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  • 28.03.2013
  • von Michael Meyer

Torflaute, Befreiungsschläge und ein noch nicht gemeisterter Abstiegskampf

von Michael Meyer

Um aus dem Tabellenkeller der 3. Liga zu kommen, müssen Babelsbergs Kicker besser treffen – am besten schon am Samstag in Saarbrücken

Bei einem ersten Blick auf die aktuelle Tabelle kann einem himmelangst werden um den SV Babelsberg 03 – als 18. steht der Fußball-Drittligist derzeit auf einem Abstiegsplatz. Ein zweiter Blick allerdings verrät, dass die Nulldreier noch drei Punktspiele nachzuholen haben und mit drei Siegen gegen Hansa Rostock, Borussia Dortmund II und den VfB Stuttgart II aus eigener Kraft aus dem Abstiegskeller klettern können.

Mit dem Siegen ist es beim SVB allerdings so eine Sache – die Babelsberger gewannen in dieser Saison erst sieben ihrer bisher 27 Spiele, und das 2:1 zuletzt vor knapp drei Wochen beim Tabellennachbarn Alemannia Aachen war ihr überhaupt erster Sieg in diesem Kalenderjahr. Immerhin gelangen Nulldrei dabei mal wieder zwei Tore, so wie vorher erst viermal in der gesamten Saison. Natürlich bringen auch 1:0-Erfolge drei Punkte, aber das Toreschießen ist in diesem Spieljahr das große Manko des SVB 03. Er traf erst 21 Mal – so selten wie keine andere Mannschaft der ersten drei Ligen. Bester Torschütze ist mit Philipp Kreuels ein Mittelfeldspieler, der mit sechs Treffern auf Rang 24 der momentanen Torschützenliste steht. Von Babelsbergs nominell fünf Stürmern trafen dagegen drei – Markus Müller, Oliver Heil und Süleyman Koc – erst je einmal, die im Winter neu verpflichteten Lucas Albrecht und Moritz Göttel noch gar nicht. Vor allem über die magere Erfolgsquote Müllers, der in der vergangenen Saison zwölfmal getroffen hatte, herrscht Rätselraten beim Kiezverein und seinen Fans.

„Wir brauchen unbedingt Tore, um das Klassenziel zu erreichen“, unterstreicht auch Babelsbergs Chefcoach Christian Benbennek, der am kommenden Samstag mit seiner Mannschaft beim 1. FC Saarbrücken den dritten Auswärtssieg der Saison anstrebt. Für Benbennek war der Sieg in Aachen Gold wert, denn zuvor hatte sein Stuhl nach nur einem Punkt aus sechs Spielen bereits kräftig gewackelt. Nun sieht die Welt für den 40-Jährigen wieder etwas freundlicher aus, zumal ihm der neue Vereinsvorstand sein Vertrauen aussprach. „Der Trainer und die Mannschaft haben unsere volle Rückendeckung“, bestätigt SVB-Vizepräsident Immo von Fallois. Für Benbennek ist Babelsberg die erste Trainerstation im bezahlten Fußball, und der Niedersachse muss damit leben, dass seine Arbeit im Karl-Liebknecht-Stadion immer noch mit der seines erfahrenen Vorgängers Dietmar Demuth verglichen wird. Demuth war am 14. Mai vergangenen Jahres trotz eines bis 30. Juni 2013 gültigen Vertrags vom damaligen Vorstand überraschend beurlaubt worden, obwohl er das zweite Jahr in Folge die Klasse gehalten hatte – zuletzt mit einer Mannschaft, die im Frühsommer 2011 angesichts der damals drohenden Insolvenz mit zahlreichen Spielern aufgefüllt werden musste, die als nicht unbedingt drittliga-tauglich galten.

Benbennek begann die neue Saison mit einem erneut personell umgekrempelten Team, in dem zehn neue Spieler standen; ein Dutzend Kicker hatte bis dahin den Verein verlassen, darunter mit Dominik Stroh-Engel und Anton Makarenko zwei Offensivspieler, die mit 13 beziehungsweise sieben Treffern ausgesprochen torgefährlich waren. Die im vergangenen Sommer verpflichteten Frederic Löhe, Daniel Reiche, Assimiou Touré, Christian Essig und Oliver Heil hatten zuvor schon Erfahrungen in der 3. und teilweise auch 2. oder gar 1. Liga gesammelt, doch auch Philipp Kreuels, Oliver Kragl und Aaron Berzel fassten schnell Fuß in der für sie neuen Spielklasse. Das neue Nulldrei-Team durchlebte anfangs mit nur drei Punkten aus sieben Spielen eine ziemliche Durststrecke, ehe es mit einem überraschenden 1:0-Heimsieg über den favorisierten VfL Osnabrück einen ersten Befreiungsschlag landete. Das gelang auch später jeweils daheim gegen den derzeitigen Tabellenführer Karlsruher SC (0:0) und gegen den damaligen Tabellenzweiten Preußen Münster (1:0). Was zeigt, dass die Nulldreier durchaus in der Lage sind, gegen die in der Tabelle über ihnen stehenden Mannschaften zu punkten.

„Die Truppe hat durchaus das Potenzial für die Dritte Liga“, sagt Sebastian Rauch. Der 31-jährige Torwarttrainer und Keeper für den Notfall ist der letzte Ur-Babelsberger im Nulldrei-Team; er steht seit 1991 für den SVB auf und neben dem Platz. Und der letzte Spieler, der aus dem eigenen Nachwuchs hervorging, ist der 1999 zum SVB gekommene und 2006 aus Baunatal zurückgekehrte gebürtige Belziger Matthias Rudolph (30). Nun sollen in Babelsberg mit Hilfe Almedin Civas – SVB-Idol und neuer Nachwuchsleiter Sport – verstärkt Talente für die eigene 1. Mannschaft geformt werden. Ein Konzept, das noch Zeit braucht. Und Vorbilder, die auch künftig in der 3. Liga kicken.

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