinnen. Das Kalkül ging nicht auf: Die Mitglieder verweigerten sich dem sogenannten „Babelsberger Weg“ und zeigten Dörschel und von Fallois die Rote Karte, indem sie mit dem Entzug der Mitgliedschaft drohten.

Wie kontrovers es hinter den Kulissen des Vereins in den letzten Monaten zuging, offenbarten ehemalige Mitglieder des Vorstandes und Aufsichtsrates. „Das war nur noch frustrierend“, bilanzierte Ex-Vorstand Jens Lüscher. Die Vorstandsarbeit sei von zwei Strömungen geprägt gewesen: Während eine Seite die Marke des SVB als Subkultur im deutschen Fußball pflegen wollte, strebte die andere einen „gesichtslosen Verein á la Charlottenburg an“, so Lüscher. „Ich habe erlebt, dass ein Aufsichtsrat auch verhindern muss, wenn einige Leute versuchen, den Verein für sich zu vereinnahmen“, sagte Christian Lippold. Sein Aufsichtsratskollege Steve Müller bekannte, dass er unter den „subtilen Drohungen“ und „Manipulationen“ von Vorstandsmitgliedern gelitten habe.

Den „Deckel drauf machen“ wünschte sich das langjährige SVB-Mitglied Rainer Nitzsche bei seiner – erfolgreichen – Bewerbungsrede für den Aufsichtsrat. Die Entlastung des alten Vorstandes für das Jahr 2012, die zahlreichen Mitglieder nicht leicht fiel, soll daher auch ein Zeichen des Burgfriedens sein: „Ich setze die stillschweigende Erklärung voraus, dass der Verein nicht weiter gestört wird“, sagte Horlitz in Richtung von Ex-Vorstand Frank Walter-von Gierke, dessen rechtlicher Einwand überhaupt erst zu der Mitgliederversammlung geführt hatte, nachdem er Fehler in der Vereinssatzung moniert hatte.

Mit der Wahl des neuen neunköpfigen Aufsichtsrats ist nun der Weg geebnet, um einen neuen Vereinsvorstand zu bestimmen. Das soll laut Horlitz in den kommenden Tagen geschehen. Der 54-jährige Unternehmer gilt als möglicher neuer SVB-Präsident, nachdem er selbst betonte, dass auch Aufsichtsratsmitglieder in den Vorstand rücken können. Zudem hat der bisherige Vorstandschef Dieter Wiedemann seine Rückkehr in das Gremium ausgeschlossen.

Zumindest die Mitgliederversammlung war reich an Sympathiebekundungen für Horlitz, der mit den meisten Stimmen in den Aufsichtsrat gewählt wurde und mit dem zweiten Notvorstand Götz Schulze Beifall für die geleistete Arbeit bekam. Zudem stießen Holitz’ Kritik an „vereinsschädigendem Verhalten“ einiger Akteure sowie sein Plädoyer für mehr Transparenz und Mitbestimmung der Mitglieder auf ein breites Echo. Anschläge auf den Verein, wie Horlitz den missglückten Demuth-Schachzug nannte, dürfe es nicht mehr geben.

Demuth indes schien am Tag nach dem mit ihm inszenierten Presseauftritt mit der „Sensationsmeldung“ seines Comebacks erkannt zu haben, dass er „benutzt“ wurde, wie es Horlitz formulierte. Eine Verunsicherung der Mannschaft und Irritationen des Vereinsumfeldes seien nicht seine Absicht gewesen, ließ Demuth wissen. Wenn es eine konstruktive Basis gibt, sei er bereit, den Verein im Abstiegskampf zu unterstützen. Indes ließ Horlitz keinen Zweifel daran, mit Interimscoach Almedin Civa die Saison beenden zu wollen – möglicherweise unterstützt durch Linzenstrainer Demuth.

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