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  • 11.02.2013
  • von Thomas Düll

Kühnes Bärendienst

von Thomas Düll

Unglücksrabe und Torschütze. Babelsbergs Matthias Kühne (rechts) ermöglichte Halles 1:0 durch Nico Kanitz (links) und sah bald darauf die Rote Karte. Foto: Jan Kuppert

Babelsberger patzte beim Gegentor und sah Rot – Fußball-Drittligist SVB 03 verlor 0:1 beim Halleschen FC

Auf die letzte Anekdote dieses eh schon bitteren Spieltages hätte Christian Benbennek sicherlich verzichten können. Als der Coach des SV Babelsberg 03 nach der 0:1-Niederlage seiner Mannschaft am Samstag beim Halleschen FC auf den Beginn der Pressekonferenz und seinen Trainierkollegen Sven Köhler wartete, wandte er sich an den HFC-Vorstand Jörg Sitte: „Können wir loslegen?“ Der blickte kurz – Babelsbergs Coach nicht erkennend – über die Schulter und meinte trocken: „Na wenn die Trainer da sind…“ Benbennek drehte frustriert ab; auch die nachfolgende Entschuldigung Sittes konnte seine Stimmung nicht mehr erhellen.

Es war die dritte Niederlage in Folge für Potsdams Fußball-Drittligisten. Und in den Augen Benbenneks und seiner Spieler auch eine vermeidbare. „Das war ein Spiel“, so der Trainer, „in dem über 90 Minuten klar war, dass beide Mannschaften unbedingt gewinnen wollten.“ Babelsberg habe dabei aber den „einen Fehler mehr, den einen Fehler zu viel gemacht“.

Genau genommen waren es zwei Fehler, die zur Pleite an der Saale führten. Beim einzigen und entscheidenden Gegentor durch Nico Kanitz in der 30. Minute war es erst ein doppelter Abwehrfehler. Christian Groß, am Samstag als Rechtsverteidiger in Aktion, konnte Halles Daniel Ziebig nicht am Flanken hindern und in der Mitte kam Matthias Kühne zu spät – der Stolperschuss zappelte im Netz. Und auch den zweiten Fehler des Tages musste sich Unglücksrabe Kühne auf die Fahne schreiben. Eigentlich hatten die Babelsberger über große Strecken der Partie nämlich mehr vom Spiel. Bis zu Kanitz' Treffer waren die Gastgeber gar nicht ins Spiel gekommen, so dass sich die Nulldreier für die zweite Halbzeit eigentlich noch Hoffnungen machen durften.

Doch dann kam Kühne. Seinen Ballverlust kurz nach Wiederanpfiff an der Mittellinie schien der Linksverteidiger nicht verschmerzen zu können, und so rutschte Kühne aus vollem Lauf und vollkommen unnötig in seinen Gegner Sören Eismann rein. Schiedsrichter Markus Schmidt zögerte keine Sekunde und schickte den Übeltäter vom Platz. „Das war eine klare Rote Karte“, gab Kühne kleinlaut zu. „Ich hatte viel zu viel Schwung und es tut mir leid für meine Mannschaft. Ich habe ihr einen Bärendienst erwiesen.“ Auch Philipp Kreuels fand für die Aktion seines Mitspielers keine Erklärung: „Ich weiß nicht, was da in ihm vorging.“ Es war der bereits sechste Platzverweis des SVB in dieser Saison.

Fast hätten Kühnes Kollegen jedoch die Scharte wieder ausgewetzt. Die beiden auffälligsten Akteure, Süleyman Koc und Oliver Kragl, brachten den HFC wieder und wieder in Bedrängnis, konnten jedoch die Unsicherheiten des gegnerischen Torwarts Darko Horvat nicht nutzen. Die besten Möglichkeiten erarbeiteten sich jedoch die beiden Einwechslungen Moritz Göttel, der in der 75. Minute zu überhastet den heraus- und zurückeilenden Horvat nicht bestrafen konnte, und Christian Essig. Dessen Torschuss fünf Minuten vor Schluss blockte Eismann ab.

Benbennek musste zwar erneut ohne Punkte den Heimweg antreten. Was er jedoch von seiner Mannschaft gesehen hatte, nötigte ihm tiefen Respekt ab. „Wie viel die Spieler leisten“, sagte er, „wie viel Kampfkraft und Herz sie zeigen, vielleicht manchmal etwas ungestüm, aber das ist grandios. Deswegen bin ich mir sicher, dass wir die nötigen Punkte sammeln werden.“

Halles: Horvat; Eismann, Kojola, Ruprecht, Ziebig; Kanitz (58. Lindenhahn), Müller (74. Pichinot), Ziegenbein (88. Hauk), Hartmann, Mast; Furuholm.

Babelsberg: Löhe; Groß, Evljuskin, Reiche, Kühne; Hartmann (52. Essig), Prochnow (77. Kaplan); Koc, Kreuels, Kragl; Albrecht (46. Göttel).

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