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SC Potsdam

  • 31.03.2018
  • von Tobias Gutsche

SC Potsdam: Potsdamer Pyramide

von Tobias Gutsche

Jährlich grüßt das Murmeltier. Zum sechsten Mal in Folge war für Lisa Gründing mit dem SCP im Viertelfinale Schluss. Foto: Gerhard Pohl

Wie in den vergangenen fünf Jahren scheidet der SC Potsdam erneut im Viertelfinale der Frauenvolleyball-Bundesliga aus. Diesmal war gegen den Dresdner SC Endstation. Ein Fazit zur Saison. Und eine Kampfansage von Trainer Davide Carli.

Müsste man die Saison des Frauenvolleyball-Bundesligisten SC Potsdam zeichnerisch darstellen, würde sich vor allem ein Symbol anbieten: die Pyramide. Das Team vom Luftschiffhafen steigerte sich im Verlauf der Hauptrunde sukzessive, erreichte seinen Höhepunkt beim siegreichen ersten Viertelfinal-Playoff-Spiel gegen den Dresdner SC und baute danach wieder ab. Duell zwei gegen Dresden brachte zwar noch eine gute Leistung, aber eine Niederlage. Zum Showdown am Mittwoch in Sachsen blieben die Gäste deutlich unter den vorher gezeigten Leistungen und verloren glatt mit 0:3 (16:25, 17:25, 12:25).

"Hatten uns insgesamt mehr erhofft"

Der Bundesliga-Endpunkt ist für den SCP also derselbe wie in den fünf vergangenen Jahren: Viertelfinale. Weiter muss auf den historischen Premierensprung unter die Top 4 gewartet werden. „Wir haben erneut daran geschnuppert, waren diese Saison letztlich jedoch zu grün hinter den Ohren“, sagt Sportdirektor Toni Rieger, der ein zwiespältiges Fazit zieht. Positiv sei, dass die Mannschaft eine Vorwärtsentwicklung innerhalb der Spielzeit genommen habe. „Aber wir hatten uns insgesamt mehr erhofft. Platz sieben in der Hauptrunde ist nicht das, was wir wollen. Fünfter wollten wir gerne werden. Oder vielleicht sogar Vierter.“

Das war dem SC Potsdam 2016/17 gelungen. Mit einer sehr gut harmonierenden, breit aufgestellten und variablen Truppe. Ihr wurde großes Potenzial attestiert, der Kader deshalb anschließend weitestgehend zusammengehalten. Aber die wenigen Abgänge, die es gab, fielen dann doch ins Gewicht. Vor allem ohne Libera Lisa Rühl, die für Defensivstabilität sorgte und zugleich ein Vorbild an starker Mentalität war, sowie Top-Scorerin Roslandy Acosta fehlten dem SCP tragende Säulen. Die Statik wurde wackelig, „weil wir das nicht kompensieren konnten“, erklärt Toni Rieger.

Hochs und Tiefs in stetem Wechsel

In der Annahme und Abwehr offenbarte Rühl-Nachfolgerin Sophie Dreblow ihr großes Talent, hatte als unerfahrene 19-Jährige naturgemäß aber auch mit ihren Nerven zu kämpfen. Und offensiv fand derweil ein Rückfall statt. Das Traum-Angriffsduo Roslandy Acosta/Marta Drpa war gesprengt – nunmehr lief fast alles über die Serbin Drpa. Es herrschte zu oft für den Gegner leicht ausrechenbare Eindimensionalität wie vor zwei Jahren, als der SCP seine Aktionen vorrangig auf Saskia Hippe ausgerichtet hatte. „Spielerisch haben wir nicht an die von uns attraktive Vorsaison anknüpfen können“, urteilt der Sportdirektor. „Allenfalls bloß phasenweise. Wir waren nicht konstant.“ Für die einzelnen Partien zeichneten sich auch Leistungskurven mit mehreren Zick-Zack-Konturen wie bei Pyramiden ab. Hochs und Tiefs in stetem Wechsel.

Die Inkonstanz war ein Symptom des Potsdamer Jugendstils. Als zweitjüngstes Team der Liga stand der SCP am Netz und ließ dies regelmäßig erkennen, wenn Fehler nicht durch Routine schnell abgehakt wurden, sondern zur völligen Verunsicherung führten. „Uns war schon vorher bewusst, dass wir ein Risiko mit der Altersstruktur eingehen“, sagt Toni Rieger. „Aber für uns als Verein ist es das optimale Profil, jemand zu sein, der junge Spielerinnen fördert. Den Kurs wollen wir auch weiterfahren.“ Wer dabei mit an Bord ist, soll sich in den nächsten Wochen herauskristallisieren. Bereits seit Ende Dezember laufen die Kaderplanungen, Gespräche mit den bisherigen Akteurinnen und potenziellen Neuzugängen wurden geführt und werden jetzt weiter vertieft. „Fakt ist: Wir wollen richtige Verstärkungen für die kommende Saison holen“, betont Rieger. Ziel sei dann, weiter vorne in der Hauptrunde zu landen und natürlich auch den Traum vom Playoff-Halbfinale mal zu verwirklichen.

Carlis Kampf gegen die Langeweile

Den nötigen Schliff dafür sollen besonders Chefcoach Davide Carli und sein Assistent Riccardo Boieri der Mannschaft verleihen. Mit den beiden hatte der SCP Anfang Februar die Verträge bis Sommer 2020 verlängert und damit ein starkes Zeichen inmitten einer eher unbefriedigenden Situation gesetzt. „Wir sind von unseren Trainern überzeugt. Sie machen ihre Sache akribisch und leidenschaftlich. Und erfolgreich – das belegen die Fortschritte, die sie während dieser Saison wieder aus der Mannschaft gekitzelt haben“, lobt der sportliche Leiter.

Davide Carli freut sich über das entgegengebrachte Vertrauen. Er möchte es zurückzahlen. Vor Eifer sprudelnd hat der Italiener mit dem SC Potsdam noch Großes vor, wie er unlängst beim Fantalk durchblicken ließ. Die bisherigen Bundesliga-Finals bestritten mit nur einer Ausnahme immer Dresden, Schwerin oder Stuttgart. Vermutlich werden sich zwei Teams aus jenem Trio auch diese Saison wieder am Endspielgipfel gegenüberstehen. „Das ist langweilig“, findet Davide Carli und fügte hinzu: „Wir möchten hier daran arbeiten, das zu verändern.“

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