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  • 19.12.2012
  • von henner Mallwitz

Scooter statt Olsenbande?

von henner Mallwitz

Während die linke Fanszene des SV Babelsberg eine Kommerzialisierung ihres Vereins fürchtet, begrüßen die Spieler die derzeitige Entwicklung

Als gestern die Rücktritte von vier weiteren Personen aus der Vereinsspitze des Fußball-Drittligisten SV Babelsberg 03 verkündet wurden, trainierte Frederic Löhe nur wenige Meter entfernt. Der Torwart der Nulldreier beginnt nach überstandener Verletzung allmählich wieder mit seinen Einheiten – und die brachte er locker über die Runden, ohne weiter über die Krise an der Vereinsspitze zu grübeln. „Das sind zwei verschiedene Schuhe, die Aufgaben sind klar verteilt“, so der 23-Jährige. „Unsere Aufgabe als Spieler ist allein der Sport. Und unseren Job haben wir in den vergangenen Wochen wirklich gut gemacht. Nun ist es allein Sache der Vereinsführung, diese Dinge zu klären und wieder Ruhe in den Verein zu bringen. Gerade jetzt, wo wir uns so gut gefangen haben, ist die Situation sehr unbefriedigend.“

Nachdem die DKB-Bank durch die Zeichnung von Genussscheinen in Höhe von 1,3 Millionen Euro bisheriges Fremdkapital bilanziell in Eigenkapital umgewandelt hat, haben die Spieler finanzielle Sicherheit. „Das betrifft die laufende Saison, aber auch die kommende“, sagt SVB-Sprecherin Luisa Müller. „Gerade die Spieler mit einem Zwei-Jahresvertrag können somit also viel konkreter planen.“ Das sieht Löhe nicht anders: „Ich habe einen Vertrag bis 2014 und finde es natürlich super, dass ich jetzt Planungssicherheit habe.“ Auf seiner Position dürfte er auch in der kommenden Saison eine feste Größe sein: „Ich habe ihn gern im Tor“, sagt sein Trainer Christian Benbennek.

Andere Spieler – wie etwa die beiden Mittelfeldakteure Kofi Schulz und Nicolas Hebisch – haben bereits erfahren, dass sie sich einen anderen Verein suchen müssen. Zwei oder drei Spieler sollen laut Geschäftsführer Klaus Brüggemann in der Winterpause verpflichtet werden, drei oder vier müssen gehen. Unter anderem laufen die Verhandlungen mit einem „Zweitligatalent für den Defensivbereich“. Almedin Civa wird fortan zudem als Sportlicher Leiter fungieren, somit die Schnittstelle zwischen dem Jugend- und dem Profibereich bilden und auch im Scouting aktiv sein. Erdan Dogan, so Brüggemann, werde zudem aus der zweiten Mannschaft in den Profikader aufrücken. „Das ist das erste Ergebnis unserer konzeptionellen Änderungen, den Kader aus der Reserveelf bei den Profis zu integrieren“, so der Geschäftsführer.

Von der derzeitigen schwierigen Situation im Verein lässt sich indes auch Markus Müller nicht allzu sehr beeindrucken. „Die Bedenken aus Fansicht verstehe ich ja“, sagt der Angreifer. „Aber wir sind als Spieler Angestellte des Vereins und die neue Linie wurde uns hinlänglich erklärt. Die Rücktritte kann ich dennoch akzeptieren.“ Dennoch, so Müller, müsse jeder Spieler an seine Existenz denken. Bis jetzt sei das Geld immer pünktlich gekommen und dies werde allem Anschein nach auch in Zukunft nicht anders sein.

Auch sein Kollege Sergej Evljuskin stimmt dem zu, stellt sich aber dennoch die Frage, warum sich diese Entwicklung gerade jetzt auftut. „Sportlich ist hier hier so vieles möglich“, sagt der 24-jährige Mittelfeldspieler. „Wir haben gut zusammengefunden, haben Unterhaching, Münster und Osnabrück bezwungen. All das hat unser Ansehen deutschlandweit erhöht. Hier ist was möglich. Und dann kommt alles Schlag auf Schlag.“ Dennoch freut er sich über die zugesicherte Vertragserfüllung. „Ich habe den Umbruch mit den neuen Spielern und dem neuen Trainer von Beginn an miterlebt und habe mich sofort dazu entschlossen, hier länger zu bleiben“, sagt Evljuskin. „Das alles ist nun abgesichert und nun wollen wir uns als Mannschaft allein auf den sportlichen Aspekt konzentrieren.“

Ein Teil der Fans sieht die Entwicklung allerdings mit gemischten Gefühlen und befürchtet eine Kommerzialisierung des Vereins. „Ich befürchte, dass sich die Situation zuspitzt und auch auf die Fankultur überspringt“, sagt Mike Dudzack vom Fanbeirat. „Vielleicht hören wir ja bald Scooter statt der Olsenbande in unserem Stadion.“ Seine Fangruppierung werde ihre politische (linke) Meinung nicht neutralisieren, über die Gesamtausrichtung des Vereins müsse intensiv diskutiert werden. Noch sehe er allerdings nicht, was die DKB als Geldgeber genau wolle, welchen Einfluss sie anstrebt. Der SV Babelsberg 03 stehe seit Jahren für „Fußball, Bratwurst, Bier“ – und an diesem ursprünglichen Erlebnis solle seiner Meinung nach auch künftig festgehalten werden.

Thomas Schröder, ebenfalls langjähriger Fan der Nulldreier, sieht das hingegen anders. „Die Bank gibt uns eine Perspektive, ich will meinen Verein nicht in der Oberliga sehen“, sagt er. „Und auch der SVB ist schließlich ein Wirtschaftsunternehmen, ebenso wie St. Pauli. Dass allerdings gewählte Leute das Handtuch schmeißen, weil ihnen etwas nicht passt, finde ich beschämend. Eine klare Aussage kam zu dem Ganzen bislang jedenfalls noch nicht.“

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