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  • 26.11.2012
  • von Michael Meyer

Entscheidung am Elfmeterpunkt

von Michael Meyer

Feiern mit den Fans. Babelsbergs Torwart Frederic Löhe (vorn) hielt am Samstag gegen Preußen Münster, was es halten galt – auch einen Elfmeter. Foto: Jan Kuppert

Fußball-Drittligist SV Babelsberg 03 bezwang daheim den Tabellenzweiten Preußen Münster mit 1:0 und kann als 13. der Tabelle eine insgesamt positive Halbserien-Bilanz ziehen

Der Außenseiter schlug am Samstag den Favoriten am Elfmeterpunkt. Zum Abschluss der Hinrunde in der 3. Fußball-Liga gewann der SV Babelsberg 03 daheim gegen den Tabellenzweiten Preußen Münster letztlich, weil Christian Essig in der 19. Spielminute seinen Foulstrafstoß für Nulldrei sicher verwandelte, während Münsters Kapitän Stefan Kühne später mit einem Handelfer an SVB-Schlussmann Frederic Löhe scheiterte (63.). Durch den mittlerweile fünften 1:0-Sieg der Saison beendete der SVB die Hinrunde auf Tabellenrang 13 mit fünf Punkten Vorsprung vor den Abstiegsplätzen.

Löhe war der Mann des Tages im Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion, denn eine Woche nach der bitteren 1:3-Niederlage in Burghausen kaufte der 24-Jährige den Westfalen mit zahlreichen tollen Aktionen den Schneid ab. Münster suchte die schnelle Führung und sorgte für die ersten Akzente durch Jens Truckenbrod (8., 16.) und Matthew Taylor (13.), doch Babelsberg hielt gegen und setzte Konter- Nadelstiche. Zunächst scheiterte Essig nach einem schönen Solo von Christian Groß von rechts (18.). Als kurz darauf Süleyman Koc rechts in den Strafraum eindrang, Robin Neupert ihn leicht berührte und der Nulldreier fiel, zeigte Schiedsrichter Robert Kampka (Mainz) sofort auf den Elfmeterpunkt. Essig schnappte sich das Leder, verzögerte den Anlauf kurz und jagte den Ball, als Preußen-Keeper Daniel Masuch nach rechts hechtete, flach in die aus seiner Sicht rechte Ecke zum 1:0. „Da habe ich den Torwart ein bisschen verladen“, meinte der 26-Jährige später. Weil Philipp Kreuels – der bei den bisherigen Elfmetern für den SVB erfolgreich war – am Samstag das vierte und letzte Mal rot-gesperrt zuschauen musste, „habe ich die Verantwortung übernommen“, erklärte Essig. „Ich hatte auch früher schon Elfmeter verwandelt, habe mich gut gefühlt und wollte endlich mein erstes Saisontor machen.“

Münster antwortete auf den Rückstand mit Angriff auf Angriff. Doch Babelsbergs Defensivarbeit gegen einen der treffsichersten Drittligisten klappte am Samstag, und Löhe rettete toll gegen Truckenbrod (16.), Stefan Kühne (28.) und Dennis Grothe (40.). Die Gäste versuchten es immer wieder mit hohen Bällen nach vorn, „was aber missglückte und eigentlich nicht unser Spiel ist“, so später Preußen-Coach Pavel Dotchev. Da seine Elf auch nach der Pause die Taktik nicht änderte, fand sie weiter in der Nulldrei-Abwehr keine Lücke oder in Löhe ihren Meister (68. Patrick Kirsch, 90. Marco Königs). Und als Sergej Evljuskin links im Strafraum ein Handspiel unterlief, parierte der SVB-Keeper auch den Elfmeter, den Preußens Mannschaftskapitän in die aus seiner Sicht rechte Ecke schoss.

„Ich habe schon öfter Elfmeter gehalten, aber der heutige Erfolg war zu 80 Prozent der Verdienst unseres Trainers. Er wusste Bescheid und sagte zu mir: Wenn Kühne schießt, dann spring nach links. Hat ja prima geklappt“, erzählte der Held des Tages, den auch Münsters Trainer lobte. „Wir hatten heute einen schwarzen Tag, während Babelsberg mit einer tollen Einstellung uns das Leben schwer machte und einen überragenden Fredy Löhe im Tor hatte“, so Pavel Dotschev. Dessen Elf schwächte sich in der Nachspielzeit noch selbst, als sich Torjäger Taylor die Rote Karte einhandelte (90.+3). Er schlug Markus Müller den Ball aus dem Arm, stupste ihn mit der linken Hand an den Hinterkopf, ließ sich, als Müller zu Boden ging, selbst fallen und hielt sich theatralisch den Hals. Schiri Kampka zeigte ihm trotzdem Rot.

Babelsbergs Chefcoach Christian Benbennek atmete nach dem überraschenden Triumph erleichtert auf. „Es ist derzeit schwer, gegen uns ein Tor zu machen, und Fredy Löhe war heute überragend“, erklärte er. „Das ist unsere Basis, jetzt müssen wir mit dem Ball nach vorn noch besser werden.“ Alles in allem kann der 40-Jährige mit der Hinrunde aus Babelsberger Sicht zufrieden sein. „Wir hatten einen schwierigen, holprigen Start, aber man sieht die Entwicklung der Mannschaft“, sagte er. 16:25 Tore und 22 Punkte haben die Nulldreier jetzt auf dem Konto, wobei sie daheim in neun Spielen mit gerade mal acht Toren 17 Punkte holten – keine schlechte Bilanz.

„Nur vier Gegentore hier zu Hause sprechen auch für unsere Heimstärke“, meinte Mannschaftskapitän und Abwehrchef Daniel Reiche. „Insgesamt wären in der Hinrunde aber ein paar mehr Punkte drin gewesen. In der Rückrunde wollen wir noch ein paar Zähler mehr holen.“ Das sei angesichts der Entwicklung der Mannschaft möglich, so Reiche, der am Babelsberger Park bis 2014 unter Vertrag steht. „Die Mannschaft wird immer besser, auch unter der Woche merkt man das. Unser Trainer sagt, dass sich die Arbeit im Training gut entwickelt hat.“

Auch Frederic Löhe, der wie Reiche als einziger Nulldreier alle bisherigen 19 Liga-Spiele bestritt, zeigte sich mit der bisherigen Saison zufrieden. „Es wären mehr Punkte drin gewesen“, meinte er. „Aber wir hatten es zu Anfang schwer. Jetzt sieht man schon langsam, wie sich die Mannschaft macht. Das war heute ein richtig geiles Spiel. Nun freue ich mich schon auf unser Heimspiel am nächsten Samstag gegen Chemnitz.“

Babelsberg: Löhe; M. Kühne, Hebib, Reiche, Berzel; Groß, Evljuskin, Hartmann, Koc (72. Müller); Essig (72. Kofi Schulz), Heil (66. Kragl).

Münster: Masuch; Schöneberg, Kirsch, Neupert (61. Königs), Hergesell; Siegert (46. Menga), Truckenbrod, St. Kühne, Grote; Nazarov (46. Bischoff), Taylor.

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