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  • 11.04.2018
  • von Matthias Schütt

Sanssouci Gym Potsdam: Wie eine Maschine

von Matthias Schütt

Die starken Stützen des Vereins. Thomas Krziwda und Katja Broxtermann gehören zur Bundesliga-Mannschaft von Sanssouci Gym.

Die Kraftsportler von Sanssouci Gym hatten in der Bundesliga schwer zu drücken und zu heben.

Potsdam - Wer so einen starken Mann zur Seite hat, braucht keinen Gabelstapler mehr. Kraftdreikämpfer! Sie bewegen Lasten, die sonst nur Maschinen schaffen. Einige Athleten bewältigen mehr als 300 Kilogramm – am Stück. Umgerechnet sind das etwa 30 volle Kästen mit Glaswasserflaschen, ein ausgewachsener weißrussischer Braunbär wiegt so viel, oder auch eine gusseiserne Drehbank. Und das kann richtig wehtun. „Solche extremen Gewichte können Schmerzen verursachen, manchmal ist das eine richtige Quälerei. Und das sowohl im Training als auch im Wettkampf", sagt Ron Kronschwitz vom Sanssouci Gym Potsdam.

Der Verein besteht mittlerweile seit mehr als 67 Jahren und ist aus der Betriebssportgemeinschaft (BSG) Aufbau hervorgegangen. Am vergangenen Samstag veranstalteten die Potsdamer den dritten und damit letzten Kraftdreikampf-Wettbewerb der aktuellen Bundesliga-Saison. Kniebeugen, Bankdrücken, Kreuzheben – in diesen drei Disziplinen kämpfen die Kraftpakete mit den Hanteln.

Sein Körper gleicht einem massiven Kleiderschrank

Potsdam startet in der Bundesliga-Nordstaffel. 16 Mannschaften mit 266 Athleten sind dort gemeldet. Ein Team besteht aus vier Athleten, die Einzelergebnisse werden gewertet, die besten drei Leistungen zählen für das Gesamtergebnis. Nach rund drei Stunden schweißtreibendem Sport im Bornimer Bürgerhaus belegten die Gastgeber am vergangenen Samstag Rang zwei in der Tageswertung hinter dem amtierenden Bundesliga-Meister SV Motor Barth und vor der KG Bergen-Gostorf und dem Herrburger AV.

„Für uns ist der Heimwettkampf das Highlight der Saison. Mit unserer Platzierung sind wir voll im Soll“, sagt der 37-jährige Kronschwitz. Seit 1996 betreibt er Kraftsport, sein Körper gleicht mittlerweile einem massiven Kleiderschrank. 42 Zentimeter Bizeps-, 60 Zentimeter Oberschenkel- und 1,15 Meter Brustumfang sind beeindruckende Maße. Für seinen Club Sanssouci Gym startet er zusammen mit Thomas Krzwida, Katja Broxtermann und Sebastian Gronschel.

„Wir werden ja alle nicht jünger."

Ein Bundesliga-Wettkampf ist nicht nur sportlich, sondern auch logistisch eine Herausforderung für den Verein. Die Bornimer Schulsporthalle musste in eine echte Eventarena verwandelt werden. Wo sonst Kinder ihre Runden auf dem Parkett drehen, mussten eine Bühne für Wettkampfrichter und Athleten errichtet, eine Fläche für das Publikum bestuhlt, ein Moderatorenplatz und Verpflegungseinrichtungen aufgebaut werden. „Eine wirklich tolle und sehr gut organisierte Veranstaltung“, lobte Frank Wunderlich, der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Kraftdreikämpfer. Ron Kronschwitz lobte die 20 Vereinsgefährten, die den Wettkampf auf die Beine stellten. Dabei zeigte Kronschwitz die beste Leistung der vier Potsdamer Sportler. 270 Kilogramm beim Kniebeugen, 190 Kilogramm beim Bankdrücken sowie 250 Kilogramm beim Kreuzheben steuerte er bei. Die Werte werden mit dem sogenannten Wilks-Koeffizienten verrechnet. Das ist ein geschlechts- und körpergewichtsabhängiger Faktor, durch den eine relative Punktzahl ermittelt wird. Bei Kronschwitz waren das 476,34 Zähler – ein überzeugender Wert für den Vize-Amateur-Weltmeister im Bankdrücken von 2012. „Wir werden ja alle nicht jünger“, sagte er augenzwinkernd.

Zweitbeste im Team

Katja Broxtermann, die Frau im Sanssouci Team und WM-Teilnehmerin im Bankdrücken, steuerte insgesamt 467,5 Kilogramm in den drei Disziplinen bei. Ihre 463,71 Punkte waren der zweitbeste Teamwert. „Das war eine gute Vorstellung“, so die 32-Jährige. „Vor den heimischen Zuschauern, wo man viele Gesichter kennt, ist man natürlich besonders motiviert.“ Sebastian Gronschel (427,75 Punkte) und Thomas Krzwida (395,14) komplettierten das Potsdamer Ergebnis.

In der Endabrechnung der drei Bundesliga-Wettkämpfe belegte das Team von Sanssouci Gym Platz drei hinter dem SV Motor Barth und dem SAV Erfurt. Es ist das beste Ergebnis seit der Bundesliga-Zugehörigkeit. Dennoch verpassten die Landeshauptstädter knapp das Bundesfinale, wo sich die beiden Staffelsieger sowie die vier punktbesten Teams Ende Mai in Barth noch einmal auf der Bühne treffen. „Das sehen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, meinte Ron Kronschwitz. „Die Saison war lang und es stehen auch noch einige andere Wettkämpfe an. Aber so ein Finale wäre natürlich ein Höhepunkt und hätte seinen besonderen Reiz. Vielleicht schaffen wir es im nächsten Jahr.“ Denn da heißt es wieder: stark sein wie eine Maschine.

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