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SC Potsdam

  • 19.03.2018
  • von Tobias Gutsche

SC Potsdam: Von 10 auf 20 Prozent

von Tobias Gutsche

Ein Moment zum Genießen. In einem spannenden Match gewann der SC Potsdam nach über zwei Stunden Spieldauer mit 3:2 beim Dresdner SC - und bejubelten das ausgelassen. Für das nun bevorstehende Heimspiel der Viertelfinalserie wollen die SCP-Verantwortlichen ein große Kulisse. Foto: Denis Trapp/Verein

Die Volleyballerinnen des SC Potsdam gewannen Spiel eins der Bundesliga-Viertelfinalserie gegen das Top-Team Dresdner SC. Noch ein Sieg fehlt dem SCP zur großen Sensation. Potsdams Cheftrainer Davide Carli spürt Euphorie, viel Selbstvertrauen – und fordert Bodenhaftung.

Die Kapitänin sorgte für den Schlusspunkt. Ivona Svobodnikova sprang am Netz nach oben und schmetterte den Volleyball kompromisslos auf den rotbräunlichen Boden der gegnerischen Hälfte. Die Überraschung war vollbracht: Mit 3:2 (16:25, 25:18, 25:22, 23:25, 15:10) gewann Frauen-Bundesligist SC Potsdam am Samstag das erste Spiel der Playoff-Viertelfinalserie auswärts gegen den fünffachen Deutschen Meister Dresdner SC und hat nun die Chance, am Sonntag in der heimischen MBS-Arena durch einen weiteren Erfolg Vereinshistorisches zu leisten. Setzt sich der SCP dann noch mal durch, stünde er erstmalig im Halbfinale des nationalen Championats.

Nachdem Ivona Svobonikova am Samstagabend den Matchball verwandelt hatte, rutschte sie auf den Knien über das Feld. Um sie herum sprangen kreischend ihre überglücklichen Mitspielerinnen. Und auf den Rängen der mit 2200 Zuschauern gefüllten Margon-Arena war nur noch die Schar von SCP-Fans jubelnd zu hören. „Ich bin so unfassbar stolz auf meine Mannschaft. Sie hat ein großartiges Spiel geliefert“, lobte Potsdams Cheftrainer Davide Carli. „In dieser Saison hatten wir oft Probleme, weil wir nicht konstant gespielt haben. Diesmal haben wir es konsequent durchgezogen.“

Dresden liegt dem SCP tatsächlich

Ab dem zweiten Satz, wohlgemerkt. Bis dahin hatte der Hauptrundensiebte aus Brandenburg dem sächsischen Zweitplatzierten wenig entgegenzusetzen. Doch die Potsdamerinnen legten nach der ersten Satzpause ihren Respekt ab, wurden mutiger und sicherten sich die nächsten beiden Durchgänge. So richtig beeindruckend war dann, wie sich das zweitjüngste Team der Liga unaufgeregt präsentierte, als das Geschehen wieder zu kippen drohte. Dresden, der frischgebackene Deutsche Pokalsieger, schaffte den Ausgleich und eroberte sich auch im entscheidenden Tie-Break eine recht komfortable Führung. Nervenflattern und Zusammenbruch beim SCP? Fehlanzeige! Der Carli-Sechser, in dessen Reihen Angreiferin Marta Drpa mit 31 erzielten Punkten herausragte, blieb ruhig und auf seiner eingeschlagenen Linie. „Die Mannschaft hat als eine Einheit funktioniert. Sie stand zusammen. Das war der Schlüssel“, erklärte Teammanager Eugen Benzel, der sah, wie Potsdam auch dank starker Aufschläge von Playoff-Debütantin Antonia Stautz letztlich triumphierte.

Den Worten ließ der SCP also Taten folgen. Offensiv wurde vor Beginn des Viertelfinales verkündet, dass man den Dresdner SC bezwingen könne. Dieser Kontrahent liege Potsdam einfach, betonte etwa Sportdirektor Toni Rieger. Er fand am Samstag mit dieser Aussage Bestätigung. Seinem Club gelang im 19. Ligaduell mit dem DSC – dem ersten in den Playoffs – immerhin schon der fünfte Sieg. Gegen keinen anderen der großen deutschen Frauenvolleyball-Vereine ist die Potsdamer Bilanz so gut.

"Den Laden so richtig voll machen"

Nun braucht es noch einen weiteren Erfolg für das Weiterkommen – entweder am Sonntag daheim oder drei Tage später in Elbflorenz. Bei seinen bisherigen sechs Viertelfinalteilnahmen schied der SC Potsdam dreimal glatt mit 0:2 aus und ebenso dreimal stand er ganz dicht vor der Schwelle zur Medaillenrunde. 2013 gegen Schwerin sowie 2015 und 2017 gegen Wiesbaden wurde das dritte Spiel der Serie erreicht, aber am Ende verloren. „Wir haben jetzt großes Selbstvertrauen, wollen das nutzen und den Sprung hinkriegen“, sagte Davide Carli, der natürlich eine Euphorie in und rund um die Mannschaft verspüre. Aber: „Dresden ist trotzdem klarer Favorit. Vorher standen die Chancen für uns vielleicht 10:90, jetzt 20:80. Wir werden uns auf riesige Gegenwehr von den Dresdnerinnen einstellen müssen.“ Um der standzuhalten, fordert der Coach, sich die nötige Lockerheit zu bewahren, was in Dresden ein wichtiger Faktor war. Und er verlangt Demut von seinem Team. „Wir müssen auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Kopf runter, hart arbeiten und den Fokus auf die nächste Partie. Nur wenn wir genauso stark trainieren wie vergangene Woche oder besser noch stärker, können wir den Sieg wiederholen.“

Damit aus der ersten Überraschung tatsächlich eine Sensation wird, baut Teammanager Eugen Benzel auch auf die Unterstützung der Potsdamer Sportfans. Der Termin für das Heimspiel sei sicherlich nicht optimal, weiß er. Wegen einer Boxgala kann nicht am Samstag, sondern erst Sonntag ab 17 Uhr aufgeschlagen werden. „Aber wir haben an diesem Tag die Möglichkeit, etwas zu schaffen, was die Stadt noch nicht erlebt hat“, unterstrich Benzel. „Daher werden wir alles daran setzen, den Laden so richtig voll zu machen.“

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