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VfL Potsdam

  • 03.01.2018
  • von Peter Könnicke

Handball in Potsdam: Routine ersetzt Tempo

von Peter Könnicke

Damals war’s. Victor Pohlack zählte vor zehn Jahren zu den absoluten Leistungsträgern beim VfL Potsdam, der in der Saison 2008/09 in die zweite Liga aufstieg. Jetzt gehört Pohlack mit zahlreichen ehemaligen Teamgefährten zu den Steinadlern. Foto: O. Möldner

Beim diesjährigen Final-Four-Turnier des Brandenburger Handball-Landespokals ist eine besondere Truppe mit am Start: die Steinadler. Jene Mannschaft wird von Potsdams einstiger Handball-Elite gebildet, die mit einer Mischung aus Spaß, Ehrgeiz und Pflichtgefühl antritt.

Diese Finalrunde wird eine ganz besondere. Am kommenden Wochenende sucht der Handballverbandes Brandenburg (HVB) beim Final-Four-Turnier in der Potsdamer MBS-Arena seinen neuen Cup-Sieger. Zum einen wird das Aufeinandertreffen der Männerteams so etwas wie ein Familientreffen Potsdamer Handball-Generationen, die den Verein in der Vergangenheit geprägt haben und heute bei der HSG RSV Teltow/Ruhlsdorf (Brandenburgliga), in der Oberliga bei Grün-Weiß Werder und dem Ludwigsfelder HC ihr Zuhause haben. Und zum anderen sind da die Steinadler des VfL Potsdam, jene Handballer, die einst in der zweiten Liga spielten und die bislang größten Erfolge des Vereins schrieben.

„Das wird ein schönes Stelldichein des Potsdamer Handballs“, freut sich Göran Böhm, dessen Eltern 1990 zu den Gründungsmitgliedern des VfL gehörten. Er selbst steht in der Mitgliederkartei des VfL an 24. Stelle weit vorn. Und 2007 erfüllte er sich den eigenen Wunsch, mit seinem Heimatverein in die zweite Liga aufzusteigen. Inzwischen sind die Aktiven von damals Ende 30, Anfang 40. Seit einigen Jahren treffen sie sich zum wöchentlichen Fußball-Kick. Und dort kamen sie auch auf die Idee, beim HVB-Pokal den VfL zu vertreten, aus einer Mischung aus Spaß, Ehrgeiz und Pflichtgefühl. Denn die aktuelle Drittliga-Equipe des Vereins spielt nicht im Landespokal, die zweite Mannschaft auch nicht. „Dann spielen wir halt“, legten die alten Haudegen schon in der vergangenen Saison fest und traten bereits in der vorigen Pokalrunde an. Sie schieden im Halbfinal-Turnier gegen Altlandsberg erst im Sieben-Meter-Werfen aus – der Oberligist gewann später den Cup.

Siegeswilllen durch die "Wettkampf-DNA"

Im zweiten Anflug stehen die Steinadler nun also im Finalturnier. Und dieses wird generalstabsmäßig vorbereitet: Tägliche Updates und Posts in sozialen Netzwerken, ein öffentliches Training am morgigen Donnerstag für die Presse, Interviews. Natürlich alles mit einem Augenzwinkern. „Der Spaß spielt eine wichtige Rolle“, sagt Marc Thiele, einst VfL-Kreisläufer in der zweiten Liga. Nur lustig wird es auf der Platte aber nicht, kündigt Rückraumspieler Böhm an: „Spätestens wenn der Schiedsrichter in seine Trillerpfeife pustet, schalten wir auf alte Knöpfe.“ Soll heißen: Die Steinadler haben einen ausgeprägten Siegeswillen, wollen ins Endspiel, wollen den Pokal. „Es liegt einfach an unserer Wettkampf-DNA, dass wir gewinnen wollen“, sagt Thiele. „Die technischen Fertigkeiten haben wir nicht verlernt und an Robustheit nichts verloren“, betont Böhm. Vermeintliche Defizite will er aus taktischen Gründen nicht verraten, liegen aber auf der Hand: Trainiert haben die Alten Herren nicht. „Wer Tempohandball sehen will, muss nicht zu unserem Spiel kommen“, meint Böhm.

Tatsächlich spielen die alten Gefährten bei ihren wöchentlichen Treffen nur Fußball. „Aber irgendjemand hat immer einen Handball in der Tasche, den er dann jemanden zuwirft“, verrät Thiele. Und in dieser Woche werde sogar zweimal Handball geübt. „Dass wir für den VfL im Pokal spielen und dabei neben Spaß auch ehrgeizig sind, hat ganz viel mit der Liebe zu diesem Sport zu tun“, sagt Thiele. Und diese war in Potsdam offenbar schon immer besonders stark. „Denn dass am Wochenende so viele ehemalige VfL-er in der Arena spielen, ist schon ein Gütezeichen für den Potsdamer Handball“, befindet Böhm. Und da alte Liebe bekanntlich nicht rostet und die einst verschworene Truppe noch immer recht groß ist, haben die Steinadler die Qual die Wahl, wer von ihnen am kommenden Samstag beim ersten Spiel gegen Ruhlsdorf auf der Platte steht. „Wird gar nicht so einfach, die richtige Auswahl zu finden“, gesteht Marc Thiele, vor zwei Jahren Co-Trainer der Drittliga-Mannschaft.

Emotionaler Höhepunkt gegen Ruhlsdorf

14 Spieler zählt der Kader der Steinadler – „eine Mischung aus Spaß und sportlichen Ambitionen“, illustriert Thiele den Querschnitt. Die Auswahl soll so erfolgen, dass alle Interessen bedient werden: Spaß und Erfolg. „Ganz im Ernst“, sagt Thiele, „wir wollen nicht nur am Samstag spielen.“ Nur der Sieger des ersten Halbfinals darf am kommenden Tag noch einmal aufs Parkett – im Endspiel. „Daher ist es ganz gut, dass wir einen breiten Kader haben“, sagt Thiele mit Blick auf die mögliche Belastung zweier Spiele. Emotional werde jedoch bereits die Samstagspartie gegen Ruhlsdorf der Höhepunkt, schließlich spielen beim Brandenburgligisten mit Enrico Bolduan und Alexander Urban zwei ehemalige VfL-Publikumslieblinge und langjährige Weggefährten.

Bei den Frauen ist der Frankfurter HC der große Favorit. Das Team der neuen Trainerin Daniela Filip belegt in der dritten Liga aktuell Platz zwei. Neben den Frankfurterinnen sind noch die Brandenburgligisten SV Brandenburg-West und TSV Germania Massen sowie die HSG Ahrensdorf/Schenkenhorst aus der Oberliga Ostsee-Spree dabei. 

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