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SV Babelsberg 03

  • 12.03.2013
  • von Peter Könnicke

Konsequentes Ende eines Missverständnisses

von Peter Könnicke

Nach der Beurlaubung von Geschäftsführer Klaus Brüggemann fordert der Vorstand des Fußball-Drittligisten SV Babelsberg 03 mehr Professionalität

Babelsberg - Einen Tag nach der Trennung des Fußball-Drittligisten SV Babelsberg 03 (SVB) von seinem Manager Klaus Brüggemann will der Verein schnell an seinem Image arbeiten. „Alle müssen professioneller werden“, proklamiert Immo von Fallois, Vize-Chef des neuen Vorstands. Unter der Dauerfehde zwischen dem ungeliebten Geschäftsführer und der Anhängerschaft habe das Ansehen des Vereins, aber auch die Fan-Kultur gelitten.

Der Regiewechsel auf der Vorstandsetage sowie im SVB-Aufsichtsrat wird erst mit Brüggemanns Beurlaubung konsequent. Glaubte der neue Nulldrei-Präsident Dieter Wiedemann vor ein paar Tagen noch, Brüggemann als Sport-Fachmann in seinen Vorstand holen zu müssen, folgte am Sonntag die Abkehr: Zu kaputt war das Verhältnis zwischen Brüggemann und Fans, zu groß die Anfeindungen. Zuletzt gipfelte der Streit in Brüggemanns Verleumdungsklagen gegen zwei Fans, weil er sich im Internet des Betrugs und der Korruption bezichtigt sieht (PNN berichteten). Der Manager steht zu seinen rechtlichen Schritten: „Es geht auch um meine Reputation und berufliche Zukunft, da muss ich mich wehren“, sagt er. Dass er nicht immer der beste Diplomat sei, gibt er zu.

Das Kapitel Brüggemann beim SVB offenbart sich nach seinen eineinhalb Jahren als großes Missverständnis. „Hier riecht es nach Fußball“, frohlockte der Ex-Hertha-Funktionär zu Beginn seines Engagements am Babelsberger Park im Sommer 2011. Die Aufgabe war immens: Der SVB war unter anderem durch einen städtischen Zuschuss von 700 000 Euro gerade der Insolvenz entkommen, der damalige Trainer Dietmar Demuth zimmerte eine Not-Mannschaft, mit der er – für manche sensationell – den Klassenerhalt schaffte. Das Image des Vereins war nach Filz und Affären ramponiert. Aus dem Tiefstand betrachtet war die Erwartungshaltung hoch. Und Brüggemann, durchaus ein Mann der kühnen Worten, schürte Erwartungen: Er habe zwar keinen Zauberstab, wohl aber ein gutes Netzwerk, sagte er. Mit den richtigen Strukturen im Verein, so seine Überzeugung, würden sich auch Sponsoren gewinnen lassen. Für viele folgten den Ankündigungen nur wenig Taten; Brüggemann musste sich fortan daran messen lassen, einen Groß-Sponsor an den Babelsberger Park zu holen. Dass er durch seine Arbeit nach eigenem Bekunden 400 000 Euro für den SVB generierte, sei nie erwähnt worden, sagt Brüggemann. Wie groß sein Anteil an den – sehr wohl notwendigen – neuen sportlichen Strukturen ist, bleibt unerklärt. Zu schwer wiegt Brüggemanns vermeintlich größter Irrtum, den populären Demuth als Trainer zu feuern, nachdem der dem Verein in größter Not die Treue gehalten hatte. Nicht nur Fans in der Nordkurve sahen das als Affront: Demuth, einst Kiez- Trainer auf St. Pauli, galt als Kult – genauso wie viele auch den SVB sahen: lieber etwas Understatement als zu große Sprüche, besser „Stehplatz ermäßigt“ als teure Logen. Bloß keine „Herthanisierung“ forderten Fans und SVB-Mitglieder – womit das Feindbild nahezu zwangsläufig gezeichnet war: Ex-Hertha-Präsidiumsmitglied Brüggemann, in dessen Geschäftsstellen-Büro von Beginn an Argwohn und Skepsis einzogen.

Der 54-Jährige  und der inzwischen ausgewechselte Vorstand fanden indes nie das richtige Gespür für Babelsberg. Zudem, so Vize-Vorstand von Fallois, habe sich Brüggemann mit seinem Vertrag übernommen: „Sein Aufgabenbereich war viel zu umfangreich, die Erwartungen zu hoch.“ Im Fan-Disput sei für den neuen Vorstand zu erkennen gewesen, dass Brüggemann „der Situation und der Sache nicht mehr gewachsen war“. Dessen undiplomatisches Geschick und „Alleingänge“ seien zunehmend zur Belastung geworden. „Es war letztlich die Summe des Ganzen“, die laut von Fallois den Vorstand bewogen hat, sich von Brüggemann zu trennen. Die Zeichen standen offenbar ohnehin auf Abschied: Dem Vernehmen nach hätte es spätestens im Sommer den Schnitt gegeben. Doch ganz offensichtlich wollte der Vorstand vor der heutigen Mitgliederversammlung das Kapitel Brüggemann beenden, um Ruhe zu haben.

Angesichts der sportlichen Situation brauchte man neben dem Abstiegskampf auf dem Rasen nicht länger eine zweite Front. „Unser Hauptziel, den Klassenerhalt zu schaffen, das Image zu verbessern und den Verein wirtschaftlich zu konsolidieren, geriet aufgrund der strittigen Personalie immer wieder aus dem Fokus“, räumt von Fallois ein. Tatsächlich waren die Nordkurven-Fans beim vergangenen Heimspiel mehr mit „Brüggemann raus“-Rufen beschäftigt, als die Elf auf dem Rasen anzufeuern.

 

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