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Turbine Potsdam

  • 30.05.2018
  • von Tobias Gutsche und Rainer Hennies

Turbine Potsdam: Herzenssachen

von Tobias Gutsche und Rainer Hennies

Die Zeit vergeht. Tabea Kemme (l.) debütierte 2008 in Turbines Erstligateam und erzielte prompt Tore - LIa Wälti kam 2013 nach Potsdam und übernahm auf dem Feld Regie. Fotos: Jan Kuppert

Die Fan-Lieblinge Tabea Kemme und Lia Wälti verabschieden sich vom Fraunfußball-Bundesligisten Turbine Potsdam. Ihr Noch-Trainer Matthias Rudolph zieht ein Saisonfazit und der Potsdamer Nachwuchs will wieder ins Finale.

Einen „Frauenfußballtag der Extraklasse“ kündigt Turbine Potsdam für Sonntag an. Zwar bietet das letzte Bundesliga-Saisonspiel der bereits als Tabellenvierte feststehenden Potsdamerinnen gegen den SC Sand keinen großen sportlichen Reiz mehr, doch wird die um 14 Uhr beginnende Partie im Karl-Liebknecht-Stadion auch so gewiss sehr emotional. Schließlich verabschieden sich Turbines Publikumslieblinge Tabea Kemme und Lia Wälti. Bereits ab 11 Uhr dürfte es an gleicher Stelle aber auch brisant werden. Die Potsdamer B-Juniorinnen kämpfen dann im Halbfinalrückmatch der Deutschen Meisterschaft um den erneuten Endspieleinzug. Abgerundet wird das alles mit einem Fanfest auf dem Stadiongelände.

"Ein bisschen Angst wegen der ganzen Emotionen"

Im Fokus des Nachmittags werden besonders Tabea Kemme und Lia Wälti stehen. Zwei Kickerinnen, „die in den vergangenen Jahren maßgeblich die Fahnen des Vereins hochgehalten haben“, sagt Turbine-Cheftrainer Matthias Rudolph. Kemme ist die Dienstälteste des Teams, 2006 kam sie aus Niedersachsen an den Luftschiffhafen, debütierte zwei Jahre darauf in der ersten Liga und durfte die glorreiche Potsdamer Zeit mit vier Deutschen Meistertiteln in Serie sowie dem Champions-League-Sieg 2010 aktiv erleben. Immer mit vollem Einsatz. Turbine, das sei „eine Herzenssache“ für sie, betont die 26-Jährige. Nicht anders sieht es bei Lia Wälti aus. Die Schweizerin, die 2013 zum Brandenburger Traditionsverein wechselte und dort als Kapitänin voranging, ist an der Havel heimisch geworden. Daher sei es ihr wie auch Kemme schwergefallen, sich von den Turbinen zu lösen.

Doch wollen beide das Abenteuer in einer anderen europäischen Top-Liga suchen, sich neu profilieren. Wohin die Reise geht, ist mittlerweile geklärt. Die öffentliche Verkündung solle laut Wälti innerhalb der nächsten zehn Tage erfolgen. Gerüchte rankten sich darum, beide würden zu Arsenal London gehen. „Wir möchten ihnen auf jeden Fall eine würdige Verabschiedung bereiten. Ihre Verdienste um den Club sind groß“, sagt Turbine-Coach Matthias Rudolph. „Ich habe ein bisschen Angst vor Sonntag“, gesteht Wälti. „Wegen der ganzen Emotionen, die hochkommen werden. Ich will die Momente aber genießen.“

Größte Probleme: Chancenverwertung und Remis-Serie

Wie sie und Tabea Kemme nun bei Turbine nach all den Jahren abtreten, weckt nicht nur Wehmut. Sondern auch Enttäuschung. Kemme fiel bereits den Großteil der Rückrunde aufgrund eines Knorpelschadens im Knie aus und musste untätig von außen zusehen, wie Wälti & Co. den erhofften Champions-Leage-Qualifikationsplatz verpassten. Zudem gab es das Halbfinalscheitern im DFB-Pokal. „Insgesamt fand ich aber, dass wir eine gute Saison gespielt haben“, urteilt Rudolph. „Das Ziel – oberes Tabellendrittel – haben wir erreicht. Zudem konnten sich individuell einige Spielerinnen sehr gut weiterentwickeln.“ Doch müsse für einen Club wie Turbine, der nicht die Wirtschaftskraft der Branchenführer aus Wolfsburg und München hat, „inzwischen alles passen“, um in den Europapokal zu kommen.

Das sei bei den Potsdamerinnen dieses Jahr nicht der Fall gewesen. Vor allem mit der Unentschiedenserie in der Hinrunde habe man „schon vieles verspielt“. Sechsmal in Folge mussten die Turbinen, obwohl sie meist die bessere Mannschaft waren, die Punkte teilen. Das Rudolph-Team wahrte jedoch lange Zeit den Anschluss an die Spitze. Um selbst unter die besten Zwei zu kommen, hätte es laut dem 35-Jährigen in einigen Partien „mehr Spielglück“ gebraucht – und insbesondere eine stärkere Chancenverwertung. Reihenweise ließ Turbine hochkarätige Möglichkeiten aus und dadurch weitere Zähler auf der Strecke. „Das hat uns das Genick gebrochen“, meint Rudolph und kündigt an: In der nächsten Saisonvorbereitung liege das Hauptaugenmerk auf dem Offensivspiel und dessen Abschlüssen.

Turbines B-Jugend geht mit einem 2:2 ins Rückspiel

Während für Turbines Frauen am Sonntag die Saison definitiv endet, möchten die Potsdamer B-Juniorinnen noch ein Match am 9. Juni bestreiten. Das Finale um die nationale U17-Meisterschaft. Dafür müssen sie sich im „Karli“ gegen den 1. FC Köln behaupten. „Das wird mit Sicherheit eine spannende Partie auf Augenhöhe“, sagt Potsdams Trainer Michael Schubert. Schon beim Halbfinalhinspiel am Rhein agierten beide Kontrahenten ebenbürtig. Mit 2:2 trennten sie sich. Eine gute Ausgangslage habe man sich schaffen wollen, erklärt Schubert. „Das ist uns gelungen.“

Gegen den Sieger der Bundesligastaffel West/Südwest lagen die Potsdamerinnen, die hinter dem VfL Wolfsburg Zweite der Nord/Nordost-Gruppe wurden, zur Halbzeit 0:2 zurück. Nach der Pause bestimmten die Gäste dann das Geschehen und die frischgebackene U17-Vizeeuropameisterin Sophie Weidauer sorgte per Doppelschlag binnen drei Minuten für den Ausgleich. Dem elften Titelgewinn ist der Deutsche B-Jugendmeister so ein Stück näher gekommen.

Turbine-Dauerkartenbesitzer können am Sonntag beide Spiele im Karl-Liebknecht-Stadion kostenfrei besuchen. Wer zwischen 10 und 11 Uhr ins Stadion kommt, erhält freien Eintritt für die Partien im Stehplatzbereich. Danach werden die regulären Bundesligapreise fällig.

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