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  • 23.03.2013
  • von Henner Mallwitz und Peter Könnicke

Streit beim SV Babelsberg 03: „Nicht auf Konfrontation aus“

von Henner Mallwitz und Peter Könnicke

Der Potsdamer Drittligist SV Babelsberg 03 kommt einfach nicht zur Ruhe. Jetzt greift der alte den kürzlich neu gewählten Vorstand an. Foto: dpa

Ex-Vorstand Frank Walter-von Gierke zweifelt Rechtmäßigkeit des Vorstands des SV Babelsberg 03 an – dieser wehrt sich ebenso wie die Fans gegen „unverantwortliches Verhalten“

Der Fußball-Drittligist SV Babelsberg 03 kommt nicht zur Ruhe. Neben der derzeit unbefriedigenden sportlichen Situation – die Mannschaft um Trainer Christian Benbennek steht mitten im Kampf um den Klassenerhalt – leidet der neue Vorstand unter mächtigen Unruhen. Denn: Es ist gut möglich, dass der Verein einen Notvorstand bekommt. Dies zumindest fordert Frank Walter-von Gierke. Einen Antrag darauf hatte der Anwalt in der vergangenen Woche beim Amtsgericht Potsdam gestellt. Zudem fordert er die „Feststellung der Nichtigkeit der Mitgliederversammlungen vom April 2012 und März 2013“.

Walter-von Gierke, der bislang im SVB-Vorstand war und im neuen Gremium keine Berücksichtigung fand, will den Verein aus einem, wie er sagt, „juristischen Koma“ holen und zweifelt die Rechtsmäßigkeit der Wahl des neuen Aufsichtsrats und des neuen Vorstands an. Seine Begründung: Eine Einladung zu den Mitgliederversammlungen in der vergangenen Woche und am 23. April vergangenen Jahres sei nicht über die regionale Presse erfolgt. „Es gab nur redaktionelle Hinweise in den Zeitungen. Doch das verstößt gegen die Satzung.“ Damit sei die im April erfolgte Wahl der Aufsichtsratsmitglieder nichtig. Der jetzige „Scheinvorstand“ hafte jedoch für alle seine Entscheidungen und sei dazu nicht berechtigt. „Ich will dem Verein nur helfen“, sagt Walter-von Gierke. Im Dezember vergangenen Jahres sagte von Gierke noch in einem Interview mit der Fußball-Woche auf die Frage, ob der Vorstand überhaupt handlungsfähig sei: „Ja, absolut. Im vereinsrechtlichen Sinn sind wir uneingeschränkt handlungsfähig.“

Und so legt der Vereinsvorstand auf seine Hilfe dann auch eher geringen Wert. „Der Vorstand setzt sich professionell mit der Klageschrift auseinander und prüft die Vorwürfe“, heißt es aus dem Führungsgremium. Die größte Verantwortung werde jetzt darin gesehen, Schaden vom Verein abzuwenden und die bisher erfolgreichen Bemühungen um eine verbesserte Außendarstellung und Wirtschaftlichkeit des SVB fortzusetzen. Dass mit der eingereichten Klage diese Bemühungen gestört werden würden, nannte die Vereinsspitze höchst bedauerlich. „Mit seinem unverantwortlichenVerhalten stellt sich Frank Walter-von Gierke außerhalb der Babelsberger Fan- und Mitgliedergemeinde. Aber die wird sich nicht kleinkriegen lassen,“ heißt es vom Vorstand: „Es geht um den Verein, nicht um das Rechtbehalten eines Einzelnen.“ Der Vorstand appelliert trotz der Auseinandersetzungen indes an die Vernunft aller Beteiligten, den eingeschlagenen Weg der Erneuerung konsequent fortzusetzen. „Wir sind insgesamt auf einem sehr guten Weg bei Sponsoren und der Stadt. Hierbei kann uns Frank Walter-von Gierke unterstützen.“

Rechtsprofessor Götz Schulze, Rechtsvorstand des SVB 03, ist sich mit dem Vorstand indes darüber einig, eine mögliche Konfrontation zu vermeiden. „Wir wollen nicht prozessieren, denn das wäre eine Niederlage für alle Beteiligten“, sagt er. „Wir strecken Herrn Walter-von Gierke die Hand aus und hoffen auf einen Weg der Einigung.“ Erst wenn dies zu keinem Erfolg führe, müsse ein Gericht über die Sache entscheiden. Bis dahin, so Schulze, handele der Verein absolut wirksam und rechtsmäßig. „Wir wollen uns den eigentlichen Themen widmen. Doch was hier passiert, hat ein Behinderungs- und kein konstruktives Ziel.“

Auch bei den Fans des Drittligisten stößt das Vorgehen gegen den neuen Vorstand auf großes Unverständnis. „Das Ganze wirkt sehr lächerlich“, sagt Maik Dudzak vom Fanbeirat. „Begründet ist die Sache bei Herrn Walter-von Gierke sicherlich in gekränktem Stolz, dass er jetzt nicht mehr im Vorstand sein darf. Wir Fans sind jedenfalls vollends zufrieden mit dem neuen Vorstand – seine Zusammensetzung ist ein Schritt nach vorn. Auf alle Fälle klingt alles viel optimistischer als mit dem alten Vorstand.“ Die Fans, so Dudzak, würden nun für den Vorstand hoffen, dass Ruhe einkehrt. Im Übrigen seien die Einladungen zu den Mitgliederversammlungen in den vergangenen Jahren immer auf die bewährte Art und Weise geschehen. „Da müssten ja alle getroffenen Entscheidungen der vergangenen Jahre anzuzweifeln sein. Höchste Zeit, diesen formalen Vereinsmist zu beenden.“

Die PNN starten am Dienstag kommender Woche eine Serie, die sich mit den Geschehnissen rund um den SV Babelsberg 03 befassen wird.

 

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