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Brandenburg läuft

  • 28.02.2018
  • von Peter Könnicke

Brandenburg läuft: Frostiges Vergnügen

von Peter Könnicke

Anstrengend und gesund: Mehr Arbeit für Herz und Muskeln ist das Laufen bei frostigen Temperaturen. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Läufer in Brandenburg und Berlin bibbern bei den derzeitigen Minusgraden. Manche wollen es indes gerade sibirisch kalt und stellen sich daher enormen Herausforderungen bei Extremläufen mit Temperaturen von unter minus 20 Grad Celsius.

Es wird kritisch. Temperaturen von minus 15 Grad Celsius lassen dieser Tage so allmählich die Lust und Laune am Laufen gefrieren. Wenn es tagsüber bei Sonnenschein und wenigen Minusgraden weniger ein Problem ist, seine Laufrunde zu drehen, wird es im Berufsalltag am frühen Morgen oder Abend grenzwertig. Zumindest das Tempo sollte gedrosselt werden, sodass die kalte Atemluft genügend Zeit hat, sich auf dem Weg über Mund und Nase zu den Bronchien zu erwärmen.

Seine Reize hat das winterliche Laufen aber durchaus: klare Luft, Sonnenschein und die Natur bietet reizvolle Anblicke. Und so manch einem kann es gar nicht kalt genug sein und er sucht nach frostigen Laufabenteuern wie beim Baikal Ice Marathon in wenigen Tagen. Seit zehn Jahren bietet Schulz Sport Reisen den Lauftrip nach Sibirien an, wo über Schnee und Eis ein Marathon und ein Halbmarathon gelaufen werden können. Zur Reisegruppe gehören in diesem Jahr auch drei Läufer aus Brandenburg und Berlin, die sich auf Temperaturen von minus 20 Grad einstellen müssen. Da haben die hiesigen Minusgrade in den vergangenen Tagen bereits einen Beitrag zu Akklimatisierung geleistet. Denn tatsächlich kann sich der Körper relativ zügig an die kalten Umstände gewöhnen. Die Teilnehmer des Baikal-Marathons reisen am kommenden Freitag nach Irkutsk und haben dann vier Tage Zeit, um mit Zeitumstellung und Klima zurechtzukommen.

Abhärtung gegen den Kältereiz

Auch an den märkischen Winter werden sich Läufer gewöhnen. Wer sich nicht in der warmen Stube versteckt, sondern weiterhin regelmäßig auch im Winter draußen Sport treibt, wird bald weniger frieren. Denn die normale Kälteanpassung lässt sich trainieren. Wissenschaftliche Studien haben belegt, dass der Körper den Sollwert verstellen kann. Dieser liegt bei 37 Grad Körpertemperatur. Fällt er um ein halbes Grad, fängt der Mensch an zu frieren. Gewöhnt sich der Organismus jedoch daran, bleibt das Frieren aus. Wer sich regelmäßig Kälte aussetzt, stimuliert die Wärmeproduktion im Fettgewebe. Wissenschaftler haben zudem herausgefunden, dass die Haut abgehärteter Probanden bei einem Kältereiz schneller durchblutet wird.

Vor allem aber ist die richtige Kleidung ein wirksamer Kälteschutz. Windstopper, Polarjacke, Multifunktionstuch, Sturmhaube, Fausthandschuhe – die Bekleidungsliste im Erlebnisbericht eines Eis-Marathonläufers vom Baikalsee liest sich wie der Winterkatalog eines Sportartikelherstellers. „Es ist alles eine Frage der richtigen Kleidung“, bestätigt Ines Schmitt von Schulz Sport Reisen, die das eisige Abenteuer selbst schon mitgemacht hat. „Der größte Feind ist der Wind“, sagt sie, weshalb es notwendig ist, sich mit winddichter Kleidung und Cremes, die einen hohen Fettanteil haben, zu präparieren.

Wer gut trainiert ist, hat weniger Probleme

Ob Sibirien oder Brandenburg: Die richtige Kleiderwahl ist wichtig. Auch der märkische Winter lässt Läufer frieren, wenn sie sich falsch gekleidet haben. Das Zwiebelprinzip ist wohl der wärmste Rat: Mehrere Textilschichten an sogenannter Funktionskleidung, die die Feuchtigkeit nach außen transportiert, übereinanderziehen. Inzwischen sind die Stoffe so leicht und bequem zu tragen, dass trotz mehrerer Bekleidungslagen die Beweglichkeit nicht allzu sehr eingeschränkt ist. Freilich fühlt man sich nicht so luftig und frei wie im Sommer, doch sind Zeiten schwerer, nasser und damit äußerst unangenehmer Baumwollshirts längst vorbei.

Und auch bei Kälte gilt: Wer gut trainiert ist, hat weniger Probleme. Ein schnell aktivierbarer Stoffwechsel bedeutet eine schnellere Energiebereitstellung, ein guter Fitnesszustand auch bei Minusgraden eine gute Leistungsfähigkeit und geringere Anstrengung. Für eine Teilnahme am Baikal Ice Marathon werden eine „sehr gute Kondition und Erfahrung im Langstreckenlauf unter kalten Bedingungen“ vorausgesetzt. Vermutlich wird die aktuelle Kälteperiode in Brandenburg allein nicht ausreichen, um sich auf sibirische Verhältnisse vorzubereiten.

+++ EISIGE LÄUFE +++

ARKTIS ULTRA
Wo: von Eagle Plains, Kanada, zum arktischen Meer nach Tuktoyatuk
Temperaturen: zwischen -30 und -40°C, die tiefste Temperatur war -52°C, mit Windeinfluss sind das gefühlte -78°C

HYPOTHERMIC HALBMARATHON
Wo: verschiedene Orte in ganz Kanada, der kälteste findet in Winnipeg statt
Temperaturen: gefühlte -47°C

NORDPOL-MARATHON
Wo: Nordpol
Temperaturen: zwischen -25 und -40°C, mit Wind gefühlte -60°C

ANTARKTIS-EIS-MARATHON
Wo: ein paar 100 Kilometer vom Südpol entfernt
Temperaturen: -20°C mit der Gefahr katabatischer Winde – kalte Fallwinde

ANTARKTIS ICE ULTRA
Wo: Südpol
Temperaturen: -20°C

SIBIRISCHER ICE MARATHON
Wo: Sibirien
Temperaturen: -32°C war der bislang tiefste Wert bei diesem Lauf

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