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  • 04.02.2013
  • von Michael Meyer

In Unterzahl Moral bewiesen

von Michael Meyer

Frostiger Gang in die Kabine. Babelsbergs Trainer Christian Benbennek (links) haderte am Samstag mit den beiden Gelben Karten, die Schiedsrichter Tim Sönder (rechts) seinem Abwehrspieler Assimiou Toure gezeigt hatte. Foto: Jan Kuppert

Fußball-Drittligist SV Babelsberg 03 unterlag daheim dem 1. FC Heidenheim erst in der Schlussphase 2:4

Knapp 20 Minuten nach dem Schlusspfiff hatte sich Christian Benbennek am Samstag wieder so weit im Griff, ruhig und besonnen vor der Presse zu sprechen. Unmittelbar nach der 2:4 (1:2)-Heimniederlage des Fußball-Drittligisten SV Babelsberg 03 gegen den 1. FC Heidenheim hatte sich der Trainer beim Gang in die Kabinen noch lautstark bei Schiedsrichter Tim Sönder (Kiel) beschwert und anschließend vor der rbb-Kamera erklärt: „Es geht darum, wie man das Spiel leitet. Und wenn man wegen zweier Gelben Karten, die in meinen Augen beide ein Scherz waren, lange mit zehn Mann spielen muss, hat das nichts mit Profifußball zu tun!“

Was war passiert? Der favorisierte Tabellenfünfte Heidenheim war vor 1775 Zuschauern nach einem Eckball Marc Schnatterers von links, den Dennis Malura per Kopf vom langen rechten Pfosten in die linke Ecke wuchtete, in Führung gegangen (13.). Praktisch im Gegenzug hatte Philipp Kreuels beim Gewusel im FC-Strafraum flach mit links zum 1:1 eingenetzt (14.). Und kurz darauf hatte Assimiou Touré Gelb gesehen, nachdem er Malura mit hohem Bein gestoppt hatte (18.). Dann geschah es: Als sich Malura drei Minuten später in Höhe der Mittellinie nach einem erneuten Zweikampf mit Touré schreiend auf dem Rasen wälzte, schickte Sönder den ungläubig schauenden Babelsberger mit Gelb-Rot zum Duschen (21.). „Vielleicht kann man das erste Gelb akzeptieren, weil ich mit gestrecktem Bein hingehe. Das zweite Mal war es aber kein Gelb. Ich war beide Male erst am Ball, bevor ich den Gegenspieler berührte – ich kann mich doch nicht in Luft auflösen“, meinte Touré dazu. Malura zeigte später im Kabinengang eine blutende Stelle am Knie und ein Loch im rechten Stutzen. „Hier und hier hat er mich getroffen“, sagte er. Und: „Wenn ich kurz vorher schon Gelb gesehen habe, darf ich nicht wieder so reingehen.“ Touré wird nun am kommenden Samstag im Spiel beim Halleschen FC in der SVB-Abwehr fehlen – wie schon die verletzten Aaron Berzel und Zlatko Hebib.

Benbennek musste seine Mannschaft früh umstellen. Oliver Kragl übernahm Tourés Part links in der Abwehr, dafür rückte Kreuels nach hinten auf die Sechs und Christian Groß weiter vor nach rechts. Die Gäste konnten dadurch aus dem Spiel heraus nur schwer Torgefahr erzielen, ihre erneute Führung fiel durch einen sehenswerten 25-Meter-Volleyschuss von Robert Strauß halbhoch ins linke Eck, nach dem sich SVB-Torwart Frederic Löhe vergeblich streckte (36.). „Die beiden ersten Tore gehen auf meine Kappe“, räumte Löhe später ein. „Beim ersten habe ich den Ball unterlaufen, den zweiten Schuss hätte ich auch halten müssen. Das ist jedenfalls mein Anspruch.“

In der Pause sortierte Benbennek seine Mannschaft neu. Kreuels musste aus taktischen Gründen für Severin Mihm weichen, der Tourés Position übernahm, so dass Kragl wieder weiter vorn agieren konnte. Und im Ein-Mann-Sturm beschäftigte nun Moritz Göttel Heidenheims Abwehr. Die Nulldreier zeigten Moral und wurden zunächst durch das 2:2 belohnt. Kragl schlug einen Freistoß vom Mittelkreis hoch vor den Gäste-Kasten, wo Mihm am höchsten sprang und das Leder links einköpfte (60.). „Ich hatte Glück, dass der Ball so gut kam“, meinte der in der Winterpause vom Regionalligisten Energie Cottbus II an die Havel gewechselte 21-Jährige nach seinem ersten Treffer für Babelsberg. „Das war nicht mein erstes Tor im Männerbereich, aber so ein Tor habe ich früher mal in der Jugend gemacht.“ Vor seinem ersten Punktspiel für Nulldrei sei er schon ein bisschen aufgeregt gewesen, „aber das hat sich auf dem Platz dann gleich gelegt.“

Babelsberg war nun ebenbürtig, wurde aber kurz vor Schluss kalt erwischt, als Alper Bagceci mit einem Drehschuss von rechts hoch in den linken Winkel die Gäste doch wieder in Führung brachte (89.). Als Nulldrei daraufhin alles nach vorn warf, erhöhte Schnatterer bei einem Konter auf 2:4 (90.+2). „Wir haben gut gekämpft und stehen am Ende mit null Punkten da. Da spiele ich lieber schlecht und nehme was mit“, erklärte nach dem Abpfiff Oliver Kragl, dem Gäste-Trainer Frank Schmidt einen „sensationellen linken Fuß“ attestierte.

„Hier war heute nicht nur ein Punkt für uns drin. Hier war ein Sieg möglich, und diese Möglichkeit wurde uns genommen“, erklärte Christian Benbennek später vor der Presse. „Es ist heute nicht bitter, aber sehr traurig, wie dieses Spiel gelaufen ist. Aber wir werden wiederkommen. Die Moral der Mannschaft stimmt.“ Zum Gelb-Rot für Touré lagen beide Trainer übrigens gar nicht so weit auseinander. „Die erste Gelbe Karte hätte man eventuell nicht geben müssen“, meinte Schmidt. „Bei der zweiten Szene hatte ich einen Einwurf für Heidenheim erwartet“, sagte Benbennek. Und verkniff sich weitere Schiedsrichter-Schelte.

Babelsberg: Löhe; Kühne, Reiche, Evljuskin, Touré; Groß, Hartmann; Koc, Kreuels (46. Mihm), Kragl (76. Essig); Albrecht (46. Göttel).

Heidenheim: Sabanow; Malura, Göhlert, Kraus, Feistle; Deutsche (66. Endres), Wittek, Titsch-Rivero (66. Müller), Schnatterer; Thurk, Strauß (78. Bagceci).

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