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VfL Potsdam

  • 03.11.2017
  • von Peter Könnicke

VfL Potsdam: „Wir sind im Abstiegskampf“

von Peter Könnicke

Sie sind weiterhin überzeugt. Daniel Deutsch (l.) und

Die Situation beim Handball-Drittligisten VfL Potsdam ist kritisch. Alexander Schmidt, spielender Assistenztrainer des Tabellenletzten, nennt die Aufgabe deutlich beim Namen. Aber vor dem Potsdamer Heimspiel-Dreierpack erkennt er im Training viel Positives.

Die Sponsoren des VfL Potsdam haben am vergangenen Samstag den Saisonauftakt vollzogen: Besuch des Handball-Länderspiels Deutschland gegen Spanien, gemeinsames Essen, gute Gespräche. Ein etwas verspäteter Saisonstart, dafür aber umso geselliger. Die Drittliga-Spieler des VfL würden gewiss auch noch einmal auf Start drücken und die bisherigen acht Saisonspiele wiederholen. „Das eine oder andere würde sicher anders ausgehen“, glaubt Co-Trainer Alexander Schmidt. Doch ließ sich die Zeit am vergangenen Wochenende lediglich um eine Stunde zurückdrehen, sodass es bei sechs Niederlagen sowie je einem Sieg und Remis für den VfL und dem aktuell letzten Platz bleibt.

Schmidts Einschätzung, dass bei einem Reset das VfL-Punktekonto etwas besser aussehen würde, resultiert zum einen aus dem Auftritt der Adler in Schwerin vor Wochenfrist. Zwar verlor der VfL auch gegen die Mecklenburger Stiere trotz eines Fünf-Tore-Vorsprungs zur Halbzeit. „Doch so, wie wir in der ersten Hälfte gespielt haben, schlagen wir jeden Gegner in der Liga“, meint Schmidt. Dass der VfL indes bis auf Altenholz (34:34) und Fredenbeck (29:25) gegen jeden Gegner verloren hat, offenbart das akute Problem: Es reichen wenige Minuten „bis zum Totalausfall“, wie Schmidt es schonungslos benennt, um selbst klare Führungen aus der Hand zu geben. Die Symptome ähneln sich: hektische Angriffe, Fehlwürfe, Undiszipliniertheiten in der Abwehr. Dem Gegner genügen wenige Minuten, um das VfL-Betriebssystem erfolgreich zu stören. „Und wir schaffen es nicht, den Schalter wieder umzulegen“, sagt Schmidt, der neben seiner Rolle als Co-Trainer als aktiver Spieler das Auf und Ab des Geschehens auf der Platte hautnah miterlebt. Was ihm als erfahrenem Akteur gelingt, klappt vor allem bei seinen jungen, unerfahrenen Mitspielern nicht: „Die Situation abhaken und nach vorn schauen.“

"Selten so ein konstant hohes Trainingslevel in Potsdam"

Was Schmidt aber hoffen lässt, sind die Fortschritte, die er der Mannschaft attestiert. Die Trainingsbereitschaft sei hoch, ebenso die Qualität der Übungseinheiten. Chefcoach Daniel Deutsch, der den Posten im vergangenen Sommer übernommen hat und nun gleich bei seiner ersten Trainerstation in einer unerwartet schwierigen Situation ist, setze nach wie vor Inhalte und Methoden so um, „wie wir es uns als Trainerteam von Beginn an vorgestellt haben“, so Schmidt, der seit zwölf Jahren beim VfL ist: „Ich hatte in Potsdam selten so ein konstant hohes Trainingslevel.“ Das Spielsystem unter Deutsch ist ein anderes, als es dessen Vorgänger Jens Deffke praktiziert hat. Angesichts der drei Punkte aus acht Spielen und dem schlechtesten Torverhältnis der Liga ließe sich leicht ein Fragezeichen dahinter setzen. „Nein“, sagt Schmidt, „wir sind davon überzeugt und werden weiterhin deutlich machen, dass es der richtige Weg ist. Das ist ein Prozess, den man in Kauf nehmen muss.“

Doch bei aller Geduld und Zuversicht betreibt Schmidt keine Augenwischerei: „Wir sind im Abstiegskampf“, macht er nach einem Saisondrittel unmissverständlich deutlich. „Das muss auch emotional bei den Spielern ankommen, die Situation muss allen bewusst sein“, verlangt er, um zugleich zu sagen: „Das ist es auch.“ Klar, auch die Spieler haben trotz aller Um- und Neuformierung des Kaders ein Agieren im sicheren Mittelfeld der Nordstaffel erwartet. Dass dieses aktuell so weit entfernt ist wie ein Auswärtsspiel in Flensburg, lag zu Saisonbeginn außerhalb des Erwartungshorizonts. „Jetzt damit ohne Angst umzugehen, wird wichtig sein“, sagt Schmidt. Daher erwartet er am Sonntag im Heimspiel gegen HF Springe (Beginn: 16 Uhr,/MBS Arena) vor allem einen couragierten Auftritt. Doch werde es schwierig, gegen den starken Tabellendritten zu gewinnen. Punkte gegen den Abstieg sollen aber in den nachfolgenden beiden Heimspielen gegen Hamburg-Barnbeck und den HSV Hannover her.

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