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  • 09.04.2013
  • von Henner Mallwitz

Macher und Abgestempelte: Der Ball ist bunt beim SV Babelsberg 03

von Henner Mallwitz

Karl Liebknecht als Aushängeschild. Die Nordkurven-Fans des SVB 03 – hier im Landespokalspiel bei Stahl Brandenburg – positionieren sich politisch sehr stark. Das stößt bei anderen Anhängern nicht unbedingt auf Verständnis. Foto: Jan Kuppert

Die Fanszene des SV Babelsberg 03 ist gemischt. Linkes und alternatives Gedankengut dominiert, wird aber nicht von allen Fans getragen

So wie sich die Fanszene des SV Babelsberg 03 etwas unterschiedlich gestaltet, so gingen auch die Meinungen über die Entlassung von Christian Benbennek als Cheftrainer auseinander. Da wurde ge- twittert und auf Facebook gepostet. Manch einer wünschte sich den geschassten Dietmar Demuth zurück, andere zweifelten an, ob ein Notvorstand überhaupt die Rechte zu solch einem Schritt hat und die nächsten fanden die Entlassung Benbenneks wiederum als überfällig.

So auch Maik Dudzak vom Fanbeirat des SVB 03. „Spätestens nach dem Spiel am Samstag gegen Osnabrück war mir klar, dass endlich gehandelt werden muss“, sagt er. „Ich bin zwar kein Freund von Trainerentlassungen, aber was die Mannschaft dort und in den vergangenen Spielen bot, war ja nahezu unterirdisch. Ich habe ein völlig inhaltloses Spiel gesehen, aus dem wir zum Glück noch einen Punkt retten konnten. Wenn nun Almedin Civa die Sache übernimmt, ist das bestimmt eine gute Lösung. Er ist eine Größe am Babelsberger Park.“

Im Fanbeirat des SVB sitzen insgesamt sieben Vertreter – fünf aus der Nordkurve und der Gegengeraden und zwei aus dem „Ostblock“. „Differenzen sind da“, gibt Dudzak zu. Aber der Beirat hat andere Aufgaben zu lösen. Da geht es um anstehende Probleme am Spieltag, um die Zusammenarbeit mit den Ordnern und der Polizei. „Letztlich bleiben aber zwei Stimmungsblöcke im Karl-Liebknecht-Stadion“, sagt Dudzak. „Aber das gesellschaftliche Engagement eint uns wiederum.“

Die unbestritten größte Macht im „Karli“ ist die Nordkurve, die sich aus linksorientierten und alternativ denkenden Anhängern zusammensetzt. Da schwebt das Konterfei des 1919 ermordeten Marxisten und Antimilitaristen Karl Liebknecht über dem Fanblock, politische Parolen und Plakate bestimmen allzu oft die Szenerie oder – wie zuletzt gegen Kickers Offenbach – eine Fahne mit dem Bild eines vermummten Demonstranten wird geschwenkt. Die Nordkurve sorgt für Stimmung im „Karli“, auch wenn sie sich oft gegen die benachbarte Seite der gegnerischen Fans beinahe leise ausnimmt. Von den Pyrotechnik-Aktionen haben sich die Fans inzwischen ein wenig verabschiedet. Pro Heimspiel kamen mehrere Tausend Euro an Strafe auf den Verein zu.

Unbestritten ist, dass die Anhänger der Nordkurve das Bild des SV Babelsberg 03 prägen. Einerseits sorgen sie für den akustischen Support bei Heim- und Auswärtsspielen, organisieren sogar Testspiele wie zuletzt gegen Partizan Minsk, veranstalten seit Jahren die Auswärtsfahrten, pflegen die Homepage des Vereins, übernehmen den Liveticker, betreiben das Fanradio und erstellen nicht zuletzt das durchaus sehens- und lesenswerte Stadionheft, das in diesem Jahr abermals beste Chancen auf die Auszeichnung als „Bestes Stadionheft der Dritten Liga“ hat.

„Wir wollen jedem respektvoll gegenübertreten. Wer das nicht tut, hat beim SVB nichts verloren“, sagt René Kulke, der stets als „Anheizer“ mit dem Megafon aktiv ist und seit Jahren die Auswärtsfahrten organisiert. „Rassismus, Homophobie und rechtes Gedankengut haben bei uns nichts zu suchen“, so der Sozialarbeiter. „Dass beispielsweise dunkelhäutige Spieler wie in Halle oder Chemnitz mit Bananen beworfen werden, ist bei uns undenkbar. Für einen ostdeutschen Verein sind wir schon etwas sehr Besonderes.“

Und: Gerade die Fans aus der Nordkurve bringen sich immer wieder ein, wenn es um die Vereinsbelange geht. Unvergessen bleibt da die Aktion im Mai 2011, als der Verein vor dem Aus stand. Zahlreiche Aktionen wurden da auf die Beine gestellt, Geld wurde gesammelt, manch einer kettete sich aus Protest ans Geländer der Geschäftsstelle – und all das trug seinen Teil zur Rettung bei.

Aber die linke Ausrichtung des Vereins stößt nicht bei allen Fans auf offene Ohren. Die „Eck-Crew“ hat sich beispielsweise ebenso wie manch andere Fangruppierungen von der Nordkurve losgesagt. Seit 2003 gibt es die 22-köpfige Gruppe, die ihren Platz an der linken Seite der Osttribüne hat. „Wir haben uns letztlich wegen der politischen Hintergründe getrennt“, sagt Desire Ranich. „Unserer Meinung nach hat Politik im Stadion nichts zu suchen. Wir hören zum Beispiel gern Musik von ,Freiwild’ und werden in der Nordkurve allein dadurch sofort in die rechte Ecke gestellt. Und wenn beim Pokalspiel in Luckenwalde ein Siebenjähriger mit ’nem Freiwild-Shirt des Blockes verwiesen wird, hört der Spaß auf.“ Der Eck- Crew, so Ranich, gehe es allein darum, den SVB zu unterstützen: „Wir sind für einen Verein ohne politische Ausrichtung.“

Das wünscht sich auch so manch ein Zuschauer auf der Sitzplatztribüne. Einer von denen ist Bertold Jansen. Der 70-Jährige besucht nahezu jedes Heimspiel und verfolgt den Fußball am Babelsberger Park bereits seit Jahrzehnten. „Als alter Potsdamer brenne ich für den Verein mit Leib und Seele“, sagt er und schwärmt dabei auch von längst vergangenen Zeiten. Von den 50er- und 60er-Jahren beispielsweise, als das Stadion immer voll war und so mancher Fan auf einen Baum kletterte, um das Spiel zu verfolgen. „Gegen Offenbach waren knapp über 2000 Leute da. Das ist für mich nicht nachzuvollziehen.“ Und Jansen hat dafür auch eine Erklärung. „Wenn Sowjetfahnen gehisst werden und sich die politische Schiene über den Sport stellt, vergrault das viele. Ich wünsche mir einen SVB, der wieder ein Aushängeschild für meine Stadt ist.“

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