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Potsdamer Talente

  • 14.02.2018
  • von Tobias Gutsche

Potsdamer Talente: Kraftpaket mit Gefühl und Führungsqualität

von Tobias Gutsche

Im Flaggschiff. Mattes Schönherr fuhr 2017 im Deutschland-Achter. Foto: Wolfgang Lux/Verein

Im Achter, der prestigeträchtigsten Ruder-Bootsklasse, gewann Mattes Schönherr 2017 Gold bei der Junioren-Weltmeisterschaft. Durch seine gute Einstellung zum Leistungssport macht der Athlet des RC Potsdam nicht nur sich selbst besser.

Mattes Schönherr zitterte. Hatten seine Leistungen über die Saison gereicht, darf er zur Junioren-Weltmeisterschaft 2017 in Litauen und dort Mitglied des Deutschland-Achters sein? Der Ruderer des RC Potsdam hegte Zweifel, als er vor wenigen Monaten an der Münchner Regattastrecke auf die Nominierungsentscheidung wartete. „Ich hatte im Winter zwar einen guten Grundstein mit einer starken Ergometerzeit gelegt, doch danach liefen die Wettkämpfe durchwachsen“, erinnert er sich an seine damalige Unsicherheit zurück. Dann wurden die Namen der JWM-Teilnehmer verkündet. Einer nach dem anderen. Mattes Schönherr – fiel ganz zum Schluss. „In dem Moment war ich einfach nur glücklich“, erzählt er. Das Glücksgefühl sollte aber noch deutlich intensiver werden.

Auch dieses Jahr möchte er wieder JWM-Starter sein

Im Seminaris-Hotel sitzt Mattes Schönherr Anfang dieses Jahres vor einem Kamin, zur traditionellen Ehrungsveranstaltung hat sein Verein geladen. Das dunkelblaue RCP-Shirt, das er trägt, wird auf Spannung gebracht, denn für sein noch junges Alter hat der 17-Jährige bereits einen beachtlich massiv-muskulösen Körper. 98 Kilogramm verteilen sich auf 1,95 Meter. Viel Kraft steckt darin. „Die Physis ist eine meiner großen Stärken“, sagt er. Deshalb wusste der Potsdamer vergangene Saison auch im Kampf um das JWM-Ticket bei der Ergometerüberprüfung so sehr zu glänzen. Allerdings ist das nur Rudern auf dem Trockenen. „Mich hatte geärgert, dass ich danach bei den Regatten nicht mein Potenzial ausschöpfen konnte. Als ich die Nominierung erhalten hatte, wollte ich dann unbedingt beweisen, dass ich sie wirklich verdiene, dass ich in dieses Boot gehöre.“

Er schaffte es eindrucksvoll. Bei einer Fahrt in Vorbereitung auf das Championat wurden die Leistungswerte der jeweiligen Aktiven gemessen, wobei Mattes Schönherr herausstach. Roland Köpke überraschte das nicht. „Mattes hat nicht nur Power, er hat auch ein sehr gutes Gefühl für das Boot und das Wasser. Das ist eine feine Kombination“, erklärt der Trainer. Sein Schützling brachte letztlich diese Qualitäten in den Achter ein und wurde damit Teil einer goldenen Crew. Deutschland holte den Titel vor den USA und Großbritannien – im Rennen der prestigeträchtigsten Bootsklasse. „Es ist etwas Besonderes im Achter sitzen zu dürfen. Und wenn man dann auch noch Weltmeister wird, ist das umso schöner“, sagt Mattes Schönherr, ohne den Erfolg überzubewerten. Er verortet ihn demütig: „Ich bin im Nachwuchsbereich. Bis an die Spitze bei den Erwachsenen ist es noch ganz weit. Das war nur der erste Schritt auf dem Weg, jetzt soll es kontinuierlich weitergehen. Dieses Jahr möchte ich wieder bei der JWM dabei sein.“

Rudern passt perfekt zum Naturell von Mattes Schönherr

Es ist sein siebtes Jahr als Ruderer. Mattes Schönherr stammt aus Hohen Neuendorf in Oberhavel, hatte einst Leichtathletik betrieben und Fußball gespielt, ehe er 2012 an der Grundschule für die Ruderei gesichtet wurde. Beinahe wäre er allerdings durch das Raster gefallen. Seine damals 1,63 Meter waren „nicht gerade doll“, wie er berichtet, „gerade so noch ausreichend in einem Sport, bei dem die Körpergröße wichtig ist“. Die Sichter luden ihn dennoch an die Sportschule Potsdam ein und zeigten damit einen guten Talentriecher. Inzwischen hat Mattes Schönherr nicht nur erhofftes Gardemaß, sondern auch ein starkes sportliches Niveau entwickelt.

Und zudem schätzt Coach Roland Köpke die mentalen sowie zwischenmenschlichen Fähigkeiten des Youngsters. „Mattes ist jemand, der für den Leistungssport lebt. Ein ehrgeiziger Kämpfertyp. Er ist sehr wichtig für die Stimmung in der Trainingsgruppe, weil er gute Laune verbreitet, aber die Mannschaft auch antreibt und so versucht, alle stärker zu machen“, charakterisiert Köpke. Das sei sein Naturell, meint Schönherr selbst: „Ich bringe gerne meine Meinung ein, gehe voran und möchte individuell und gemeinsam etwas erreichen.“ Daher passe das Rudern auch so gut zu ihm, denn es sei eine spannende Verbindung aus Einzel- und Teamsportart. Da wird manchmal alleine gezittert, dann zusammen gekämpft – und über Gold gejubelt. 

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